Mertesackers Rückkehr: Fast wie im Märchen

Aus Hannover berichtet

Die EM erlebte Per Mertesacker quasi als Tourist. Erst verletzt, danach nicht richtig fit, die Konkurrenten zogen vorbei. Gegen die Färöer stand er plötzlich in der Startelf. Doch seine Zukunft im Team hat der einstige Abwehrchef nicht mehr selbst in der Hand.

Per Mertesacker: Wenig zu tun beim 3:0 gegen Färöer Zur Großansicht
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Per Mertesacker: Wenig zu tun beim 3:0 gegen Färöer

Es hatte etwas von einem Märchen. In den Hauptrollen: ein Riese und ein Zwerg. Die Story: das Comeback eines Spielers, der eigentlich schon abgeschrieben war, schlimmer noch: vergessen. Gleich in zwei Rollen, als Riese und Rückkehrer, trat Per Mertesacker beim Spiel gegen die Färöer auf, den Fußball-Zwerg.

82 Länderspiele hat der 27-Jährige schon absolviert, dennoch war dem Innenverteidiger anzumerken: Ausgerechnet dieses so souveräne 3:0 war etwas Besonderes für ihn. Als der DFB-Sieg bereits feststand, es lief gerade die 70. Minute, stemmte Mertesacker seine schlaksigen Arme gegen die Hüften und schaute gen Himmel. Ein flüchtiger Moment nur, doch der Hüne wirkte, als nutze er ihn zur Besinnung.

Völlig überraschend und nur aufgrund der Verletzung von Marcel Schmelzer war der ehemalige Abwehrchef in die Startformation von Bundestrainer Joachim Löw gerutscht. Nach Monaten des Daseins als Ersatzspieler war Mertesacker erstmals wieder ein fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft.

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Dass dies so schnell passieren würde, hat wohl nicht einmal Mertesacker selbst vermutet. Der Spieler des FC Arsenal war in der vergangenen Saison wegen einer schweren Knöchelverletzung monatelang ausgefallen; er hatte einen Absturz vom Stammspieler zum Nebendarsteller erlebt.

Erst im allerletzten Augenblick hatte Mertesacker erfahren, dass er nicht zur EM-Stammmannschaft gehören würde. Noch im Trainingslager im französischen Tourettes hatte sich kaum jemand vorstellen können, dass der Abwehrchef der vergangenen drei Großturniere bei der EM 2012 nicht mehr die deutsche Defensive organisieren sollte.

Selbst sein ärgster Konkurrent Mats Hummels ließ vor dem letzten EM-Testländerspiel des DFB gegen Israel in Leipzig gegenüber seinen BVB-Vereinskollegen verlauten, dass Mertesacker ihm gegenüber wohl einen kleinen Vorsprung habe.

Als Mertesacker die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw kurz vor dem ersten EM-Spiel gegen Portugal erfuhr, lautete die Begründung für seine Nichtberücksichtigung Mangel an Fitness, den er nach seiner Verletzung nicht vollständig aufholen konnte. Mertesacker hätte öffentlichkeitswirksam schimpfen können - doch der Ex-Bremer blieb still.

"Per hat sich während der EM vorbildlich verhalten", sagt Löw, "er hat seine Rolle unfassbar gut ausgefüllt, die anderen immer unterstützt." Selbst die überragenden Turnier-Leistungen von Hummels brachten Mertesacker nicht aus dem Konzept. Genauso wenig wie die darauf folgenden Jubelstürme über die Darbietungen des neuen deutschen Innenverteidigerduos Mats Hummels und Holger Badstuber.

Mertesacker droht bei Schmelzer-Rückkehr die Ersatzbank

Mertesacker arbeitete während der EM akribisch an seiner Fitness, im Turnier kam der 27-Jährige dennoch keine Minute zum Einsatz. Umso stärker stand er zur Saisoneröffnung der Premier League bei seinem Londoner Club im Fokus. Und Mertesacker zeigte in den ersten drei Saisonspielen das, was man von ihm bereits aus der Bundesliga und Nationalmannschaft kannte: absolute Souveränität.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass der 198-Zentimeter-Mann auch gegen die Färöer mit Übersicht und ohne jegliche Unsicherheit agierte. Es wirkte, als sei er niemals Ersatzspieler gewesen.

