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Fußball-Frauen in Frankfurt: "Ich werde jetzt nur noch feiern, feiern, feiern"

Von , Frankfurt

Tausende Fans waren da, um die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen zu empfangen. Auf dem Frankfurter Römerberg herrschte eine Riesenstimmung, während es beim Festakt im Kaisersaal des Rathauses manchen peinlichen Auftritt gab. Einer Spielerin war das egal.

Frankfurt - Jubel, Trubel, Heiterkeit. Kaum hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nach dem zehnstündigen Rückflug aus Shanghai wieder festen Boden unter den Füßen, sprengt auch die Begeisterung in der Heimat bisher für den Frauenfußball gültige Grenzen. Mehr als 15.000 Menschen auf dem Frankfurter Römerberg bereiteten dem alten und neuen Weltmeister heute Abend einen begeisternden Empfang, bejubelten um 19.30 Uhr das Erscheinen eines Teams, das von einem langen Flug und einer durchfeierten Nacht im Mannschaftshotel Huating sichtlich gezeichnet war. "Die meisten haben ja maximal eine Stunde geschlafen", verriet die Duisburgerin Lira Bajramaj, "doch für so etwas macht man gerne durch."

Die Einwechselspielerin sprach von einem in jeder Hinsicht unvergesslichen Erlebnis, immer wieder schrieb sie Autogramme, posierte für Fotos, "man fühlt sich wie ein Popstar - so was habe ich noch nie erlebt". Andere schon: Routiniert schritt Birgit Prinz von Kamera zu Kamera und gab mit nüchterner Stimme beim ZDF-Mann Wolf-Dieter Poschmann Auskunft über die Lage der weiblichen Fußball-Nation. Das taten auch andere: Theo Zwanziger, DFB-Boss und laut Moderator Oliver Forster der "König des Frauenfußballs" stimmte die Anhänger auf dem Römerberg vom Balkon aus gleich noch auf die Unterstützung zur WM-Bewerbung 2011 ein, pries die Feierlichkeiten im Überschwang als einzigartiges Erlebnis.

Geldprämie statt Kaffeeservice

Noch einer vom Deutschen Fußball-Bund sonnte sich im Glanz des Erfolges: Neben Zwanziger strahlten auch der unvermeidliche Ex-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und dessen Gattin Margot beim Aufmarsch in den Kaisersaal in die Kameras. Nur zur Erinnerung: Noch beim Gewinn des EM-Titels 1989 unter der Ägide Hermann Neubergers waren die Frauen mit einem Kaffeeservice prämiert worden, "wir waren schon froh, dass unser Spiel damals live im Fernsehen gezeigt wurde und das Stadion voll war", erinnerte sich die damalige Trainerin Tina Theune-Meyer.

Diesmal allerdings schüttete der Verband auf Initiative des MV-Nachfolgers für jede Spielerin 55.000 Euro aus. Peinlich war manche Rede zum Festakt - etwa jene der überforderten Frankfurter Sportdezernentin Daniela Birkenfeld, die vom Kauf ihrer ersten Deutschland-Flagge berichtete. Doch die Bühne gehörte ja glücklicherweise anderen. Den tanzenden und glucksenden Spielerinnen oder Trainerin Silvia Neid, die gleich dreimal ein "Ich freue mich" ins Mikrofon krächzte, während ihr Team den Lieblingssong "Hurra, hurra, die Weltmeister sind da" intonierte.

Dabei wurde allerdings auch schnell deutlich, dass sich Birgit Prinz oder Renate Lingor aufs Schießen oder Köpfen doch besser verstehen als auf den Gesang. Doch das war der jubilierenden Menge, darunter viele Frauen und Jugendliche, irgendwie egal - spätestens als der schon bei der WM 2006 erprobte Oliver Pocher den Animateur und Vorsänger mimte. Keine zwei Stunden dauerte die Prozedur, dann kamen die Aufräumkommandos. Der Anhängerschaft schien es zu reichen; es ging am Römerberg darum, sich mit liebevoll gebastelten Plakaten für begeisternde Spiele zu bedanken oder schlicht teilzuhaben an dem von einem privaten Radiosender kräftig gehypten Event, "das gewiss neue Dimensionen für den Frauenfußball eröffnet und den Durchbruch bedeutet", wie der heisere Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, befand.

Am Wochenende beginnt der Bundesliga-Alltag

Schon am Sonntag im Punktspiel gegen den Hamburger SV rechnet der Primus der Frauen-Bundesliga mit "vielleicht 3000 Zuschauern". Das wären fast dreimal so viele wie sonst. Doch nicht allen ist recht, dass der Ligabetrieb auf Weltmeisterinnen keine Rücksicht nimmt. "Mich hat der Verein bis Donnerstag freigestellt, um das alles zu verarbeiten", erzählte Lira Bajramaj, die am Wochenende mit dem FCR Dusiburg in Crailsheim vor 200, 300 Zuschauern kicken muss. Und Sandra Minnert, die mit dem SC Bad 07 Neuenahr am Sonntag zum dritten Spieltag den VfL Wolfsburg erwartet, ahnt schon, "dass es hart wird, sich wieder in unseren Alltag zu integrieren".

Fernab der Glitzerwelt der vergangenen Wochen hegen alle die Hoffnung, "dass dieser Erfolg auf den gesamten Frauen- und Mädchen-Fußball abstrahlen möge" (Zwanziger). Doch wollte man an diesem Abend wirklich über die Perspektiven reden? Mitnichten. "Mir ist erst einmal alles egal", sagte Nadine Angerer auf die Frage, ob sie den Wunsch Zwanzigers erfüllen werde, neben Birgit Prinz neues Gesicht für die WM 2011 zu werden. Die 28-Jährige, die demnächst vier Fernsehauftritte hat, schwenkte ihr Sektglas, zog eine beige Baumwollmütze vor die Augen und berichtete darüber, dass eine Fränkin zum Feiern "am liebsten viel Bier trinkt".

Sie glaubt übrigens, "dass die Nationalmannschaft den Weg nicht allein gehen kann", mehr wolle sie zu dem Thema nicht sagen. "Ich werde jetzt nur noch feiern, feiern, feiern", verriet die unbezwungene WM-Heldin, die direkt nach dem Empfang mit den Mitspielerinnen von Turbine Potsdam die nächste Maschine nach Berlin nahm, um mit der Verwandtschaft und den Freunden daheim fröhlich zu sein. Im trauten Kreise in Berlin könne es bestimmt noch lange gehen, verriet die Torfrau, "glaubt mir, ich habe eine wahnsinnige Ausdauer".

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels war davon die Rede, dass die Spielerinnen 1989 als EM-Prämie zusätzlich zum Kaffeeservice auch ein Bügelbrett erhalten hatten. Dies war nicht der Fall. Wir bedauern die falsche Angabe.

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WM-Party: Ballnacht auf dem Römerberg


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