Nordrhein-Westfalen Minister bestätigt Einsatz von V-Leuten in Stadien

Im vergangenen August hatte SPIEGEL ONLINE über V-Leute in der deutschen Fanszene berichtet, nun bestätigt NRW-Innenminister Ralf Jäger: Von 2008 bis 2012 sind "weniger als zehn Vertrauenspersonen" eingesetzt worden.

Fußballfans bei der Partie Dortmund gegen Bayern München: Nicht allein in der Kurve
DPA

Fußballfans bei der Partie Dortmund gegen Bayern München: Nicht allein in der Kurve


Hamburg - Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat in der Fußball-Fanszene V-Leute zur Gefahrenabwehr eingesetzt. Das bestätigte SPD-Innenminister Ralf Jäger in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion der Piraten-Partei vom 15. November.

Demnach sollen von 2008 bis 2012 "weniger als zehn Vertrauenspersonen mit jeweils unterschiedlicher Einsatzdauer" für die Polizeibehörden des Landes NRW tätig gewesen sein. Eine konkretere Benennung der Zeiträume sowie der Einsatzorte verweigerte das Innenministerium mit Verweis auf "Gefahren für Leib und Leben" der eingesetzten V-Leute.

Über den Einsatz von V-Männern in den Fankurven hatte SPIEGEL ONLINE bereits im vergangenen August berichtet. Damals sollen Informationen eines V-Manns der Kölner Polizei geholfen haben, Mitglieder der Ultra-Gruppe "Wilde Horde" nach einer Attacke auf einen Mönchengladbacher Fanbus ausfindig zu machen und festzunehmen. In Dresden sollen zudem mehrere Mitglieder der vermeintlich rechtsgerichteten "Faust des Ostens" über Monate mit der Polizei zusammengearbeitet haben.

Eine offizielle Bestätigung gab es damals nicht, doch ein anonymer Ermittler, der mit der Dresdner Fanszene gut vertraut ist, sagte: "Natürlich gibt es auch im Fanbereich V-Leute. Da es sich dort häufig um in sich geschlossene Gruppen handelt, können auch Delikte im Bereich von Waffen- oder Sprengstoffbesitz oder -handel nicht ausgeschlossen werden."

In der Fanszene hatte der Einsatz der V-Leute für Empörung gesorgt: "Der Schritt zu den V-Leuten ist ein endgültiger Vertrauensbruch", hatte Philipp Markhardt, Sprecher des Bündnisses Pro Fans damals gesagt. Er hatte zudem zu bedenken gegeben, dass "V-Männer sehr teuer sind, ihre Wirkungskraft hingegen eher bescheiden ausfällt."

Die Landesregierung sieht in dem Einsatz von V-Leuten hingegen keine Probleme: Ihr lägen "keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das Verhältnis zwischen Fangruppierungen nordrhein-westfälischer Fußballvereine und der Polizei durch den gefahrenabwehrenden Einsatz von Vertrauenspersonen gegen einzelne Gefahrenverursacher beschädigt wurde."

Offenbar hat der Einsatz jedoch bislang noch zu keinen zählbaren Erfolgen geführt. Auf die Frage der Piratenpartei, welche Straftaten durch die V-Leute aufgeklärt werden konnten, antwortet das Innenministerium: "Der Einsatz (...) erfolgte ausschließlich zur Gefahrenabwehr."

bka



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
heute_morgen 08.01.2013
1.
Zitat von sysopDPAIm vergangenen August hatte SPIEGEL ONLINE über V-Leute in der deutschen Fanszene berichtet, nun bestätigt NRW-Innenminister Ralf Jäger: Von 2008 bis 2012 sind "weniger als zehn Vertrauenspersonen" eingesetzt worden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-nrw-innenministerium-gibt-einsatz-von-v-leute-zu-a-876388.html
das heißt praktisch, das ultras nicht verboten werden können?
klischeefan 08.01.2013
2.
Gehts noch? Sind wir dann bald wieder so weit dass in jeder Familie ein V-Mann der Staatssicherheit sitzt, denn auch Familien sind ja "geschlossene Gruppen"!? Würde dieser Sicherheitsapparat an anderen Stellen genau diese pedantische, übermäßige Überwachung an den Tag legen wäre wirklich mal etwas für die reale Sicherheit in diesem Land getan. Offenbar stehen Fußballfans inzwischen mit Islamisten und politischen Extremisten auf einer Ebene. Über entsprechende Reaktionen auf eine derart groteske Kriminalisierung darf sich der brave, saubere deutsche Durchschnittsbürger dann aber auch nicht wundern.
rallehajo666 08.01.2013
3. agent provocateure in der Kurve
Diese bis jetzt erzielten Null! Erkenntnise werden die V-Männer zu Anstiftern werden lassen, um so an "Beweise" zu kommen.. Hat aber anderswo(linke/rechte Demos) auch nix gebracht, da so nur dämliche Mitläufer ins Netz gehen. Wie gesagt, die Gruppen sind geschlossen.. Gruss aus Dresden
cs01 08.01.2013
4. optional
jetzt wissen wir also auch, wie das Pyro ins Stadion kommt. Mit politischer Deckung von oben, damit man anschließend schön auf alle draufschlagen kann.
tsagleahcim 08.01.2013
5.
Irgendwie kann ich immer noch nicht die staatsgefährdende Eigenschaft der Ultras erkennen. Aber wie mein vorredner schon schrieb, die Gleichsetztung sucht seines Gleichen. ich bin echt schon auf die Reaktionen der Kurven in der Rückrunde gespannt. Das Vertrauen in den Rechtsstaat muss nun gänzlich als verloren betrachtet werden.
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