Statistik zu Club-Etats: Millionen für die Meisterschale

Der FC Bayern liegt an der Bundesliga-Spitze. Na klar, sagt der Fußball-Fan, die haben ja auch das meiste Geld. Doch was ist dran an dieser These? Statistik-Experte Andreas Heuer hat's überprüft.

Jubelnde Bayernprofis 2010: Teurer Kader garantiert dauerhaften Erfolg Zur Großansicht
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Jubelnde Bayernprofis 2010: Teurer Kader garantiert dauerhaften Erfolg

Hamburg - Sieben Siege aus sieben Spielen, Platz eins in der Bundesliga-Tabelle - für die Bayern läuft es in der höchsten deutschen Spieklasse blendend. Kein Wunder, möchte man meinen, denn die Münchner haben vor der Saison kräftig investiert, unter anderen wurde der spanische Nationalspieler Javier Martínez mal eben für schlappe 40 Millionen Euro verpflichtet.

Geld schießt Tore, so geht die plumpe Fußball-Legende. Weitergedacht bedeutet das: Wer das meiste Geld hat, der gewinnt die Spiele - und somit die Meisterschaften. Aber stimmt das wirklich?

Derzeit scheint es zumindest so zu sein: Spitzenreiter Bayern ist nicht nur in der Punkte- sondern auch in der Marktwert-Tabelle ganz vorne. Aktuell weist die Mannschaft laut dem Sportportal Transfermarkt.de einen Marktwert von 416 Millionen Euro auf. Gegenüber der vergangenen Saison wurde der Wert noch einmal um knapp 80 Millionen Euro gesteigert.

Tabelle: Zusammenhang von Marktwert und Tabellenplatz Zur Großansicht
Andreas Heuer

Tabelle: Zusammenhang von Marktwert und Tabellenplatz

Deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt Borussia Dortmund mit 211 Millionen Euro. Im Vergleich dazu landet Aufsteiger Fortuna Düsseldorf bei gerade einmal 25 Millionen Euro, das sind lediglich sechs Prozent des Bayern-Wertes. Dass Marktwert und Spielergebnisse etwas miteinander zu tun haben, ist wohl unbestreitbar. Doch wie ausgeprägt ist dieser Zusammenhang genau?

In der vergangenen Saison gab es eine sehr starke Verbindung zwischen dem Marktwert zu Beginn der Saison und der End-Platzierung. Die vier wertvollsten Mannschaften standen auf den ersten fünf Plätzen. Ausnahmen waren rar gesät: Hamburg stach in negativer, Hannover in positiver Hinsicht hervor.

Eine ähnlich starke Verbindung deutet sich nun auch in diesem Jahr an. Nur der - sportliche - Tabellenzweite Frankfurt passt bislang nicht ins Bild. Das ist aus Sicht der Fußballfans eine gute Nachricht. Denn wenn ausschließlich der Marktwert für das Abschneiden verantwortlich wäre, würde alljährlich immer dieselbe Mannschaft Deutscher Meister werden.

Mittels statistischer Verfahren kann die Relevanz des Marktwerts noch genauer beleuchtet werden. Angenommen, man möchte die Ergebnisse des letzten Spieltags vorhersagen und hat als Informationsquellen die Tabelle nach dem 33. Spieltag sowie den Marktwert zu Beginn der Saison vorliegen. Dann wird eine auf dem Marktwert basierende Vorhersage zuverlässiger sein, als wenn sie auf dem Punktestand beruht. Dies zeigt eindrucksvoll, wie gut der Marktwert zu Beginn der Saison die tatsächliche Leistungsstärke einer Mannschaft für die ganze Saison widerspiegelt.

Eine genauere Analyse der vergangenen zehn Saisons zeigt, dass die Leistungsstärke einer Mannschaft weniger mit dem Marktwert selbst, sondern mit dem Logarithmus des Marktwerts verbunden ist. Der Logarithmus wird zum Beispiel auch bei der Definition der Richterskala zur Festsetzung der Stärke eines Erdbebens verwendet. Für die Bundesliga führt eine Verdoppelung des Marktwertes im Mittel zu 10 zusätzlichen Punkten am Saisonende. Nach dem Marktwert sollte Bayern also am Ende dieser Saison zehn Punkte mehr als Dortmund und etwa 40 Punkte mehr als Düsseldorf aufweisen.

