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Fußball-Nachwuchs: Scheinheilige Debatte über kleine Kicker

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Darf ein Bundesligist einen 13-Jährigen verpflichten? Hoffenheim und Wolfsburg haben mit ihrer Personalpolitik eine absurde Diskussion ausgelöst. Der Kampf um den Nachwuchs ist weder neu noch verwerflich. Er ist das Ergebnis professioneller Jugendarbeit.

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dapd

Wolfsburg-Coach Magath: "Das ist die Konsequenz"

Felix Magath macht es in diesen Tagen mal wieder allen Kritikern leicht. Der als kaufwütig verschriene Trainer des VfL Wolfsburg ist erneut in Shopping-Laune. Sieben Profis hat er in der Winterpause bereits geholt, am Mittwoch kam noch einer dazu: Alexander Laukart. Diese Verpflichtung sorgt für mehr Aufregung als die anderen. Der Grund: Laukart ist erst 13 Jahre alt.

Ab dem kommenden Sommer, dann ist Laukart 14, wird er im Nachwuchsleistungszentrum des VfL ausgebildet. Dort gibt es auf 50.000 Quadratmetern einen Kunstrasenplatz und einen Technikparcours. Und Appartements für die Fußball-Talente. In diesem Umfeld arbeitet der Club bereits seit 2007 mit Jugendlichen. Nahezu alle anderen Bundesligisten machen es ähnlich.

Trotzdem muss sich Wolfsburg jetzt rechtfertigen. Der Wechsel wurde nur zwei Tage nach einem ähnlichen Deal von 1899 Hoffenheim bekannt. Der Bundesligist hat sich gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt und den 13-jährigen Nico Franke von Tennis Borussia Berlin abgeworben. Anschließend hagelte es Kritik.

Auslöser war ein Bericht der "B.Z.", in dem der ehemalige Trainer von Hertha BSC, Markus Babbel, und Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), zitiert werden. Babbel beschwerte sich über Vereine, die Jugendliche zu früh aus ihren sozialen Umfeld reißen. Hieronymus sprach davon, dies verhindern zu wollen. Auch Stuttgarts Manager Fredi Bobic und Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke äußerten sich kritisch. Man konnte den Eindruck gewinnen, die Bundesliga habe plötzlich ein großes Problem.

Scouts stehen an jedem Trainingsplatz

Doch Fakt ist: Seit Jahren wird im Fußball um die besten Talente gekämpft. Die Geschichte Lionel Messis, der als 13-Jähriger von den Scouts des FC Barcelona in Argentinien entdeckt und verpflichtet worden war, kennt jeder. Die Teams in England oder Italien arbeiten ähnlich. Auch auf Trainingsplätzen deutscher Jugendmannschaften gehören Talentespäher längst dazu.

Forderungen nach einem "Abwerbeverbot für junge Talente" (Hieronymus) sind kaum durchsetzbar, und die Frage ist auch, ob das sinnvoll wäre. Wer entscheidet, wann jung zu jung ist? Welche Entfernungen sind für einen 13-Jährigen zumutbar, welche nicht? Will man den Kampf um die Talente von morgen regulieren, ginge das nur über einen freiwilligen Pakt der Vereine. Den gab es vor Jahren sogar. Nur gehalten hat er nicht.

Längst ist es üblich, dass Clubs Spieler ausbilden, noch bevor diese mit 15 Jahren überhaupt Geld bekommen und mit 16 Jahren Förderverträge unterschreiben dürfen. "Die Entscheidung ist von allen getroffen worden, dass man Leistungszentren einrichtet und auf die Jugendarbeit setzt. Das ist die Konsequenz", sagte Magath nach dem Laukart-Deal. Und weiter: "Ich weiß nicht, was diese Heuchelei wieder soll, dass sich irgendwer jetzt wieder aufregt. Man muss die Spieler rechtzeitig holen, wenn man sie ausbilden will."

Der Deal zwischen Wolfsburg und Laukart soll übrigens auch auf Initiative der Eltern zustande gekommen sein. Was daran verwerflich sein soll, erschließt sich nicht.

