DFB-Team unter Druck: Achtung, zerbrechlich!

Aus Nürnberg berichtet

dapd

Ein einziger Fehltritt von Torwart Manuel Neuer hat ausgereicht, um die deutsche Fußballelf gegen harmlose Kasachen zu verunsichern. Dem Team von Bundestrainer Joachim Löw passiert so etwas nicht zum ersten Mal. Wenn der Match-Plan gestört wird, kommt die Mannschaft aus dem Konzept.

Es gibt an dieser Fußball-Nationalmannschaft so vieles zu loben. Ihren Offensivgeist, ihr begeisterndes Tempo-Passspiel, ihre Kombinationsgabe, ihre Leichtigkeit, die außergewöhnliche individuelle Technik fast aller Akteure, ihre selbstbewusste Dominanz. Das Team hat an Rüstzeug alles, was eine Weltklassemannschaft ausmacht. Es ist eine Mannschaft, die Titel holen kann.

Aber sie hat noch keine Titel geholt.

Etwas scheint ihr zu fehlen - und möglicherweise ist es dies: die Gabe, mit Rückschlägen umzugehen. Die Fähigkeit, auch Fehler ins System zu integrieren. Wenn etwas schief läuft, wenn der zurechtgelegte Plan nachhaltig gestört wird, wirkt das Team von Joachim Löw teilweise wie paralysiert. Selbst in einem so einseitigen Match wie gegen das kreuzbrave Kasachstan.

Dass die Mannschaft nach dem zwar fatalen, letztlich aber völlig folgenlosen Torwartfehler von Manuel Neuer direkt nach Beginn der zweiten Hälfte den Faden verlor, war für jeden Beobachter sichtbar. Als sei irgendwo im Nürnberger Stadion ein Schalter umgelegt worden. Plötzlich gingen Pässe ins Leere, die zuvor direkt in den Fuß gespielt worden waren, einstudierte Laufwege waren nicht mehr da.

Mehr als ein einmaliger Konzentrationsabfall

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DFB vs. Kasachstan: BVB-Hattrick und Neuer-Patzer
Das Team wirkte verunsichert - trotz einer weiterhin souveränen Zwei-Tore-Führung und trotz eines Gegners, der keinerlei größere Gefahr ausstrahlte. Dass der Ball bei den Torgelegenheiten, die sich der DFB-Elf dennoch eröffneten, anschließend viermal nicht im Netz, sondern an Pfosten und Latte landete, mag Zufall oder Pech gewesen sein. Aber es passte ins Bild.

All das könnte man als Konzentrationsabfall nach einer klaren Führung abhaken, so wie es auch der Bundestrainer versuchte: "Den Spielern stehen schwere Spiele in der Champions League bevor, daher habe ich dafür auch ein gewisses Verständnis", sagte Löw nach der Partie.

Was die Angelegenheit allerdings bedenklich macht: Gegen die Kasachen wiederholte sich ein Muster. Schon gegen die Schweden im Oktober in Berlin hatte ein Gegentreffer, ein kleines, unvorhergesehenes Störfeuer, für den Bruch im Spiel gesorgt, was damals angesichts einer Vier-Tore-Führung sogar noch unverständlicher gewesen war.

Löw nach dem Halbfinal-Aus wie ohnmächtig

Und letztlich war es auch beim Halbfinal-Aus bei der Europameisterschaft im Vorjahr gegen Italien ähnlich: Eine zuvor von sich überzeugte deutsche Elf übte sich vor dem Duell in übergroßem Respekt vor dem vermeintlich übergroßen Gegner - und kam so von Anfang an nicht in ihr gewohntes Spiel. Der Gegentreffer erschien als Konsequenz aus dieser devoten Haltung und trug dazu bei, die Mannschaft aus dem Konzept zu bringen. Auch der Bundestrainer wirkte nach dem Ausscheiden fahrig, ohnmächtig, seine Fähigkeit zur Analyse setzte aus. Er brauchte Wochen, um die Fassung wieder zu erlangen.

Seitdem wirkt diese Nationalmannschaft in ihren Grundfesten merkwürdig erschüttert. Die außergewöhnliche Qualität dieses Kaders ist noch da, sie ist auch abrufbar, wie die furiose erste Stunde gegen Schweden zeigte. Die skandinavische Abwehr wurde durcheinandergewirbelt, Tore fielen, eines schöner als das andere. Ähnliches wiederholte sich gegen die Kasachen: Wenn nichts dazwischen gekommen wäre, hätte das Spiel womöglich 6:0 oder 7:0 geendet.

Aber es kam etwas dazwischen. Neuer, der seinen Fehler zumindest unumwunden eingestand, sagte anschließend: "Wenn mir das nicht passiert wäre, hätten wir hier eine andere zweite Halbzeit gesehen." Er reduzierte das Problem damit auf einen simplen Satz.

