Fußball-Nationalmannschaft Löw verzichtet endgültig auf Ballack

Michael Ballacks Zeit in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist zu Ende. Bundestrainer Joachim Löw gab bekannt, dass er nicht mehr auf den langjährigen Kapitän zurückgreifen werde. Der soll einen würdigen Abschied erhalten - auf den der Ex-"Capitano" angeblich aber keine Lust hat.


Hamburg - Die monatelange Diskussion um den 98-maligen Nationalspieler Michael Ballack beendet - er wird aus der Nationalmannschaft verabschiedet und nie wieder ein großes Turnier spielen. Laut des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sei der Abschied Ballacks aus der DFB-Elf das Ergebnis aus Gesprächen zwischen Bundestrainer Joachim Löw und dem langjährigen Kapitän. Löw begründete die Entscheidung damit, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt seien und gute Perspektiven besäßen.

"Mit ihnen ist die Entwicklung der Nationalmannschaft seit der WM 2010 in Südafrika absolut positiv verlaufen. Nachdem ich diese Thematik mit Michael Ballack zuletzt bei unserem Treffen Ende März 2011 in aller Offenheit erörtert habe und wir danach mehrfach telefoniert haben, ist nun vor dem Start in die EM-Saison der Zeitpunkt gekommen, hier klar Position zu beziehen", so der 51-Jährige. "In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat. Im Interesse aller ist daher jetzt eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht."

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Aus in der Nationalelf: Ballacks Abschied auf Raten
Sein letztes Länderspiel hatte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen am 3. März 2010 beim 0:1 gegen Argentinien in München bestritten. Nachdem er im englischen Pokalfinale eine schwere Verletzung erlitten hatte, konnte er nicht an der Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen und wurde danach auch nicht mehr von Löw nominiert. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben. Auch Christian Träsch und Sven Bender hatten den Ex-"Capitano" in der Gunst des Bundestrainers überholt.

Völler hofft auf Leistungsschub von Ballack

Löw betonte, dass Ballack ein Jahrzehnt lang ein sehr wichtiger Führungsspieler für die DFB-Elf gewesen sei und großen Anteil an den Erfolgen des Teams seit der WM 2002 habe. "Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Seine spielerische und kämpferische Klasse sprechen ebenso für ihn wie seine Torgefährlichkeit und seine Nervenstärke gerade in wichtigen Spielen."

"Nachdem diese Frage endgültig geklärt ist, kann sich Michael nun voll und ganz auf Bayer Leverkusen konzentrieren", sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, der sich nun von Ballack einen Leistungssprung erhofft. Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Leverkusen, sagte zum Verzicht von Bundestrainer Joachim Löw auf Michael Ballack: "Wir bedauern diese Entscheidung, weil wir der Meinung sind, dass Michael Ballack nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Nationalmannschaft sein könnte. Aber es ist die Entscheidung des Bundestrainers. Auch wenn man über den späten Zeitpunkt diskutieren kann, respektieren wir sie."

Ballack soll angeblich auf angebotenes Abschiedsspiel verzichten

Laut DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach werde Ballack beim Test-Länderspiel gegen Brasilien am 10. August einen würdigen Abschied feiern: "Wir hoffen, dass er dieses Angebot annimmt." Dann soll der 34-Jährige das Team ein letztes Mal als Kapitän aufs Feld führen. "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass Michael Ballack als Nationalspieler in attraktivem Rahmen verabschiedet werden soll und wir ihm ein ehrliches Dankeschön für seine großen Verdienste um den deutschen Fußball sagen wollen", sagte Löw. Nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) will Michael Ballack auf dieses Abschiedsspiel verzichten.

2002 hatte Ballack die Nationalmannschaft in das WM-Finale geführt, 2006 zum dritten Platz. Bei der Europameisterschaft 2008 erreichte Deutschland mit Ballack als Kapitän erneut das Finale. Einen großen internationalen Titel gewann er allerdings nicht.

max/sid

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AverageXY 16.06.2011
1.
Wer haette das gedacht?
firem 16.06.2011
2. Rausschmiss
ist nie ein würdiger Abschied. Jetzt wissen auch die anderen Nationalspieler, wie sie verabschiedet werden. Mit einem Tackling von hinten. Löw war auch als Spieler nicht nur drittklassig, sondern auch tückisch.
Maynemeinung 16.06.2011
3. Aha...
Zitat von sysopMichael Ballacks Zeit in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist zu Ende. Bundestrainer Joachim Löw gab bekannt, dass er nicht mehr auf den langjährigen Kapitän zurückgreifen werde. Der soll einen würdigen Abschied erhalten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,768727,00.html
Und was genau war jetzt die Nachricht?
NeZ 16.06.2011
4. "Armer Kerl"
Mit seinem kommenden Abschiedsspiel kommt er auf 99 Partien für den DFB. Die 100. Partie, als sein krönender Abschluss, fehlt. Mal wieder, genau wie er zwar mehrmals im Finale von Championsleague, EM und WM stand, aber auch hier keinen Titel erringen konnte. Kurz: Eine unglaubliche Karriere, aber in vielen Dingen unvollendet. Armer Kerl.
Svenner80 16.06.2011
5. Alles hat ein Ende
Okay. Die erwartete und vernünftige Lösung. Ich bin großer Ballack-Fan und hätte mir a bisserl gewünscht, dass er zumindest als Option zur EM fährt. Natürlich nicht als Kapitän sondern halt eher so als das erfahrene Kampfschwein in speziellen Momenten/Spielen ... weiß nicht, ob das jemals eine Option für Löw war oder ob Ballack selber keine Lust auf eine solche "Zurücksetzung" hatte. Genügend gute, junge Spieler gibt's jedenfalls. Hoffentlich haben die auch die Eier wenn es im Finale (hoffentlich! ;-)) mal wieder gegen Spanien geht und wir das Ding diesmal ja wohl irgendwie gewinnen werden. Aber irgendwann ist halt alles mal vorbei und in den Mitdreißigern wird man in jedem Fall nicht zu früh verabschiedet.
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