Zittersieg gegen Chile Deutschland gewinnt, Löw tobt

Gewonnen, aber nicht überzeugt: Die DFB-Elf hat einen überaus glücklichen Sieg gegen starke Chilenen gefeiert. In allen Bereichen zeigte die Auswahl von Joachim Löw zuletzt nicht gekannte Schwächen - der Bundestrainer drehte an der Seitenlinie förmlich durch.

Von Timo Prüfig


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mit einer enttäuschenden Leistung ins WM-Jahr gestartet. 103 Tage vor dem ersten Gruppenspiel in Brasilien gegen Portugal gewann die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw glücklich gegen den stark aufspielenden Weltranglisten-14. Chile 1:0 (1:0). Mario Götze (16. Minute) erzielte vor 54.449 Zuschauern in Stuttgart den einzigen Treffer der Partie, der zum fünften Sieg im siebten Duell mit den Südamerikanern reichte.

"Wenn Chile so viele Chancen hat, kann man von einem glücklichen Sieg sprechen. Dass wir noch viel Arbeit vor uns haben bis zur WM, das wissen wir", sagte Kapitän Philipp Lahm nach der Partie. "Sieg ist Sieg, aber natürlich war Chile schon sehr gut. Wir müssen noch ein paar Dinge verbessern. Wir haben schon noch ein paar Fehler gemacht", ergänzte Bastian Schweinsteiger.

Löw begann das erste Länderspiel des Jahres 2014 mit einer routinierten Startelf und sechs Spielern des FC Bayern: Jérôme Boateng und Per Mertesacker bildeten die gewohnte Innenverteidigung vor Torwart Manuel Neuer, als Außenverteidiger agierten Marcell Jansen auf links und Kevin Großkreutz in seinem ersten Länderspiel seit drei Jahren auf der rechten Seite. Lahm und Schweinsteiger spielten im defensiven Mittelfeld. Götze, Mesut Özil und Toni Kroos sollten in der Offensive Stürmer Miroslav Klose mit Bällen füttern.

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Deutschland-Spiel gegen Chile: Gutes Ergebnis, schwache Leistung
Das funktionierte allerdings nur selten - im Gegenteil: Die Chilenen setzten die DFB-Elf tief in der eigenen Hälfte unter Druck und unterbanden alle Versuche eines geordneten deutschen Spielaufbaus. Zusätzlich erspielten sich die Gäste einige gute Chancen: Die beste Gelegenheit vergab Superstar Arturo Vidal von Juventus Turin per Kopf nach einem Eckball - Lahm musste auf der Linie für den geschlagenen Neuer klären (9.).

Götze trifft sehenswert, Chile vergibt zahlreiche Chancen

Es dauerte fast eine Viertelstunde bis zur ersten Offensivaktion der deutschen Elf: Schweinsteigers Versuch einer Hereingabe scheiterte noch (13.). Drei Minuten später spielte er einen Doppelpass mit Özil, der legte quer auf Götze, und der Bayern-Profi traf aus zehn Metern mit links zur Führung (16.). Das Ergebnis sprach nun zwar für die DFB-Elf, spielerisch waren die Chilenen aber weiter überlegen: Eduardo Vargas aus 18 Metern (23.), erneut Vidal aus kurzer Distanz (26.) und Felipe Gutierrez per Freistoß (28.) vergaben gute Chancen, während bei der deutschen Elf Marcel Schmelzer den verletzten Jansen ersetzen musste (24.).

Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte gestalteten die Gastgeber die Partie auch spielerisch auf Augenhöhe mit Chile: Klose (30.) und erneut Götze (34.), der das Tor aus ähnlicher Position wie beim Führungstreffer nur um Zentimeter verfehlte, kamen zu Chancen. Die Gäste aus Südamerika bleiben aber stets gefährlich: Schweinsteiger klärte an der Fünfmeterlinie vor dem einschussbereiten Gutierrez (41.). Kurz vor der Pause schoss Charles Aranguiz aus kurzer Distanz nur ans Außennetz (44.). So ging Deutschland mit einer glücklichen Führung in die Kabine.

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Nach dem Wechsel brachte Löw André Schürrle für Klose, der sich seinen Bewachern nur selten entziehen konnte. Zunächst stand jedoch mal wieder die Defensive im Blickpunkt: Aranguiz hätte den schnellen Ausgleich erzielen können, doch der Chilene kam freistehend im deutschen Strafraum ins Straucheln und vergab die Gelegenheit (47.). Kurz darauf war die DFB-Abwehr nach einem Eckball erneut unsortiert, entkam dem Tohuwabohu aber erneut unbeschadet (54.). Und die DFB-Elf? Mehr als einen harmlosen Schuss von Großkreutz hatte der dreimalige Weltmeister lange Zeit nicht zu bieten (55.).

