Von Felix Meininghaus, Dortmund
Kurz nach Spielschluss stehen die Reporter in den Katakomben des Dortmunder Stadions und warten. Auf die BVB-Spieler, auf Stimmen, auf eine Einordnung dessen, was gerade passiert ist. Doch aus der Borussen-Kabine kommt kein Profi, nur Shaggy: "It wasn't me", der Hit des jamaikanischen Popstars, wummert durch die Tür.
Es ist eine spontane Kabinenparty, die die Spieler des Deutschen Meisters feiern. Und wer will sie ihnen verübeln nach diesem mitreißenden 5:1 (3:0) im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Hannover - und nach diesem Rekordjahr? "Wir werden es heute richtig krachen lassen", sagt Trainer Jürgen Klopp später.
Fürs Nachdenken ist an diesem Abend weniger Platz. Aber die Dortmunder werden während der Feiertage noch genug Zeit finden, dieses Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die historische Meistersaison mit noch nie zuvor erreichten 81 Punkten. Das Pokalfinale von Berlin, als sie den großen FC Bayern München beim 5:2 demütigten. Oder die phänomenale Champions-League-Vorrunde der aktuellen Spielzeit, in der sich die Borussia bei Duellen mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam als Gruppenerster durchsetzte.
Dortmund dagegen berauschte sich mal wieder an sich selbst. "Es konnte keinen besseren Abschluss geben für das großartigste Jahr, das ich als Trainer erlebt habe", sagte Klopp: "In der ersten Halbzeit haben wir uns in einen Rausch gespielt, es hat Mörder-Spaß gemacht, da zuzuschauen. Flüssig, diszipliniert, zielstrebig - einfach großartig."Der BVB begeistert als Kollektiv, aus dem einer allerdings herausragt: Mario Götze. Der Mittelfeldspieler ist ein Regisseur und Torjäger in Personalunion, verteilt die Bälle, bereitet Tore vor und trifft auch noch selbst. Gegen Hannover steuerte er drei Treffer bei. Legendär ist schon jetzt sein zweites Tor per Freistoß: Götze schoss den Ball unter der hochspringenden 96-Mauer flach hindurch und unhaltbar ins Netz.
Der 20-Jährige wirkt so inspiriert, als wolle er noch wochenlang ohne Unterlass weiterzaubern. Doch der Schein trügt. "Auch ich bin froh, jetzt ein paar Tage Pause zu haben", sagt der Nationalspieler.
Es wird für die Gegner auch im kommenden Jahr selten ein Vergnügen sein, auf diese spielwütige Bande in schwarz-gelb zu treffen. Längst haben Fachleute wie die Trainer José Mourinho (Real Madrid), Alex Ferguson (Manchester United) oder Frank de Boer (Ajax Amsterdam) den BVB in den Kreis der Titelkandidaten der Champions League aufgenommen. Und national werden die Bayern heilfroh sein, dass sie dem lästigen Konkurrenten in der Liga bei zwölf Punkten Vorsprung bereits weit genug enteilt sind.
Die Aussicht, im Viertelfinale des DFB-Pokals auf die Dortmunder zu treffen, wird in München bestimmt keine Hochstimmung auslösen. "Wir fahren da hin, um zu gewinnen, auch wenn wir wissen, dass die Bayern außergewöhnlich stark sind", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nach der Auslosung. Danach verabschiedete er sich in die Nacht, um weiter zu feiern.
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