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1.
ChristianW. 12.01.2012
Das ganze hat absolut nichts mit Scheinheiligkeit zu tun. Es macht mMn einen sehr großen Unterschied aus, ob nun ein Talentspäher von Hertha BSC einen 13jährigen von TeBe Berlin zu sich lotst und er somit nach wie vor sein soziales Umfeld um sich herum beibehalten kann, oder ob Hupenheim/Golfsburg einen 13jährigen hunderte Kilometer entfernt zu sich einkaufen. Es macht ebenso einen Unterschied ob ein Spieler von einer Essener C-Jugend-Mannschaft nach Gelsenkirchen gescoutet wird (~10 Minuten Fahrt), oder ob er nach München geht. Wenn die Spieler ~16 sind, DANN kann man mMn gerne darüber nachdenken, ob solche Transfers in Ordnung sind. Glücklicherweise gibt es in einigen Regionen Deutschlands unverbindliche Abkommen unter den Mannschaften, nicht bei anderen Teams zu wildern. Die Ausnahme im Südwesten stellt - natürlich - Hupenheim dar, die sich gerne mal bei Stuttgart, Frankfurt und Co. "umsehen". Nur weil es im Ausland gang und gebe sein mag, dass das ganze dort "normal" ist, müssen wir hier noch lange nicht "HURRA!" schreien und es genauso machen. Warum auch? Was woanders praktiziert wird ist für uns HIER vollkommen nebensächlich. Es schreit ja auch kaum einer "In China ist die Todesstrafe aber erlaubt!" als "Argument", wenn es um Strafen für Straftäter geht (Abgesehen von einigen Wirrköpfen).
2.
Elfenschubser 12.01.2012
Zitat von sysopDarf ein Bundesligist einen 13-Jährigen verpflichten? Hoffenheim und*Wolfsburg haben mit ihrer Personalpolitik*eine absurde Diskussion ausgelöst.*Der Kampf um den Nachwuchs ist weder neu,*noch verwerflich. Es*ist das Ergebnis professioneller Jugendarbeit. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,808691,00.html
Hä? Hinsichtlich Führerschein, Alkoholkonsum, Geschlechtsreife oder Wahlrecht sind solche Fragen doch auch längst geklärt. Davon abgesehen gibt es ja noch den gesunden Menschenverstand, auch wenn sich mancher gegen Selbigen zu wehren versucht.
3.
franko_potente 12.01.2012
Zitat von ChristianW.Das ganze hat absolut nichts mit Scheinheiligkeit zu tun. Es macht mMn einen sehr großen Unterschied aus, ob nun ein Talentspäher von Hertha BSC einen 13jährigen von TeBe Berlin zu sich lotst und er somit nach wie vor sein soziales Umfeld um sich herum beibehalten kann, oder ob Hupenheim/Golfsburg einen 13jährigen hunderte Kilometer entfernt zu sich einkaufen. Es macht ebenso einen Unterschied ob ein Spieler von einer Essener C-Jugend-Mannschaft nach Gelsenkirchen gescoutet wird (~10 Minuten Fahrt), oder ob er nach München geht. Wenn die Spieler ~16 sind, DANN kann man mMn gerne darüber nachdenken, ob solche Transfers in Ordnung sind. Glücklicherweise gibt es in einigen Regionen Deutschlands unverbindliche Abkommen unter den Mannschaften, nicht bei anderen Teams zu wildern. Die Ausnahme im Südwesten stellt - natürlich - Hupenheim dar, die sich gerne mal bei Stuttgart, Frankfurt und Co. "umsehen". Nur weil es im Ausland gang und gebe sein mag, dass das ganze dort "normal" ist, müssen wir hier noch lange nicht "HURRA!" schreien und es genauso machen. Warum auch? Was woanders praktiziert wird ist für uns HIER vollkommen nebensächlich. Es schreit ja auch kaum einer "In China ist die Todesstrafe aber erlaubt!" als "Argument", wenn es um Strafen für Straftäter geht (Abgesehen von einigen Wirrköpfen).
