Fußball in Afrika: Vetternwirtschaft, Raffgier, Korruption

Von Thilo Thielke

Der afrikanische Fußball hat viele Probleme: Politiker mischen sich in die Belange der Nationaltrainer ein, Funktionäre sind korrupt, die Verbände verfilzt. Die WM 2010 soll nun alle Schwierigkeiten auf einmal lösen.

Simbabwes Präsident Mugabe: Eisiges Schweigen am Tisch Zur Großansicht
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Simbabwes Präsident Mugabe: Eisiges Schweigen am Tisch

"Am schlimmsten von allen war Robert Mugabe", sagt Rudi Gutendorf, der acht afrikanische Nationalteams trainierte und ja bekanntlich einige Staatschefs über sich ergehen lassen musste. "Mugabe hasste die Weißen - er missgönnte auch mir jeden Erfolg, dennoch saß er bei jedem Spiel auf der Tribüne, dieser Heuchler. Um sich mit mir zu schmücken, lud er mich sogar zu seiner soundsovielten Hochzeit in seinen Palast in Harare ein."

Gutendorf revanchierte sich für die zweifelhafte Ehre mit einem sechzehnteiligen Tonservice und durfte zum Dank am Tisch des Staatsoberhaupts von Simbabwe sitzen. Aber geredet wurde nicht viel zwischen dem roten Tyrannen und dem bunten Hund, die Atmosphäre blieb eisig. Gutendorf: "Mugabe war immer wie versteinert. Der war teilnahmslos und blutleer, als stünde er permanent unter Drogen - er war ganz bestimmt der unsympathischste aller Präsidenten, die mir begegnet sind. Noch immer fröstelt mir bei dem Gedanken an ihn. Kaum zu glauben, dass dieser Revoluzzer so lange von Europas linker Schickeria verhätschelt worden war."

Wie die meisten afrikanischen Verbände litt auch die simbabwesche Football Association "Zifa" unter Vetternwirtschaft, Raffgier und Korruption. Präsident dieses Vereins zur Selbstbereicherung war zu Gutendorfs Zeit in der Mitte der neunziger Jahre Leo Mugabe, ein Neffe von "Comrade Bob". "Ein junger Faulpelz war das, gerade vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahre alt", so Gutendorf, "der meistens irgendwo besoffen herumlungerte. Aber wegen seiner Verwandtschaft zum Big Boss war er unantastbar." Eigentlich kenne er das auch kaum anders aus Afrika: "Posten im Fußball werden besonders gerne an Leute aus der eigenen Sippe vergeben. Die Jobs werden gut bezahlt, und angeblich kann man in dieser Position wenig falsch machen."

Dilettantismus der Funktionäre hemmt den Erfolg

Doch welch ein Irrtum! Streitereien um nicht gezahlte Prämien, willkürliche Eingriffe in die Aufstellung und schlechte Arbeitsbedingungen - kaum ein Fußballverband südlich der Sahara ist davon verschont. Die - gemessen am Potenzial der Spieler - verblüffende Erfolglosigkeit afrikanischer Nationalmannschaften hängt wohl hauptsächlich mit dem Dilettantismus ihrer Funktionäre zusammen. Sie residieren in den besten Hotels und reservieren sich die erste Klasse im Flugzeug, während ihre Stars nicht selten in verlausten Absteigen hausen müssen und sich in der Economy-Class drängen.

An dieser Stelle sollten wir vielleicht kurz differenzieren. Natürlich ist Afrika groß. Natürlich besteht Afrika aus unzähligen Völkern, Stämmen, Kulturen. Natürlich werden unzählige Sprachen gesprochen und die unterschiedlichsten Götzen verehrt. Die einen himmeln Jesus an, die anderen Mohammed, und alle zusammen noch nebenbei die Götter des Walds, des Weins und der Weiber. Ich war fünf Jahre lang Korrespondent des SPIEGEL für die Länder südlich der Sahara: ungefähr das Dreieck Senegal, Somalia, Südafrika. Um diese Region geht es in den folgenden Betrachtungen vornehmlich.

Wenn man den nordafrikanischen Fußball mit dem, der südlich der Sahara gespielt wird, vergleicht, merkt man schnell: Er ist weniger spektakulär, dafür viel erfolgreicher. Er ist schnörkelloser, aber effizienter. Dreimal in Folge gewannen mit Ägypten und Tunesien zuletzt nordafrikanische Mannschaften den renommierten Africa Cup of Nations, und die afrikanische Champions League der Vereinsmannschaften geht ebenfalls regelmäßig in den Norden. Die mit Abstand erfolgreichsten Clubs kommen beide aus Kairo: Al-Ahly und El Zamalek. Und Ägypten war auch das erste afrikanische Team, das jemals an einer Weltmeisterschaft teilnahm.

