Fußball-Skandal in Frankreich Korrupte Krokodile

Ein Manipulationsskandal erschüttert den französischen Fußball. Einem halben Dutzend Vereinsbossen drohen Ermittlungsverfahren. Im Zentrum der Affäre steht der Klub aus Nîmes.

Jubelnde Caen-Spieler nach dem Aufstieg: 1:1 zur rechten Zeit
AFP

Jubelnde Caen-Spieler nach dem Aufstieg: 1:1 zur rechten Zeit

Von , Paris


Das Gespräch der Präsidenten ist kurz, der Inhalt eindeutig. Die beiden französischen Fußballklubs der zweiten Liga brauchen 2013 beide dringend einen Punkt: Stade Malherbe Caen (SMC) aus der Normandie will den Aufstieg in die erste Liga, Olympique Nîmes zittert um den Klassenerhalt.

Warum 90 Minuten kämpfen, warum Risiko auf dem Rasen, wenn man sich auch vorab einigen kann?

Jean-François Fortin, SMC-Präsident, greift zum Telefon: "Du brauchst auch einen Punkt?"

Der Kollege aus Nîmes, Jean-Marc Conrad: "Also ja, wir müssen einen Punkt haben."

Fortin: "Na, also wenn wir nicht zu blöde sind...?"

Conrad versichert: "Der neue Präsident ist durchaus nicht blöd. Er hat sogar nachgelegt und für alle ein Geschenk mitgebracht."

Der Ausgang des Matches steht fest, 48 Stunden bevor die Spieler am 13. Mai vergangenen Jahres in das Stadion von Caen einliefen. Das Endergebnis von 1:1 kommt folglich beiden Teams zu Pass.

"Beben im französischen Fußball"

Und auch die Präsente aus Nîmes - Spitzname des Klubs: "Krokodile" - waren offenbar genehm. Zur Halbzeit wurde laut Medienberichten eine üppige Weinladung aus dem südfranzösischen Gard in den Umkleidekabinen der SMC-Spieler abgeliefert. Fortin ließ über seinen Anwalt ausrichten, dass er unschuldig sei. Caens Generaldirektor Xavier Gravelaine sagte, sein Klub sei ohne Fehl und Tadel.

Das Gespräch zwischen Fortin und Conrad wurde von Kripobeamten der Pariser Abteilung für "Rennen und Spiele", die illegalen Wetten auf der Spur waren, abgehört. Mehrere französische Medien veröffentlichten Auszüge daraus. Es droht, so die Sportzeitung "L'Équipe", ein "Beben im französischen Fußball". Ein Dutzend Vereinsfunktionäre, Trainer und Aktionäre wurden vorübergehend festgenommen, gegen ein halbes Dutzend ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen "aktiver und passiver Korruption im Zusammenhang mit sportlichen Ereignissen".

Der Skandal trifft einen Fußballverband, der Anfang der Woche bereits durch Gerüchte gegen die Klubs von Marseille und Cannes erschüttert wurde: Angeblich ist bei millionenschweren Spielertransfers Geld an mafiöse Hintermänner geflossen, so die Anschuldigungen der Finanzpolizei. Vorwürfe, die durch die Justiz bisher allerdings nicht erhärtet wurden. Der Präsident von Marseille, Vincent Labrune, ist in der Nacht zu Donnerstag aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Bei den Untersuchungen der zweiten Liga geht es nicht nur um den Vereinspräsidenten von Nîmes. Die Ermittlungsrichter konzentrieren sich vor allem auf Serge Kasparian, 59, Besitzer eines Pariser Wettvereins und einer der Hauptaktionäre der Kicker aus Nîmes.

Während die Betroffenen der anderen Vereine bisher jede illegale Absprache bestreiten, hat der ehemalige Brauereibesitzer gegenüber der Polizei seine Machenschaften eingeräumt. Nicht nur in Caen, sondern auch vor Spielen in Dijon, Angers und Bastia habe er über Mittelsmänner den gegnerischen Vereinen Zahlungen angeboten, um seiner Mannschaft aus der Bredouille zu helfen. Immerhin, dank der illegalen Hilfestellung Kasparians erreichte Olympique Nîmes am Saisonende den 15. Platz und sicherte sich knapp den Klassenerhalt.

Wettseiten in Übersee sind auf kleine Ligen spezialisiert

Der sportliche Imagevorteil ist wertvoll, nicht nur wegen staatlicher Subventionen und Übertragungsrechten. Wichtiger noch, sollten sich die Vorwürfe gegen die Vereinsbosse bewahrheiten, wären mögliche Verbindungen zu illegalen Wettbüros im Internet. Dort wird Sport, vor allem Fußball, vom organisierten Verbrechen zunehmend zur Geldwäsche genutzt.

Entfernung spielt für die digitalen Wettbüros in Übersee keine Rolle, so die Sportjournalisten François Thomazeau und Olivier Villepreux in ihrem "Monde"-Blog "Auf dem Falschen Fuß": "Gerade die Plattformen in Asien und Lateinamerika, wo die größten Summen gesetzt werden, zielen vor allem auf die Wettbewerbe, die weniger überwacht werden und weniger mediale Aufmerksamkeit erregen."

Juristische Konsequenzen könnte der Skandal nicht nur für die "Krokodil"-Funktionäre Kasparian und Conrad haben, auch dem Verein Olympique Nîmes drohen folgenschwere Sanktionen. Nach den Statuten des Profisports reichen die Strafen von der einfachen "Abmahnung", über den Punkteabzug bis hin zum Ausschluss aus der zweiten Liga.

Frédéric Thiriez, Verbandspräsident der französischen Profiliga LFP, hat angekündigt mit "aller Härte" vorzugehen - vorausgesetzt die Gerichte bestätigen die Vorgänge um Frankreichs zweite Liga.

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insgesamt 3 Beiträge
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alex2007 21.11.2014
1. fussballfan?
ich war ein mal ein richtig großer fussballfan, aber jedes jahr verliere ich ein bisschen mehr das Interesse. Also wenn es euch da draußen genauso geht, haben die Funktionäre es bald geschafft den fussball uninteressant zu machen.
axelmueller1976 22.11.2014
2. Hallo alex 2007 Die Funktionäre verhindern Vieles
Zum Beispiel mehr exakte Blut-Kontrollen im Training.
alex2007 22.11.2014
3. Aha
stimmt, der Sport ist total sauber. Gedopt wird nicht, wetten weden keine abgeschlossen, spiele werden nur in Frankreich manipuliert und die Fifa in ist die glaubwurdigste Verband den es gibt...
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