Fußball-Manipulation Gericht verurteilt Wettpaten Sapina zu Haftstrafe

Er hat Spiele manipuliert und Schiedsrichter bestochen: Nach dem Urteil des Bochumer Landgerichts muss Ante Sapina wegen gewerbsmäßigen Betrugs für fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Damit blieb die Spruchkammer deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Drahtzieher Sapina: "Ich möchte mich bei meiner Familie entschuldigen"
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Drahtzieher Sapina: "Ich möchte mich bei meiner Familie entschuldigen"


Hamburg - Zwei Monate nach Beginn der Verhandlungen hat Wolfgang Mittrup, vorsitzender Richter im Prozess um Fußball-Manipulationen, das Urteil verlesen. Die 12. Spruchkammer des Bochumer Landgerichts verurteilte Ante Sapina zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert. 17 Monate der Haftstrafe hat Sapina bereits verbüßt.

In seinem Plädoyer am Donnerstagvormittag hatte Staatsanwalt Andreas Bachmann den 35-jährigen Sapina als "Feind des Sports" bezeichnet. "Sie haben bewusst Wettbewerbsverzerrung in Kauf genommen. Habgier und Geltungssucht waren Ihre Motive", sagte Bachmann.

Die Verteidiger vertraten weiter die Annahme, dass das durch Sapina und die Mitangeklagten meist frequentierte Wettbüro in London von allen Betrügereien gewusst habe und selbst auf die manipulierten Spiele wettete. Deshalb läge kein Schaden und damit auch kein Betrugstatbestand vor, so die Anwälte. Nach den Plädoyers äußerte sich auch der Hauptangeklagte Sapina: "Ich möchte mich vor allem bei meiner Familie entschuldigen. Ich kann's leider nicht wieder gutmachen. Es tut mir leid."

Sapina ist Wiederholungstäter. Er war bereits 2005 in der Manipulationsaffäre um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Vor Ostern war Sapina gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden und befand sich seitdem auf freiem Fuß.

50 manipulierte Begegnungen

Neben Sapina wurden auch zwei weitere Angeklagte im Wettprozess verurteilt: Marijo C. muss ebenfalls für fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Die Strafe für Mitläufer Dragan M. fiel mit einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung geringer aus.

Die Angeklagten hatten im Verlauf des zweimonatigen Prozesses gestanden, Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre bestochen zu haben. Etwa 50 Partien, darunter auch Begegnungen der Champions League und der WM-Qualifikation, wurden manipuliert.

Mitte April waren bereits die Urteile im ersten Wettprozess vor dem Landgericht Bochum ergangen. Die 13. Strafkammer hatte gegen drei Angeklagte Haftstrafen von drei Jahren, drei Jahren und acht Monaten sowie drei Jahren und elf Monaten verhängt. Mit weiteren Verfahren ist zu rechnen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln noch immer gegen gut 300 Verdächtige.

ach/jar/klu/dpa

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