BVB-Gala gegen 96: Spielwut in Schwarz-Gelb

Von Felix Meininghaus, Dortmund

Es war das grandiose Ende eines grandiosen Jahres: Borussia Dortmund zauberte im DFB-Pokal gegen Hannover. Doch einer glänzte noch heller als das ohnehin beeindruckende Kollektiv. Nationalspieler Mario Götze traf dreimal - darunter das vielleicht frechste Tor der Hinrunde.

dapd

Kurz nach Spielschluss stehen die Reporter in den Katakomben des Dortmunder Stadions und warten. Auf die BVB-Spieler, auf Stimmen, auf eine Einordnung dessen, was gerade passiert ist. Doch aus der Borussen-Kabine kommt kein Profi, nur Shaggy: "It wasn't me", der Hit des jamaikanischen Popstars, wummert durch die Tür.

Es ist eine spontane Kabinenparty, die die Spieler des Deutschen Meisters feiern. Und wer will sie ihnen verübeln nach diesem mitreißenden 5:1 (3:0) im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Hannover - und nach diesem Rekordjahr? "Wir werden es heute richtig krachen lassen", sagt Trainer Jürgen Klopp später.

Fürs Nachdenken ist an diesem Abend weniger Platz. Aber die Dortmunder werden während der Feiertage noch genug Zeit finden, dieses Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die historische Meistersaison mit noch nie zuvor erreichten 81 Punkten. Das Pokalfinale von Berlin, als sie den großen FC Bayern München beim 5:2 demütigten. Oder die phänomenale Champions-League-Vorrunde der aktuellen Spielzeit, in der sich die Borussia bei Duellen mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam als Gruppenerster durchsetzte.

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Mario Götzes Freistoß: So wie einst Ronaldinho
Bei so vielen herausragenden Leistungen passte der letzte Akt perfekt in die BVB-Aufführungen 2012. Als wollte Dortmund sich und seine Fans noch einmal daran erinnern, was dieses Jahr so unvergesslich gemacht hat. Die Borussia spielte noch einmal grandios auf und führte die Gäste dermaßen vor, dass Hannovers Trainer Mirko Slomka sichtlich verwirrt war: "Die haben uns ganz schön durcheinander gewirbelt. Ich hoffe, dass sich die Spieler in der Winterpause gut erholen."

Dortmund dagegen berauschte sich mal wieder an sich selbst. "Es konnte keinen besseren Abschluss geben für das großartigste Jahr, das ich als Trainer erlebt habe", sagte Klopp: "In der ersten Halbzeit haben wir uns in einen Rausch gespielt, es hat Mörder-Spaß gemacht, da zuzuschauen. Flüssig, diszipliniert, zielstrebig - einfach großartig."Der BVB begeistert als Kollektiv, aus dem einer allerdings herausragt: Mario Götze. Der Mittelfeldspieler ist ein Regisseur und Torjäger in Personalunion, verteilt die Bälle, bereitet Tore vor und trifft auch noch selbst. Gegen Hannover steuerte er drei Treffer bei. Legendär ist schon jetzt sein zweites Tor per Freistoß: Götze schoss den Ball unter der hochspringenden 96-Mauer flach hindurch und unhaltbar ins Netz.

Der 20-Jährige wirkt so inspiriert, als wolle er noch wochenlang ohne Unterlass weiterzaubern. Doch der Schein trügt. "Auch ich bin froh, jetzt ein paar Tage Pause zu haben", sagt der Nationalspieler.

Es wird für die Gegner auch im kommenden Jahr selten ein Vergnügen sein, auf diese spielwütige Bande in schwarz-gelb zu treffen. Längst haben Fachleute wie die Trainer José Mourinho (Real Madrid), Alex Ferguson (Manchester United) oder Frank de Boer (Ajax Amsterdam) den BVB in den Kreis der Titelkandidaten der Champions League aufgenommen. Und national werden die Bayern heilfroh sein, dass sie dem lästigen Konkurrenten in der Liga bei zwölf Punkten Vorsprung bereits weit genug enteilt sind.

Die Aussicht, im Viertelfinale des DFB-Pokals auf die Dortmunder zu treffen, wird in München bestimmt keine Hochstimmung auslösen. "Wir fahren da hin, um zu gewinnen, auch wenn wir wissen, dass die Bayern außergewöhnlich stark sind", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nach der Auslosung. Danach verabschiedete er sich in die Nacht, um weiter zu feiern.