"Fußball ist keine Insel"

Es ist offensichtlich, dass es neben den kulturellen Unterschieden auch ökonomische gibt. Verglichen mit Schwarzafrika ist Nordafrika steinreich. Vornehmlich für die Länder südlich der Sahara wurde ja der Begriff "Vierte Welt" geschaffen. Der Fußballautor Simon Kuper schrieb, mit Ausnahme von Zaïre hätten "nur reiche, stabile afrikanische Nationen" bei Weltmeisterschaften jemals gut abgeschnitten. Man muss das mittlerweile wohl etwas relativieren. Ghana, die Elfenbeinküste, Togo, Angola und Senegal sind, trotz zum Teil gewaltiger Rohstoffvorkommen, auch keine Schlaraffenländer. Nordafrika ist besser organisiert und wohlhabender als der Rest des Kontinents. Und deshalb sind auch nicht alle zuversichtlich, was die Zukunft des afrikanischen Fußballs betrifft.

"Die Schere zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Fußball wird sich noch weiter öffnen", sagte etwa Joachim Fickert, einst technischer Manager der kongolesischen Nationalmannschaft, "Fußball ist keine Insel. Hinsichtlich medizinischer Versorgung und Ernährung werden diese Länder immer größere Nachteile haben. Wenn man über den Gewinn einer Weltmeisterschaft redet, nun, dann ist es vielleicht möglich, dass eines der nordafrikanischen Länder dies eines Tages schaffen wird, wegen ihrer besseren Wirtschaft."

Arme, reiche Länder in Afrika

Es ist müßig, an dieser Stelle zu sagen, dass sich die afrikanischen Probleme gegenseitig bedingen: Chaotische Organisation, schlechtes Management, Korruption und Bürgerkrieg führen genauso zur Armut wie umgekehrt. Und es hat ja auch nie jemand ernsthaft behauptet, dass Afrika von Mutter Natur besonders benachteiligt worden wäre. Wie es allein bei den WM-Teilnehmern aussieht, die in die Kategorie "bitterarm" fallen! Der riesige Kongo steckt voller Gold, Diamanten, Coltan und Tropenholz. Nigeria und Angola gehören zu den größten Ölproduzenten der Erde. Die Elfenbeinküste ist das Kakaoland schlechthin. Die Probleme dieser Länder sind so hausgemacht wie die Probleme des afrikanischen Fußballs.

Kuper in seinem Buch: "Ein afrikanisches Land, das sich nicht im Krieg befand, das sich die Meldung zur WM-Qualifikation finanziell leisten konnte, das diese Meldung nicht vergaß und schließlich alle angesetzten Spiele mit mindestens elf körperlich geeigneten Männern absolvierte - so ein Land hätte bereits eine gute Chance, die WM-Endrunde zu erreichen." Stimmt.

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Forum - WM-Jahr 2010 - was bringt das Turnier für Südafrika?
insgesamt 6 Beiträge
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1. World cupin Süd-Afrika
Ein nördlicher Beobachter 27.12.2009
Was für ein eifriges Talk hier... Warum so?? Interessieren sich die Deutschen nicht für Fussball ? Ich glaube, Süd-Afrika steht einige Wochen im Blickpunkt der Öffentlichkeit, aber sonst nichts. So ist es, leider.
2. Nachdem der erste...
Toradac 28.12.2009
Zitat von sysopErstmals findet die Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent statt. Wird sich das Turnier nachhaltig auswirken? Oder ist die WM nur eine Momentaufnahme? Was verbinden sie mit dem Kontinent?
...Post gestern aus welchen Gründen auch immer mal wieder nicht durchgegangen ist, der zweite Versuch: Was ist das für ein leeres und inhaltsloses Thema? Dabei kann man doch nur "rumschwallen". Hattet Ihr über Weihnachten Langeweile?
3.
Brieli 28.12.2009
Zitat von sysopErstmals findet die Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent statt. Wird sich das Turnier nachhaltig auswirken? Oder ist die WM nur eine Momentaufnahme? Was verbinden sie mit dem Kontinent?
Löwen, Sand und Hitze
4.
malbec freund 28.12.2009
Zitat von BrieliLöwen, Sand und Hitze
Sysop, ich bitte Sie schließen Sie das Thema JETZT. Danke.
5. Bitte?
ohmscher 13.05.2010
Zitat von sysopErstmals findet die Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent statt. Wird sich das Turnier nachhaltig auswirken? Oder ist die WM nur eine Momentaufnahme? Was verbinden sie mit dem Kontinent?
Bei diesen seltsamen Fragen ohne sichtbaren Zusammenhang kann ich die rege Beteiligung hier verstehen. Ja, Wissenschaftler haben mal herausgefunden, dass 2,78 Jahre nach einer Fußball-WM im Gastgeberland mit 56,22% Wahrscheinlichkeit ein Wirtschaftsaufschwung wie in Griechenland nach der Olympiade 2000 stattfindet, aber das hilft mir beim Verständnis der Fragen auch nicht.
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Fußball in Afrika: Spaß am Spiel

Gefunden in
Thilo Thielke
"Traumfußball - Geschichten aus Afrika"
Verlag Die Werkstatt, 2009, 224 Seiten, Hardcover, mit vielen Farbfotos, Euro 24.90

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