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Bremer zur Fußball-WM auf Kunstrasen: "Es zeugt nicht von Respekt gegenüber uns Athletinnen"

Ein Interview von

Bremer: "Glaube nicht, dass Blatter das den Männern zumuten würde" Zur Großansicht
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Bremer: "Glaube nicht, dass Blatter das den Männern zumuten würde"

Pauline Bremer ist eine von über 40 Fußballerinnen, die dagegen klagen, dass die WM 2015 auf Kunstrasen stattfinden soll. Hier spricht die 18-Jährige über die Gefahren des Belags und den mangelnden Respekt des Fußball-Weltverbands Fifa.

Zur Person
Pauline Bremer, 18, spielt seit ihrem neunten Lebensjahr Fußball. Von der SVG Göttingen 07 wechselte sie 2012 zum Bundesligisten FCC Turbine Potsdam. Seit 2010 durchlief die Mittelfeldspielerin sämtliche Nachwuchsteams des DFB, ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gab sie an ihrem 18. Geburtstag in der WM-Qualifikation gegen Slowenien. Im Sommer gewann sie die U-20-WM, wurde 2012 U-17-Europameisterin und außerdem Torschützenkönigin der U-19-EM 2013.
SPIEGEL ONLINE: Frau Bremer, Sie sind 18 Jahre alt und klagen gegen den mächtigsten Mann im Weltfußball: Joseph Blatter. Haben Sie keine Angst?

Bremer: Nein, überhaupt nicht. Ich klage ja nicht allein, sondern gemeinsam mit etlichen anderen Fußballerinnen. Das war auch der Grund für mich zu unterschreiben: Weil wir zusammenhalten müssen, auf und neben dem Platz.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind dagegen, dass die Frauen-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Kanada auf Kunstrasen ausgetragen wird. Warum?

Bremer: Über die gesundheitlichen Gefahren wurde schon viel gesprochen und geschrieben. Wenn man auf Kunstrasen stürzt, sind die Schürfwunden schmerzhafter, weil das Material so heiß wird. Man verletzt sich außerdem schneller im Knie oder im Sprunggelenk, weil man mit den Stollen im Kunstrasen leicht hängen bleiben kann. Das gesamte Spiel verändert sich. Es ist ein falsches Signal, wenn gleich eine ganze WM auf so einem schwierigen Belag gespielt werden soll. Es zeugt nicht gerade von Respekt gegenüber uns Athletinnen.

SPIEGEL ONLINE: Blatter sagte kürzlich, es sei nicht auszuschließen, dass auch Männer bald auf Kunstrasen spielen würden.

Bremer: Das kann ja gut sein. Aber jetzt ist die Qualität der Kunstrasenplätze noch sehr unterschiedlich. Ich habe bei der U20-WM in diesem Sommer auch auf Kunstrasen gespielt, unter anderem in Edmonton und Montreal, die Plätze waren gut. Aber ausgerechnet der Platz in Vancouver, auf dem das Finale stattfinden soll, ist zu hart. Das ist nicht professionell, und ich glaube auch nicht, dass Herr Blatter das den Männern zumuten würde.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie sind nicht grundsätzlich gegen Kunstrasen als Belag?

Bremer: Überhaupt nicht. Ich bin Weltmeisterin auf Kunstrasen geworden! Man kann darauf durchaus ordentlichen Fußball spielen. Aber so, wie es die Fifa derzeit vorhat, ist es nicht fair.

SPIEGEL ONLINE: Angeblich wurden Spielerinnen aus Frankreich und Mexiko von der Fifa unter Druck gesetzt, damit sie ihre Klage zurückziehen. Ist Ihnen das auch passiert?

Bremer: Bei mir hat sich noch niemand gemeldet.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie denn, dass Sie mit Ihrer Klage Erfolg haben?

Bremer: Es gibt offenbar keine richtige Alternative, und das ist schon bitter. Wenn wir eine WM haben wollen, müssen wir die Situation nehmen, wie sie ist. Wir kommen damit auch klar. Aber eigentlich dachte ich, wir seien weiter, ich dachte, die Zeit der ständigen Kompromisse sei für unseren Sport vorbei.

SPIEGEL ONLINE: Das hoffte man schon nach der WM 2011 hier in Deutschland. Was hat sich wirklich getan?

Bremer: Ich fühle Unterschiede. Die Nachwuchsarbeit im DFB wird immer besser. Und ich glaube auch, dass mehr Menschen unseren WM-Sieg im Sommer mitbekommen haben. In den Medien wurde über uns berichtet, die Zeitung bei mir zu Hause hat mehrfach über mich geschrieben. Aber Akzeptanz braucht eben Zeit.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
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1. Grundsätzlich verstehe ich nicht, ...
kumi-ori 10.11.2014
... warum man überhaupt einen "Frauenrasen" braucht. Wäre es nicht einfacher, man würde überall auf Gras spielen?
2. Das wird leider noch so weitergehen
pauleschnueter 10.11.2014
Nun bin ich gespannt, eventuell wird aus der Klage ja zumindest ein deutliches Signal. Ich warte nur auf die ersten Kommentare, die den Kunstrasen mit dem friedlicheren, langsameren und schlechteren Spiel der Frauen als hinnehmbar rechtfertigen. Spart euch die Frechheit!
3. Mein Gott ....
bananenrep 10.11.2014
dann seit euch doch mal einig und boykottiert die fette Gans FIFA. Aber da wird das eine oder andere Sümmchen ja zu erwarten sein. Und der arrogante Blatter wird halt seine goldenen Teller verkaufen und wird für sich keine Strassen mehr sperren lassen können. WM und FIFA ist nur noch ekelhaft.
4.
future-trunks 10.11.2014
Zitat von kumi-ori... warum man überhaupt einen "Frauenrasen" braucht. Wäre es nicht einfacher, man würde überall auf Gras spielen?
was soll denn ein frauenrasen sein? in kanada sind die stadien jedenfalls mit kunstrasen ausgestattet, weil es aufgrund der witterungsbedingungen schwieriger ist einen rasen anzulegen und nicht weil da jetzt mal n paar spiele lang Frauen drauf spielen.
5. Frechheit!
shooop 10.11.2014
Frauenfußball gehört auf den gleichen Rasen wie Männerfußball! Man stelle sich das umgekehrt vor: eine Weltmeisterschaft der Männer auf Kunstrasen! Das ist ein regelrechter Affront gegen unsere Frauen!
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Deutsche Meister bei den Frauen
Jahr Verein
2015 FC Bayern München
2014 VfL Wolfsburg
2013 VfL Wolfsburg
2012 1. FFC Turbine Potsdam
2011 1. FFC Turbine Potsdam
2010 1. FFC Turbine Potsdam
2009 1. FFC Turbine Potsdam
2008 1. FFC Frankfurt
2007 1. FFC Frankfurt
2006 1. FFC Turbine Potsdam
2005 1. FFC Frankfurt
2004 1. FFC Turbine Potsdam
2003 1. FFC Frankfurt
2002 1. FFC Frankfurt
2001 1. FFC Frankfurt
2000 FCR Duisburg
1999 1. FFC Frankfurt
1998 FSV Frankfurt
1997 Grün-Weiß Brauweiler
1996 TSV Siegen
1995 FSV Frankfurt
1994 TSV Siegen
1993 TuS Niederkirchen
1992 TSV Siegen
1991 TSV Siegen

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