Aha. Wennd as ber die Kiddies seitens der Eltern ins "Auslandsjahr), oder ins Internat, oder auf dide edel Prvaitschule kommen, ist das dann ok?! 13 Jahre ist absolut in Ordnung. Der Bub will schließllich mal Profi werden, da kann an nciht früh genug anfangen. Die Jung sbekommen im Leistungszentrum eine Top Ausbildung, Geld, eine Top Vorsorge, Ein Umfeld, ws sich nur um Ihr eBelange kümmert, Schutz, Gleichgesinnte und beste medizinische Rundumsorglospakete. Schlimm ist am Artiel egtl, das die Quelle die BZ ist und hier iweder Äpfel mit Birnen verglichen werden. Der unterschied zu Ihrem hanebüchene Vergleich ist, wenn der Bub nicht mehr mag, geht er heim. Hier haben sogar die Eltern NACHGEHOLFEN. Udn ich al 13jähriger würde aber rucki zucki zu einem bundesligisten wechseln, gerade wenn ich aus der tiefsten Provinz komme. SIe habe Recht, in einigen Gebiten Deutschlands gibtes diese abkommen. Warum? Weil man gemeinsame Leistungszentren und Sportinternate hat. Nochmla die Frage, wo ist denn der Unterschied zur Sportschule Leipzig, in der beteis die Kiddies ab Klasse 5 (11-12) Jahre "interniert" werden. (Kommt ja von Interant) Nennen Sie den Unterschied zu einem Olympiaförderstützpunkt?
4. Auch ein Messi hat mal klein angefangen!
ZiehblankButzemann 12.01.2012
Und zwar sogar extrem klein. Lionel Messi hatte als Jugendlicher solche Wachstumsdefizite, daß er beim F.C. Barcelona mit Wachstumshormonen behandelt werden mußte. Ein Langer ist er dadurch zwar auch nicht geworden, dafür ist er aber ein ganz Großer und man kann jetzt schon sagen einer der besten Fußballspieler aller Zeiten. Er wurde doch letzte Woche zum dritten Mal hintereinander zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Klein aber sowas von oho. Der frühe Vogel fängt den Wurm. D.h. manchmal muß eben auch ein Fußballverein, der frühe Vogel sein.
5.
Elfenschubser 12.01.2012
Zitat von franko_potenteAha. Wennd as ber die Kiddies seitens der Eltern ins "Auslandsjahr), oder ins Internat, oder auf dide edel Prvaitschule kommen, ist das dann ok?! 13 Jahre ist absolut in Ordnung. Der Bub will schließllich mal Profi werden, da kann an nciht früh genug anfangen. Die Jung sbekommen im Leistungszentrum eine Top Ausbildung, Geld, eine Top Vorsorge, Ein Umfeld, ws sich nur um Ihr eBelange kümmert, Schutz, Gleichgesinnte und beste medizinische Rundumsorglospakete. Schlimm ist am Artiel egtl, das die Quelle die BZ ist und hier iweder Äpfel mit Birnen verglichen werden. Der unterschied zu Ihrem hanebüchene Vergleich ist, wenn der Bub nicht mehr mag, geht er heim. Hier haben sogar die Eltern NACHGEHOLFEN. Udn ich al 13jähriger würde aber rucki zucki zu einem bundesligisten wechseln, gerade wenn ich aus der tiefsten Provinz komme. SIe habe Recht, in einigen Gebiten Deutschlands gibtes diese abkommen. Warum? Weil man gemeinsame Leistungszentren und Sportinternate hat. Nochmla die Frage, wo ist denn der Unterschied zur Sportschule Leipzig, in der beteis die Kiddies ab Klasse 5 (11-12) Jahre "interniert" werden. (Kommt ja von Interant) Nennen Sie den Unterschied zu einem Olympiaförderstützpunkt?
Bin ja eigentlich kein Fan davon, Schreibfehler in Foreneinträgen zu kritisieren, aber bei Ihnen sieht's aus, also wäre ein Gürteltier über die Tastatur gelaufen...
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