Grafik: Logarithmus der Marktwerte Zur Großansicht
Andreas Heuer

Grafik: Logarithmus der Marktwerte

Hinzu kommt noch eine bemerkenswerte Tendenz während fast 50 Jahren Bundesliga: Die Beständigkeit guter Mannschaften über viele Saisons hinweg wird immer ausgeprägter. Das mag auf eine stärkere Zementierung der finanziellen Randbedingungen hinweisen. Nicht zuletzt dazu passt die Aussage von Dortmunds Geschäftsführer Watzke, dass Bayern die nächsten 10, 15 Jahre eine Sonderposition bekleiden wird, die kein anderer Verein auch nur im Ansatz erreichen kann.

Lesen Sie die ausführliche Version dieses Textes sowie weitere Fußball-Statistiken im Buch "Der perfekte Tipp" von Andreas Heuer nach.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Spielerbewertung
floordress 19.10.2012
Was ist wenn Hannover kein Ausreißer war, sondern die Spieler einfach unterschätzt wurden? Und zack ist die Analyse nichts mehr wert, weil die transfermarkt.de-Werte verzerrt sind. Ein unterhaltsames und wirklich gutes Beispiel für einen derartigen Bias: Moneyball mit Brad Pitt.
2. optional
AdamCasher 19.10.2012
Moneyball bezieht sich auf Baseball, dass System lässt sich so nicht auf Fußball übertragen, da Fußball viel komplexer ist. Wobei man davon ausgehen kann, dass sich die Marktwerte einiger Spieler Hannovers erhöht haben, zugegeben. D. h. aber nicht, dass sie zuvor unterschätzt wurden. Hätten sie entsprechende Leistung gebracht, hätten sie im Normalfall auch den entsprechenden Marktwert.
3. Nhl
natprod 19.10.2012
Zitat von sysopDer FC Bayern liegt an der Bundesliga-Spitze. Na klar, die haben ja auch das meiste Geld, ist der Fußball-Fan zu rufen geneigt. Doch was ist dran an diesem Zusammenhang? Statistik-Experte Andreas Heuer geht dieser und weiteren Fußball-Fragen in seinem Buch "Der perfekte Tipp" nach. Fußball: Statistik zum Zusammenhang von Etats und Meisterschaften - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-statistik-zum-zusammenhang-von-etats-und-meisterschaften-a-862075.html)
Habe ich schon lange gesagt./ Man sollte wie bei der NHL eine maximale Summe ansetzen die die Vereine fuer Ihre Spieler bezahlen koennen. Ich glaube bei der NHL sind das so um die $40-50 MIO pro verein pro Jahr. Dass wuerde auch dieses unsinnige Hochzuechten der Spielervertraege begrenzen. Und mal ehrlich 5-10 MIo sind doch auch ein schoenes Gehlt um einen Ball durch die Gegend zu kicken.
4.
derjonny 24.10.2012
Zitat von floordressWas ist wenn Hannover kein Ausreißer war, sondern die Spieler einfach unterschätzt wurden? Und zack ist die Analyse nichts mehr wert, weil die transfermarkt.de-Werte verzerrt sind. Ein unterhaltsames und wirklich gutes Beispiel für einen derartigen Bias: Moneyball mit Brad Pitt.
Ist erst einmal doch kein Wiederspruch, da sich der Marktwert eines Spielers an dessen gezeigte und wahrgenommene Leistung angleicht und nicht umgekehrt. Ich würde sogar soweit gehen, dass der Artikel und die zugehörige Statistik hier die Kausalität umgekehrt wiedergegeben haben. Marktwert schafft keinen Erfolg sondern Erfolg generiert Marktwert.
5.
maxderzweite 14.12.2012
Ja aber die Bayern haben es geschafft ohne irgendwelche Investoren...davor Hut ab!
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