Löw wurde an der Seitenlinie immer aufgebrachter. Wild gestikulierend gab er seinen Spielern lautstarke Anweisungen - doch sie brachten keine Verbesserung. Der Ausgleichstreffer war in der 61. Minute so nah wie bis dahin noch nie: Alexis Sanchez vom FC Barcelona legte den Ball von der Grundlinie zurück auf Vargas und der setzte einen Drehschuss aus gut sechs Metern an die Unterkante der Latte - von dort klatschte der Ball kurz vor der Linie auf und sprang zurück ins Spielfeld.

In der Schlussphase wurde er für die DFB-Elf die reinste Zitterpartie: Vidal (69.), Sachez (70.) und Gutierrez (73.) scheiterten im Abschluss, Mertesacker klärte in höchster Not (78.). Deutschland hatte kaum noch Offensivaktionen: Schweinsteiger mit einem abgefälschten Schuss (81.) und der eingewechselte Lukas Podolski, der Torhüter Herrera unter Druck setzte (84.), hatten noch die besten Aktionen.

Am Ende blieb es aber beim sehr glücklichen Erfolg, für den es Pfiffe aus dem Publikum gab. Am 8. Mai will Löw seinen erweiterten WM-Kader bekanntgeben, fünf Tage später findet in Hamburg das nächste Länderspiel statt, dann trifft die DFB-Auswahl auf Polen.

Deutschland - Chile 1:0 (1:0)
1:0 Götze (16. Minute)
Deutschland: Neuer - Großkreutz, Boateng, Mertesacker, Jansen (24. Schmelzer) - Lahm, Schweinsteiger (89. Ginter) - Götze (83. Podolski), Kroos, Özil - Klose (46. Schürrle)
Chile: Herrera - Gutierrez, Jara, Isla, Medel - Vidal (90. Fernández), Vargas (86. Pinilla) - Aranguiz (80. Orellana), Silva (83. Marcos Gonzáles) - Sanchez, Beausejour (76. Valdivia)
Schiedsrichter: Clattenburg (England)
Zuschauer: 54.449

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insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
Kucker 05.03.2014
1. Schlecht und unschön
Die deutsche Elf hat schlecht gespielt –*und in den Trikots sah das dann auch nochmal schlechter aus. Meine Freundin findet die neuen "Kostüme" des DFB ja nicht schlecht, aber das unterstützt mich nur in meiner Prognose, dass im Sommer nur die allersorglosesten Fans damit herum laufen werden. Ansonsten: Chile gut, Deutschland oje!
misscecily 05.03.2014
2. Loew..
..ist nicht der Kommentator sondern der Trainer. Leider. Und auch schon viel zu lange.
robert.c.jesse 05.03.2014
3. Zu eitel ...
Mit Löw wird Deutschland niemals Weltmeister. Kein echter Kämpfer ... Primadonnen Gehabe...
tuxedomoon 05.03.2014
4. Hurra!!!
Zitat von sysopGetty ImagesGewonnen, aber nicht überzeugt: Die DFB-Elf hat einen überaus glücklichen Sieg gegen starke Chilenen gefeiert. In allen Bereichen zeigte die Auswahl von Joachim Löw zuletzt nicht gekannte Schwächen - der Bundestrainer drehte an der Seitenlinie förmlich durch. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-nationalmannschaft-dfb-elf-gewinnt-laenderspiel-gegen-chile-a-957154.html
Da haben wir doch den neuen Weltmeister gesehen! Ein Fipsi Lahm, der mitreissend die Mannschaft nach vorne bringt (als echter Macher und nach-vorne-Peitscher) und sich zum Schluss entschuldigt, man habe nur zwei mal miteinander trainiert. Und trotzdem so gut gespielt. Gratulation.
gloradin 05.03.2014
5. Auweia sind die/wir schlecht geworden
Auch wenn bei der WM sicherlich noch eine Steigerung möglich ist, aber für einen Titel reicht das nie und nimmer. Das ist mal ganz sicher. Meiner Meinung nach läuft es schon länger nicht mehr zusammen, das ist einfach eine schlechte Mannschaft, wie ich sie von einer deutschen Nationalmannschaft schon lange nicht mehr erlebt habe. Vielleicht liegt es auch am Trainerstab? Falsche Aufstellung? Was ist da los? Fussball war wohl leider gestern :-(.
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