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1.
BlakesWort 20.12.2012
Hannover kann froh sein, nicht mit einem zweitstelligen Ergebnis nach hause geschickt worden zu sein. Hätte Lewandowski einen etwas besseren Tag erwischt und wäre ab und an eine Sekunde später gestartet, das Ding wäre noch klarer ausgegangen. Daran ändern auch zwei klare Fehlentscheidungen nichts, denn Hannover hat zu keiner Zeit ins Spiel gefunden oder einen Funken Kampfgeist gezeigt. Über weite Strecken des Spiels hatte ich das Gefühl, der BVB hätte 80 Prozent Ballbesitz, da fällt es als Gegner schwer, nicht zu verzweifeln. Ich finde es interessant, wie sehr Klopp immer noch Spieler ist. Man sieht, wie es im physische Schmerzen bereitet, wenn sein Team dumme Fehler macht oder das Gas zu sehr rausnimmt. Gut dass er in seiner Mannschaft viele Spieler hat, die diese Einstellung teilen. Die Meisterschaft geht wohl an den FCB, aber zumindest im DFB-Pokal wird das nächste Spiel zeigen, ob sich beide als Zweigestirn des deutschen Fußballs etablieren können. Ich habe da keine Zweifel dran.
2. .
frubi 20.12.2012
Zitat von BlakesWortHannover kann froh sein, nicht mit einem zweitstelligen Ergebnis nach hause geschickt worden zu sein. Hätte Lewandowski einen etwas besseren Tag erwischt und wäre ab und an eine Sekunde später gestartet, das Ding wäre noch klarer ausgegangen. Daran ändern auch zwei klare Fehlentscheidungen nichts, denn Hannover hat zu keiner Zeit ins Spiel gefunden oder einen Funken Kampfgeist gezeigt. Über weite Strecken des Spiels hatte ich das Gefühl, der BVB hätte 80 Prozent Ballbesitz, da fällt es als Gegner schwer, nicht zu verzweifeln. Ich finde es interessant, wie sehr Klopp immer noch Spieler ist. Man sieht, wie es im physische Schmerzen bereitet, wenn sein Team dumme Fehler macht oder das Gas zu sehr rausnimmt. Gut dass er in seiner Mannschaft viele Spieler hat, die diese Einstellung teilen. Die Meisterschaft geht wohl an den FCB, aber zumindest im DFB-Pokal wird das nächste Spiel zeigen, ob sich beide als Zweigestirn des deutschen Fußballs etablieren können. Ich habe da keine Zweifel dran.
Ich finde Klopps Gestik nicht so schlimm aber das er bei einer 3:0 Führung mit dem 4ten Mann diskutiert, als würde sein Team durch Fehlentscheidungen 0:3 hinten liegen, halte ich für übertrieben.
3. FCB erst einmal Herbstmeister
bristolbay 20.12.2012
Zitat von sysopEs war das grandiose Ende eines grandiosen Jahres: Borussia Dortmund zauberte im DFB-Pokal gegen Hannover. Doch einer glänzte noch heller als das ohnehin beeindruckende Kollektiv. Nationalspieler Mario Götze traf dreimal - darunter das vielleicht frechste Tor der Hinrunde. Fußball-Gala: Borussia Dortmund wirft Hannover 96 aus dem Pokal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-gala-borussia-dortmund-wirft-hannover-96-aus-dem-pokal-a-873976.html)
Wer gestern diese Spielfreude gesehen hat, dieses Zaubern auf einem "Bierdeckel", der weiß, welche Faszination Fussball hat. Der FCB mag zwar Herbstmeister sein, ich glaube aber, dass die BVBler sich noch nicht aufgegeben haben. Wenn die Lauf bekommen, dann Gnade in München. Diese "Bübchen" leben und lieben Fussball. Man kann es auf ihren Gesichtern und in ihrer Geschlossenheit sehen. Das ist echte Liebe.
4.
Greg84 20.12.2012
Zitat von bristolbayWer gestern diese Spielfreude gesehen hat, dieses Zaubern auf einem "Bierdeckel", der weiß, welche Faszination Fussball hat. Der FCB mag zwar Herbstmeister sein, ich glaube aber, dass die BVBler sich noch nicht aufgegeben haben. Wenn die Lauf bekommen, dann Gnade in München. Diese "Bübchen" leben und lieben Fussball. Man kann es auf ihren Gesichtern und in ihrer Geschlossenheit sehen. Das ist echte Liebe.
Selbst mit einer Serie müsste Dortmund aber auch auf einen ordentlichen Hänger der Bayern hoffen. 12 Punkte sind nun doch nicht gerade wenig, die aufzuholen wären. Alle Spiele wird Dortmund sicher nicht gewinnen, weil es ihnen auch nicht jeder so leicht machen wird wie Hannover, die übrigens auch in München mit 0:5 untergegangen sind. Aufs Viertelfinale bin ich allerdings gespannt. Der Ausfall von Ribery hilft natürlich nicht gerade aber auch ohne ihn sind die Bayern nicht chancenlos im eigenen Stadion.
5. optional
jamloop 20.12.2012
ach....wat schön:)
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