Ex-Arsenal-Profi Adams: "Von sonntags bis mittwochs durchgesoffen"
Tony Adams spielte über 600-mal für den FC Arsenal. Doch der Verteidiger hatte während seiner Karriere ein massives Alkoholproblem. Im Interview mit "11 Freunde" erzählt Adams vom gemeinsamen "Sakrament"-Trinken, seinem Entzug und der Zeit im Gefängnis.
Frage: Tony Adams, spielen Sie eigentlich immer noch Klavier?
Adams: Nein, schon seit einer Weile nicht mehr. Aber als ich nach der Europameisterschaft 1996 aufgehört hatte zu trinken, wurde das Klavierspielen zu einem Teil meiner Therapie. Ich übte jeden Tag. Ich wollte lernen, mich zu konzentrieren, mich abzulenken, an etwas anderes zu denken als an den verdammten Alkohol. Mittlerweile gelingt mir das aber auch, wenn ich nicht am Klavier sitze.
Frage: Aber an Weihnachten greifen Sie doch bestimmt noch mal in die Tasten?
Adams: Ich muss Sie enttäuschen, nicht mal das. Ich habe auch nie das Mozart-Level erreicht, es blieb beim Geklimper. Meine Tochter hat mich längst überholt. Sie ist bei uns für die Hausmusik zuständig. Ich höre ihr liebend gern zu.
Frage: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag ohne Alkohol nach 13 Jahren Sucht?
Adams: Das erste Wochenende war ein einziger verschwommener Fleck, die Erinnerungen sind entsprechend undeutlich. Aber ich weiß noch sehr genau, dass ich es satt hatte, alles satt zu haben. Ich wollte einfach kein Alkoholiker mehr sein.
Frage: Wie lang hat der Entzug gedauert?
Adams: Er begann an jenem Wochenende und mit der ersten Sitzung bei den Anonymen Alkoholikern am Montag - und dauert bis heute. Denn ich weiß: Sobald ich schwach werde, wird mich der Alkohol wieder besiegen.
Frage: Wann haben Sie sich entschieden, Ihre Suchterfahrungen in dem Buch "Addicted" öffentlich zu machen?
Adams: Das war 1998, als ich zwei Jahre lang trocken war und genug Abstand gewonnen hatte. Natürlich war auch das Teil der Therapie, eine notwendige Aufarbeitung. Aber ehrlich gesagt: In erster Linie wollte ich Geld für meine Stiftung generieren. Mit der Sporting Chance Charity und der dazugehörigen Klinik versuchen wir, suchtkranken Athleten zu helfen, ihr Leben zu reparieren, egal ob sie nun dem Alkohol, harten Drogen oder dem Wettspiel verfallen sind.
Frage: War das Schreiben für Sie auch eine Art Wiederherstellung kaputter Erinnerungen?
Adams: Ja, sicher. Ich hatte all das verdrängt, ignoriert, vieles war im Suff untergegangen. Ich musste ein ganzes Jahrzehnt wieder zusammensetzen. Das war sehr schmerzlich. Wer erkennt schon gern, dass er nicht der Supersportsmann ist, als den ihn die Öffentlichkeit sieht, als den er sich selbst gesehen hat, sondern ein Versager, ein Häuflein Elend?
Frage: Wann haben Sie eigentlich angefangen zu trinken?
Adams: Mit 17. Mir schmeckte das Zeug zwar nicht, aber mir gefiel sehr, was es mit mir anstellte. Ich wurde locker und selbstsicher, wenn ich trank.
Frage: Konnten Sie als junger Profi überhaupt einen Drink ablehnen, der Ihnen hingehalten wurde?
Adams: Ablehnen kann man alles, wenn man bereit ist, mit den Folgen zu leben. Im englischen Fußball der achtziger Jahr war das gemeinsame Trinken nach dem Spiel ein Sakrament, ganz so wie das gemeinsame Abendmahl in der Kirche. Wer nicht mitzog, blieb Außenseiter. Ich zog mit. Aber das soll kein Alibi sein. Denn ich zog ja gern mit.
- 1. Teil: "Von sonntags bis mittwochs durchgesoffen"
- 2. Teil: "Ein Bier oder 20? Das machte keinen Unterschied"
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