Trotzdem scheint es die Mannschaft noch nicht wirklich erkannt zu haben. Fast trotzig sagte Kapitän Philipp Lahm angesichts der Pfiffe des Nürnberger Publikums: "Bei einem 4:1-Sieg darf man ruhig applaudieren." Nach der schwedischen Aufholjagd von 0:4 auf 4:4 beließ man es beim Kopfschütteln darüber, dass "man so etwas noch nicht erlebt" habe, wie Bastian Schweinsteiger damals sagte.

"Mund abputzen, weitermachen" - das war mal eine der Leitlinien des ehemaligen Bundestrainers Rudi Völler, sie klingt wie eine der altbackenen Weisheiten aus dem deutschen Fußball-Lexikon von vorgestern. Tatsächlich hat sich die Mannschaft seit Völlers Zeiten sportlich um ein Vielfaches weiterentwickelt. Das Wort Rumpelfußball, das damals zum unentbehrlichen Vokabular jedes Spielberichtes gehörte, ist seit Jahren als Formulierung verschwunden.

Aber den Mund abputzen und weitermachen - das muss die heutige Spielergeneration des DFB ganz offensichtlich noch lernen.

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insgesamt 64 Beiträge
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1.
julia-s12345 27.03.2013
Typisch Deutschland! Anstatt sich über den Sieg zu freuen, wird wieder alles zerfleddert! Die Österreicher haben sich gestern über das 1:1 mehr gefreut als die Deutschen über den Sieg! That´s life!
2. mannomann
baiki 27.03.2013
... wir sind schon ein katastrophensüchtiges völkchen. Der sieg war ungefährdet, das spiel in der 1. halbzeit nett anzusehen - so what. Italien gewinnt gestern ohne jedes spektakel 2:0 in malta und gut ist. Gegen Kasachstan muss und kann niemand beweisen, dass er Weltmeister werden könnte. Die meisten spielen nächste Woche extrem wichtige cl-spiele, und dafür lag die leistung im soll. Zu neuer: pfiffe lassen sich nicht verbieten, und seine aktion war eben äußerst fahrlässig. Leider leistet sich neuer zu viele fehler dieser art, um weltklasse zu verkörpern.
3. Die Beleidigten
mave11 27.03.2013
Wenn der Trainer und die Spieler gerne Lob hätten, so müssen sie auch Kritik vertragen. Ansonsten kann ja der Trainer die Kuschelecke in der Kita betreuen. Und wenn der Trainer gern das spanische System spielen möchte (was ja bei dem Spielerangebot sehr sinnvoll wäre), dann muss er das auch tun. Und nicht ständig seinem Wechselrausch folgen und keinem Block gestattet, sich je richtig einzuspielen.. Er sollte mal bei del Bosque in die Schule gehen. Will er wahrscheinlich garnicht, weil die Deutschen ja immer das Rad wieder neu erfinden möchten. In einem haben wir jedenfalls die Spanier schon erreicht, im Auslassen der Torchancen. Und für mich war es bisher eine Binsenweisheit, dass gegen eine Defensivmannschaft mit Fernschüssen und über Außen agiert wird. Ging ja wohl nicht, ohne Mittelstürmer.
4. Wir sind nicht Österreich !
goethestrasse 27.03.2013
Wenn der geneigte Zuschauer von den weichgespülten, behüteten und wohlbezahlten Herrn Fussballern, Trainern UND Spielern jahrelang auf grosse Ziele eingeschworen wird, darf es erlaubt sein, etwas kritischer zu sein. Die Mannschaft hätte sich aufraffen müssen, Ehrgeiz zeigen und sich nicht verschreckt zeigen müssen.
5.
leschki 27.03.2013
Zitat von sysopDPAEin einziger Fehltritt von Torwart Manuel Neuer hat ausgereicht, um die deutsche Fußballelf gegen harmlose Kasachen zu verunsichern. Dem Team von Bundestrainer Joachim Löw passiert so etwas nicht zum ersten Mal. Wenn der Match-Plan gestört wird, kommt die Mannschaft aus dem Konzept. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-kleine-fehler-bringen-dfb-team-aus-dem-konzept-a-891215.html
Genau so ist es,wie im Bericht beschrieben und die Aussage von "Jogi" bezüglich der kommenden schweren ChampionsLeague Spiele seiner Bvb & Bayern Spieler bezüglich mangelnder Konzentration bestätigen diesen Eindruck ja nur noch...! Wie war das gleich nochmal : Eigentlich... :-)
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Deutschlands Spiele in der WM-Qualifikation
Datum Gegner Austragungsort
07.09.2012 Färöer (3:0) Hannover
11.09.2012 Österreich (2:1) Wien
12.10.2012 Irland (6:1) Dublin
16.10.2012 Schweden (4:4) Berlin
22.03.2013 Kasachstan (3:0) Astana
26.03.2013 Kasachstan (4:1) Nürnberg
06.09.2013 Österreich (3:0) München
10.09.2013 Färöer (3:0) Tórshavn
11.10.2013 Irland (3:0) Köln
15.10.2013 Schweden (5:3) Solna

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