Fußball Nationaltorwart Enke nimmt sich das Leben

Robert Enke ist tot. Wie sein Berater bestätigte, beging der Nationaltorwart an einem Bahnübergang bei Hannover Selbstmord. Der 32-Jährige hatte vor drei Jahren seine Tochter verloren. Enkes Umfeld reagierte fassungslos und schockiert.

dapd

Hamburg - Deutschland trauert um einen der besten Bundesliga-Torhüter. "Ich kann bestätigen, dass es sich um Selbstmord handelte. Robert hat sich um kurz vor sechs Uhr das Leben genommen", sagte Enkes Berater und Freund Jörg Neblung. Weitere Einzelheiten werde man am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilen, so Neblung weiter.

Der DFB-Nationaltorwart starb den Angaben zufolge an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese. "Es hat einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang gegeben", sagte Stefan Wittke, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion Hannover. Wittke erklärte, dass alles auf eine Selbsttötung hingewiesen habe. Demnach habe Enke sein Auto etwa zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt. Anschließend muss er mehrere hundert Meter an den Schienen entlanggegangen sein, bevor er von dem aus Richtung Bremen kommenden Regionalzug erfasst wurde.

Fotostrecke

15  Bilder
Robert Enke: Stationen einer Torhüter-Karriere

Enke hinterlässt seine Ehefrau Teresa und eine acht Monate alte Tochter. Das Paar hatte das Mädchen im Mai adoptiert. Die leibliche Tochter Lara, die mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, starb 2006 im Alter von zwei Jahren. Die Adoption schien den Enkes neuen Halt zu geben. "Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist", sagten sie damals in einer offiziellen Stellungnahme.

Jetzt setzte Enke mit 32 Jahren seinem Leben plötzlich ein Ende.

Es ist vor allem Fassungslosigkeit, die sich durch alle Reaktionen auf die schockierende Nachricht zieht. "Wir sind voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Teammanager Oliver Bierhoff erklärte: "Wir sind alle schockiert, uns fehlen die Worte." Ob die Nationalmannschaft ihr Spiel am Samstag in Köln gegen Chile bestreitet, ist noch unklar.

Schockiert und fassungslos

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Franz Beckenbauer sagte, er sei "unendlich traurig. Wenn man eine solche Nachricht bekommt, werden alle anderen Probleme ganz klein." Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ließ sich mit den Worten zitieren: "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn." Auch Michael Vesper, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes, war tief erschüttert. "Das ist eine Tragödie", so Vesper.

"Ich bin fassungslos. Unser Mitgefühl gilt vor allem Roberts Frau und der kleinen Tochter. Wir werden versuchen, sie in dieser schweren Zeit zu unterstützen", sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke. Die neue Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, zeigte sich "zutiefst erschüttert" über den Tod des Nationaltorwarts. "Er war ein solcher Sympathieträger", sagte die Landesbischöfin von Hannover am Dienstagabend. "Uns alle hat gerührt, wie er mit seiner kleinen kranken Tochter und ihrem Tod umgegangen ist." Sie bete für seine Frau und ihr kleines Adoptivkind, sagte die Bischöfin: "Möge Gott Ihnen Kraft geben in dieser so schweren Zeit. Wir werden Robert Enke vermissen in Hannover." Mit seinem sportlichen Engagement, aber auch seinem Einsatz für Tiere habe er viele Herzen erreicht.

Wechselhafte Karriere

Zuletzt hatte Enke nach einer rätselhaften Viruserkrankung und neun Spielen Pause sein Comeback in der Bundesliga gegeben. "Das war eine verdammt lange Zeit, fast ein Viertel der Saison. Aber es war von der ersten Sekunde an wieder ein gutes Gefühl", hatte Enke damals gesagt. Der Torwart galt bis zu dieser Erkrankung als Favorit für den Posten des Stammtorwarts in der Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika.

Sportlich war es nicht der erste Rückschlag für den in Jena geborenen Enke. Der hochtalentierte Keeper, der mit 18 Jahren bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga debütierte, avancierte zunächst bei Benfica Lissabon unter Trainer Jupp Heynckes zum Führungsspieler und wurde 1999 vom damaligen Nationalcoach Erich Ribbeck für den Confederations Cup in Mexiko ins DFB-Team berufen.

Doch beim FC Barcelona folgte 2002 der erste große Knick. Enke konnte sich nicht durchsetzen, bald wechselte er zu Fenerbahce Istanbul. In der Türkei setzte sich der Absturz fort. Von den Fans beschimpft, löste er seinen Vertrag auf und verzichtete damit auf sehr viel Geld. Über den Umweg Teneriffa wechselte der Torwart dann nach Hannover - und wurde in einem Umfeld, das ihn verehrte, wieder zum Nationalspieler.

Trauernde Fans

Vor der Geschäftsstelle des Bundesligisten und am Todesort versammelten sich am späten Abend Hunderte Fans, Spieler und Weggefährten. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Aus Teelichtern wurde eine 96 geformt.

Auch in Spanien löste die Botschaft vom Tod Enkes Bestürzung aus. Barcelona gedachte des Verstorbenen vor dem Pokalspiel gegen den Drittligisten Cultural Leonesa im Stadion Nou Camp mit einer Schweigeminute. Im Hintergrund wurde klassische Musik eingespielt, die Spieler senkten die Köpfe.

goe/dpa/sid/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 133 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jellicoe 10.11.2009
1. Möge er in Frieden ruhen
Und mein Beileid seiner Familie und dem Lokführer.
MrCase, 10.11.2009
2. ...
Bin einfach nur schockiert.
brazzo 10.11.2009
3. #
R.i.p.
frey41967 10.11.2009
4. ......unendlich tief betroffen
Zitat von sysopRobert Enke ist tot. Wie sein Berater bestätigte, beging der Nationaltorwart an einem Bahnübergang bei Hannover Selbstmord. Der 32-Jährige hatte vor drei Jahren seine Tochter verloren. Enkes Umfeld reagierte fassungslos und schockiert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,660541,00.html
Ein Leben ist so schnell zu Ende, dass man es kaum fassen und verarbeiten kann. In den "Freitod" zu gehen, muss ein grausames und auffressendes Vorspiel gehabt haben, was jetzt unglaublich zu begreifen ist, aber für ihn Realität war. Ein Fußball-Fan im Gedenken
dergute 10.11.2009
5. Wieso äußert niemand Mitleid mit dem Lokführer?
Zitat von sysopRobert Enke ist tot. Wie sein Berater bestätigte, beging der Nationaltorwart an einem Bahnübergang bei Hannover Selbstmord. Der 32-Jährige hatte vor drei Jahren seine Tochter verloren. Enkes Umfeld reagierte fassungslos und schockiert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,660541,00.html
So tragisch der Tod dieses großen Sportlers auch sein mag, so unverständlich ist es für mich, dass er auf seinem letzten Weg einen anderen, völlig unbeteiligten Menschen in tiefes Leid stürzen musste. Ich lese kein einziges Wort über den armen Lokführer. Dieser Mann wird im schlimmsten Fall nie mehr seinen Beruf ausüben können. Tut mir leid, das hätte ich von einem großen Vorbild nicht erwartet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.