Judenfeindlichkeit im Amateurfußball "Bei Antisemitismus sollte egal sein, woher er kommt"

Messerattacken, Beleidigungen: Antisemitismus von Migranten aus arabischen Ländern bereitet den jüdischen Makkabi-Vereinen in Deutschland zunehmend Ärger. Aber es gibt auch positive Entwicklungen.

Fußball (Symbolfoto)
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Vor zwei Jahren stellte Oded Breda in mehreren deutschen Städten "Liga Terezin" vor. Der Film des Fußballfans aus Tel Aviv zeigt, wie eine von den Nazis im Konzentrationslager Theresienstadt eingerichtete Fußballliga der Weltöffentlichkeit einst vorgaukeln sollte, den Juden gehe es dort gut. In Wirklichkeit überlebten nur 4000 der insgesamt 157.000 Lagerinsassen. Auch Bredas Onkel, der damals in der Liga mitspielte, wurde kurz nach den Filmaufnahmen in Auschwitz ermordet.

Viele junge Menschen kamen zur Filmvorführung von Oded Breda, und einige von ihnen engagierten sich in der Flüchtlingshilfe. Breda sagte, es sei schön, wenn Menschen in Not geholfen werde. Doch er befürchtete auch antisemitische Strömungen unter denen, die als Flüchtlinge aus dem arabischen Raum nach Deutschland kamen. Er hoffe sehr, dass das die Stimmung gegenüber Juden in Deutschland nicht kippen lasse.

Zweieinhalb Jahre später zeigt sich der Präsident der 37 jüdischen Makkabi-Vereine in Deutschland durchaus besorgt. Alon Meyer beklagt einen wachsenden Antisemitismus in den Amateurligen. Eine aggressive Judenfeindlichkeit gehe von manchen Gegenspielern mit "muslimisch-arabischem" Hintergrund aus, sagt er. Die verbalen Attacken reichen von "Drecksjude" bis "Juden ins Gas".

Attacken, Vorurteile, Beleidigungen

Auch Handgreiflichkeiten und Messerattacken habe es gegeben, sagt er. Meyer, der auch dem 1400 Mitglieder großen Frankfurter Makkabi-Verein vorsteht, sieht die Lage durch den Flüchtlingszuzug verschärft und sagt: "Die meisten der Flüchtlinge sind in hasserfüllten, totalitären Regimen aufgewachsen, in denen Feindbilder aufgebaut werden, die sich nicht nur gegen Juden, sondern auch gegen leicht bekleidete Frauen, Schwule oder Lesben richten."

Auch der Publizist Ahmad Mansour erkennt hier Probleme und sagt: "Wir erleben in Deutschland seit rund zehn Jahren einen Radikalisierungsprozess bei vielen muslimischen Jugendlichen. Islamisten und Salafisten haben erfolgreich unter denen Propaganda betrieben, die nach Halt suchen. Da gehört Antisemitismus zum Programm."

Makkabi-Präsident Meyer befindet sich aktuell in der Türkei. Er ist dort mit Jugendspielern des Vereins und einer türkischen Mannschaft aus Frankfurt, das Ziel der Reise: "Ins Gespräch kommen, Vorurteile abbauen, darum geht es. Und das macht hier einen Riesenspaß", sagte er dem SPIEGEL: "Kinder und Jugendliche aus muslimischen Familien können ja generell nichts dafür, dass sie in autoritären Regimen mit Stereotypen über Juden indoktriniert wurden."

Makkabi-Deutschland-Präsident Alon Meyer
DPA

Makkabi-Deutschland-Präsident Alon Meyer

Es gibt weitere positive Signale, wie etwa eine in Berlin ansässige Initiative junger Muslime, die sich gegen Antisemitismus engagiert und in Schulen und Universitäten Aufklärungsarbeit betreibt. Über die jüngsten Anfeindungen auf dem Fußballfeld empörten sich in Köln, Berlin und Frankfurt auch Makkabi-Spieler muslimischen Glaubens. Auf eine entsprechende SPIEGEL-Anfrage verwies der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zudem auf eine jüngst vorgestellte Studie über Diskriminierungen im Amateurfußball: Bei 0,21 Prozent der überprüften 1.318.741 Spiele sei es zu diskriminierenden Attacken gekommen. Welche Herkunft oder Religion die Täter hatten, weist die Statistik nicht aus.

Judenfeindlichkeit ist im Fußball allerdings nicht erst seit 2015, der sogenannten Flüchtlingswelle, ein Problem. Antisemitische Provokationen gab es schon vorher, und sie gehen auch von Deutschen aus. Fans von Vereinen wie Babelsberg 03, Tennis Borussia Berlin oder dem Roten Stern Leipzig werden immer wieder von Rechtsextremen mit antisemitischen Sprüchen angegangen - weil ihre Fanszene als alternativ gilt, oder weil ihr Verein jüdische Wurzeln hat.

Hetze gegen Juden - Verein schmeißt Spieler raus

Der Publizist Alex Feuerherdt ist Mitglied bei Makkabi Köln und war "alles andere als überrascht", als er Meyers Ausführungen las. Das dürfe ebenso wenig tabuisiert werden wie ähnliche Einstellungsmuster bei deutschen Rechten, findet Feuerherdt: "Wenn es um Antisemitismus geht, sollte es egal sein, woher der kommt." Man dürfe aber nicht vergessen, wie verbreitet generell antisemitische Stereotypen seien.

Aber auch Feuerhardt sagt, "dass aggressive Anfeindungen auch im Kölner Raum zuletzt meist von Spielern mit muslimischem Hintergrund ausgingen". Nach einem entsprechenden Vorfall benannten damals vor dem Sportgericht mehrere Zeugen die Spieler der gegnerischen Mannschaft, die sich antisemitisch geäußert hatten. Bestraft wurde jedoch nur einer von ihnen, offenbar seien die meisten Rufe nicht zuzuordnen gewesen.

Makkabi-Präsident Meyer sagt über Sanktionen der Verbände bei Antisemitismus, dass noch viel zu tun sei, damit es nicht bei wohlgemeinten Verlautbarungen bleibe. Er stehe im Gespräch mit dem DFB, der versichert habe, das Thema sehr ernst zu nehmen.

Der Verein BSC Schwarz-Weiß Frankfurt 1919 wurde selbst aktiv. Einer ihrer Spieler hatte nach dem Duell gegen Makkabi Frankfurt auf Facebook geschrieben: "Trotz dreimal umgeknickt voll gas gegeben bis zum ende. Sieg gegen die verdammten Makkabi Jahuds... für Palestina." Die Reaktion auf die Hetze: Der Verein suspendierte den Spieler.



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