Fußball-Regionalliga Nordost Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Manipulationsverdachts

"Das Engagement zurücknehmen", "sichere Siege" ermöglichen: Im November 2018 gab es mehrere seltsame Anfragen vor Spielen der Regionalliga Nordost. Jetzt ermittelt die Justiz.

Unter Verdacht: Andreas Petersen, sportlicher Leiter von Germania Halberstadt
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Unter Verdacht: Andreas Petersen, sportlicher Leiter von Germania Halberstadt


Der Manipulationsverdacht in der Fußball-Regionalliga Nordost weitet sich aus und beschäftigt nun auch die Justiz. Wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin der Magdeburger "Volksstimme" bestätigte, hat sie ein Verfahren wegen des Verdachts auf Spielmanipulation eingeleitet.

Bisher waren lediglich Ermittlungen durch den für die Liga zuständigen Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) bekannt. Der Verband hatte Ermittlungen gegen den sportlichen Leiter von Germania Halberstadt, Andreas Petersen, eingeleitet.

Der 58-jährige Vater von Bundesligaspieler Nils Petersen wird verdächtigt, Spieler einer anderen Mannschaft bestochen zu haben. Petersen soll vor dem Ligaspiel beim SV Babelsberg 03 am 30. November 2018 (3:1) zwei Spieler des Gegners mit der Absicht kontaktiert haben, "ihr Engagement zurückzunehmen", wie der damalige NOFV-Präsident Rainer Milkoreit es bezeichnet hatte.

Bestechungsversuch oder nur "ein Jux"?

Babelsberg meldete den Vorfall dem NOFV, der Ermittlungen aufnahm. Andreas Petersen hatte die Manipulations-Vorwürfe harsch zurückgewiesen. "Das ist ein Riesenblödsinn und an den Haaren herbeigezogen", sagte er. "Man will den Gegner etwas locken, etwas verunsichern. Ein Jux." Er sei 31 Jahre sauber im Fußballgeschäft tätig und werde immer sauber bleiben, sagte Petersen dem MDR.

Die Ausmaße des Skandals könnten allerdings wesentlich größer sein. Ein chinesischer Sportvermarkter soll laut übereinstimmenden Medienberichten am 30. November 2018 den Versuch unternommen haben, auch den Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.

Zur "Refinanzierung" des Einstiegs soll das Unternehmen laut "Bild-Zeitung" "sichere Siege" vorgeschlagen haben, was die Vereinsvertreter als Umschreibung für Spielmanipulationen auffassten. Der CFC beendete die Verhandlungen und unterrichtete den NOFV und die Staatsanwaltschaft.

Das Pikante daran: Jener Sportvermarkter ist offizieller Kooperationspartner von Germania Halberstadt. Das Unternehmen, das seine Zentrale in Qingdao (China) und eine deutsche Dependance in Wernigerode hat, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Im Fall Germania Halberstadt hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin inzwischen eine Übernahme des Verfahrens durch die zuständige Staatsanwaltschaft in Magdeburg beantragt. Dies bestätigte ein Sprecher der "Volksstimme".

him/sid

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swandue 10.02.2019
1.
"Man will den Gegner etwas locken, etwas verunsichern. Ein Jux." Ein absolutes No-Go, wie ein blöder Spruch am Flughafen. Und das mit 31 Jahren Erfahrung im Fußballgeschäft.
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