Dass es auf Dauer für Mertesacker zum großen Fußball-Märchen kommen wird, ist nicht anzunehmen. Sobald der Dortmunder Marcel Schmelzer seine Fußverletzung auskuriert haben wird, rückt er zurück ins Team. Das wird möglicherweise schon am Dienstag beim Spiel gegen Österreich (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) der Fall sein.

Badstuber, der in Hannover als Schmelzer-Ersatz die linke defensive Außenbahn besetzte, dürfte dann wieder als Innenverteidiger agieren. Hummels und Badstuber gelten als technisch versierter, schneller und besser in der Spieleröffnung als Mertesacker, für den dann wohl wieder nur der Platz auf der Bank bleibt.

Man hätte Mertesacker gerne befragt, ob ihn diese Ungewissheit ärgere, ob er für sein Spiel mehr Konstanz und somit Einsätze brauche. Wie er sich selbst im Verhältnis zu seinen Innenverteidigerkollegen bewertet. Doch Mertesacker wollte darauf nicht antworten. Er ging lächelnd an den Reportern vorbei.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Souverän?
nerd80 09.09.2012
Zitat von sysopDie EM erlebte Per Mertesacker quasi als Tourist. Erst verletzt, danach nicht richtig fit, die Konkurrenten zogen vorbei. Gegen die Färöer stand er plötzlich in der Startelf. Doch seine Zukunft im Team hat der einstige Abwehrchef nicht mehr selbst in der Hand. Fußball-Nationalmannschaft: Mertesacker überzeugt bei Rückkehr - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,854740,00.html)
is ja schoen so ne tolle comeback Geschichte. Aber in den ersten PL Spielen sah Merte alles andere als souverän aus. Bevor Poldi das 1:0 in Anfield gemacht hat wurde er mehrfach von Suarez düpiert und hatte Glück das kein Elfmeter gepfiffen wurde in mindestens einer Situation.
2.
ssv1846 09.09.2012
Bin ja generell schon Hummels Fan, aber im Halbfinale ist er beim ersten Gegentor absolute dupiert worden. Auch danach nicht wirklich gut. Von einer "überragenden Turnierleistung" kann deshalb also keine Rede sein.
3. Seien sie nicht so negativ !!!
tylerdurdenvolland 09.09.2012
Zitat von nerd80is ja schoen so ne tolle comeback Geschichte. Aber in den ersten PL Spielen sah Merte alles andere als souverän aus. Bevor Poldi das 1:0 in Anfield gemacht hat wurde er mehrfach von Suarez düpiert und hatte Glück das kein Elfmeter gepfiffen wurde in mindestens einer Situation.
Merte hat eine Klassepartie geliefert. Gegen einen Weltklasse Gegner wie die Färöer muss man schon erst mal 90 Minuten so eine tolle Leitung bringen!
4.
blurps11 09.09.2012
Arsenal hat diese Saison noch kein einziges Gegentor kassiert, ganz so schlecht kann er also nicht gewesen sein...
5. Meine Güte
tobo5824 10.09.2012
nun lasst doch bitte den Merte wieder zur Form kommen. Der hat seit Jahren zwar unspektakuläre aber immer solide Leistungen an den Tag gelegt. Er hat sich die Chance eines Comebacks redlich verdient. Und wenn er nicht auf der Höhe wäre, seid gewiss: Dann würde er bei den Gunners nicht eine Minute spielen. Er ist mir hundertmal lieber als dieser Milchbubi Badstuber.
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WM-Qualifikation

Wie endet das Länderspiel Österreich gegen Deutschland am kommenden Dienstag in Wien?


