Fußball auf Grönland: "Wie Tiefkühlkost"

Sie spielen auf Moos, ihr Meister wird innerhalb einer Woche ermittelt: Fußball auf Grönland ist speziell. Im "11FREUNDE"-Interview berichtet Nationalspieler Anders H. Petersen vom ungewöhnlichen Modus der Liga und erklärt, warum er kein Skifahrer geworden ist.

Grönländische Stadt Ilulissat: Austragungsort der Fußballmeisterschaft Zur Großansicht
dapd

Grönländische Stadt Ilulissat: Austragungsort der Fußballmeisterschaft

Frage: Herr Petersen, der grönländische Winter ist eigentlich vorbei.

Petersen: Moment! Noch nicht ganz. Bei uns in Nuuk liegt noch Schnee. Wir trainieren nach wie vor in der Halle und gehen erst im Mai raus auf den Platz.

Frage: Wie sieht es aus mit der Qualität des Rasens?

Petersen: Ach, reden wir lieber von Moos. Richtiges Gras wächst hier oben leider nicht. Das ist auch der Hauptgrund, warum die Fifa uns nicht als eigenständigen Verband akzeptiert und wir nur inoffizielle Länderspiele bestreiten, zum Beispiel nächstes Jahr bei den Insel-Spielen auf den Bahamas.

Frage: Bahamas klingt verlockend. Werden Sie nach dem Turnier dort bleiben?

Petersen: Niemals. Da würde ich doch nur einen Sonnenbrand bekommen. Außerdem liebe ich meine Heimat, die Weite, die Einsamkeit, die Kälte, den Schnee.

Frage: Warum sind Sie überhaupt Fußballer geworden und nicht Skifahrer?

Petersen: Viele von uns Grönländern gehen als Jugendliche nach Norwegen oder Dänemark, um dort die weiterführenden Schulen zu besuchen. Wer nach Norwegen geht, wird tatsächlich Skifahrer. Wer aber nach Dänemark geht, wird Fußballer. So wie ich.

Frage: Wie weit haben Sie es dort gebracht?

Petersen: Bis in die vierte Liga. Und jetzt lachen Sie nicht: Damit bin ich in Grönland schon ein Star!

Frage: Sie sind 31 Jahre alt. Wann geht ein Fußballer in Grönland in Rente?

Petersen: Zehn Jahre will ich noch spielen. Die Kälte hält mich frisch. Wie Tiefkühlkos." Außerdem brauche ich den Sport. Ich bin LKW-Fahrer und sitze den ganzen Tag am Steuer. Diesen Winter habe ich fünf Kilo zugenommen. Höchste Zeit, dass die Saisonvorbereitung richtig losgeht.

Frage: Welche Chancen hat Ihr Club B67 in der diesjährigen Meisterschaft?

Petersen: Schwer zu sagen, weil es hier keine Hin- und Rückspiele gibt, wie Sie sie in Deutschland kennen. Die Wege wären einfach zu weit, von Nuuk in die nächste Stadt kommt man nur mit dem Schiff und braucht allein dafür acht Stunden.

Frage: Wie wird der grönländische Meister denn dann ermittelt?

Petersen: Im August findet ein Turnier in Ilulissat an der Disko-Bucht statt, eine Zweitagesreise von Nuuk entfernt. Innerhalb einer Woche spielt jeder gegen jeden. Da kann alles passieren, auch dass ein vermeintlicher Außenseiter am Ende Meister wird. So wie wir zuletzt 2010.

Frage: Hat sich bei dem Turnier schon mal ein Scout aus Europa blicken lassen?

Petersen: Nein. Aber wenn der Rasen erst mal wächst, bauen wir sofort VIP-Logen. Dann kommen sie schon.

Die Fragen stellte Dirk Gieselmann

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