Deutschlands Spiele in der WM-Qualifikation
Datum Gegner Austragungsort
07.09.2012 Färöer (3:0) Hannover
11.09.2012 Österreich (2:1) Wien
12.10.2012 Irland (6:1) Dublin
16.10.2012 Schweden (4:4) Berlin
22.03.2013 Kasachstan (3:0) Astana
26.03.2013 Kasachstan (4:1) Nürnberg
06.09.2013 Österreich (3:0) München
10.09.2013 Färöer (3:0) Tórshavn
11.10.2013 Irland (3:0) Köln
15.10.2013 Schweden (5:3) Solna

Die deutschen Gruppengegner in der WM-Qualifikation
Schweden
Die größten WM-Erfolge liegen für Schweden schon Jahrzehnte zurück. 1958 wurde das Team Zweiter, 1950 und 1994 jeweils Dritter - seitdem aber bleibt der Weltranglisten-19. hinter seinen hohen Erwartungen auf internationaler Ebene zurück. Zuletzt jedoch zeigten die Schweden wieder Klasse - als sie in Berlin ein 0:4 gegen Deutschland zu einem 4:4 aufholten.

Bilanz gegen Deutschland: 12 Siege, 9 Unentschieden, 14 Niederlagen; 57:65 Tore.
Irland
Zu hause eine Macht, auswärts eher harmlos. Auch unter dem italienischen Star-Trainer Giovanni Trapattoni konnten die Iren ihr Image als liebenswerte Verlierer nicht loswerden. Seit Juli 2008 ist "Trap" im Amt. Bei der WM 2002 trotzte Irland in der Vorrunde den Deutschen ein 1:1 ab. Auch in der Qualifikation für die EM 2008 hatte es die DFB-Elf mit Irland zu tun, siegte zu Hause 1:0 - in Dublin gab es nur ein 0:0, in der Qualifikation im Oktober 2012 siegte die Löw-Elf in Dublin 6:1. Irland war bisher dreimal bei Weltmeisterschaften (1990, 1994, 2002), bei der WM 1990 scheiterte das Team erst im Viertelfinale. Die meisten Spieler spielen in der englischen Premier League.

Bilanz gegen Deutschland: 5 Siege, 4 Unentschieden, 8 Niederlagen; 27:26 Tore
Österreich
Die Alpenrepublik war zuletzt der Lieblingsgegner des DFB, seit knapp 25 Jahren hat Deutschland keine Partie mehr gegen Österreich verloren. Darunter waren vier Gastspiele in Wien. Von den insgesamt 36 Duellen sind aber zwei unrühmlich in Erinnerung geblieben: Die "Schmach von Cordoba" 1978 und die "Schande von Gijón" 1982. Österreich spielt um die achte WM-Teilnahme - seit 1998 blieb nur die Zuschauerrolle.

Bilanz gegen Deutschland: 9 Siege, 6 Unentschieden, 22 Niederlagen; 52:78 Tore.
Färöer-Inseln
Fußball ist auf der Inselgruppe im Nordatlantik angesagt wie kaum ein anderer Sport - aber auf schwachem Niveau. Bei nicht einmal 50.000 Einwohnern hat der irische Nationaltrainer Brian Kerr nicht viele personelle Alternativen. So bleiben Achtungserfolge des Weltranglisten-112. Ausnahmeerscheinungen. Die einzigen beiden Spiele gegen die deutsche Nationalmannschaft waren derartige: Im Rahmen der EM-Qualifikation 2004 tat sich das Team des damaligen Teamchefs Rudi Völler sowohl beim 2:0 auswärts als auch beim 2:1 daheim schwer. Eine Überraschung gelang den Färöern im Juni 2010 mit einem 2:0 über Estland.

Bilanz gegen Deutschland: 0 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen; 1:4 Tore.
Kasachstan
Seit 1994 ist Kasachstan Mitglied der Fifa und wartet seither auf die Teilnahme an einem großen Turnier. Das Land liegt zu 90 Prozent in Asien. Deutschland hat eine makellose Bilanz gegen den Fußball-Zwerg - das Löw-Team gewann beide Duelle in der Qualifikation zur EM 2012 (3:0, 4:0). Der Auftritt in der Hauptstadt Astana bedeutet wieder Reisestrapazen samt rund fünfeinhalb Flugstunden für die DFB-Auswahl. Namhafte Spieler hat das Land nicht zu bieten, bis auf wenige Ausnahmen - etwa Heinrich Schmidtgal, der in der 2. Bundesliga für die SpVgg Greuther Fürth aufläuft.

Bilanz gegen Deutschland: 0 Siege, 0 Unentschieden, 4 Niederlagen; 1:13 Tore.