Fußball-Trainingsmaschine: Footbonaut kickt wie vom anderen Stern

Von Christoph Biermann

Technik statt Trainingsplatz: Ein Berliner Tüftler hat eine Wundermaschine für Übungseinheiten mit dem Ball gebaut. Das Gerät kann jeden nur denkbaren Schuss simulieren. Werder Bremen, Barcelona und der Weltmeister haben bereits Interesse signalisiert.

Bei der Entwicklung der wundersamsten Erfindung, die je auf dem Planeten Fußball gelandet ist, war die Namensfindung der schwierigste Teil. Aber wie soll man auch einen knapp fünf Meter hohen, mit Tornetzen behängten Käfig voller Ballwurfmaschinen nennen, in dem es blinkt und piept? Und was macht man, wenn jeder halbwegs nachvollziehbare Name bereits geschützt ist? Christian Güttler, der sich die Anlage ausgedacht hat, würde "am liebsten noch zwei Jahre in Ruhe darüber nachdenken, wie sie heißen soll". Aber das geht nicht und deswegen trägt sie halt einen seltsamen Namen: Footbonaut.

Ganz falsch ist er nicht, die Anlage sieht wirklich aus wie ein Raumschiff, mit dem man in neue Fußball-Galaxien vorstoßen könnte. Denn diese Maschine, die im Osten Berlins in einer Werkhalle steht, in der früher die Stasi Autos frisierte, verspricht das, was alle Trainer wollen: ihre Spieler am Ball immer schneller zu machen.

"Der Trainingseffekt ist klar nachweisbar", sagt Güttler, 38, der ein Tüftler und Mann vieler Talente ist. Er hat als Filmcutter gearbeitet und Stoffe designt. Er hat an der Folkwang-Hochschule in Essen Klavier und Gitarre studiert und weiß, wie wichtig es ist, Übungen ständig zu wiederholen. Seine Diplomarbeit schrieb er über "Die Bedeutung des Ohrs beim motorischen Lernen" und deshalb piept der Footbonaut auch, bevor er die Bälle abschießt.

14 mal 14 Meter groß ist das Feld, auf dem der Spieler den Ball von einer der acht Wurfmaschinen zugespielt bekommt. Zwei davon sind an der Mitte jeder Seite angebracht, und der Ball kommt von dort angeflogen, wo es vorher gepiept hat. Dann muss er kontrolliert und weitergespielt werden. 72 Felder umgeben den Platz in einem Gitterwerk, jedes 1,40 Meter zum Quadrat groß und von roten Lichtleisten umfasst. In das Feld, das aufleuchtet, muss der Spieler treffen. Ist der Ball durch die Lichtschranke geflogen, piept es erneut, und der nächste Ball wird abgeschossen.

Tom Trybull von Union Berlin hält den Rekord: 40 Bälle in Serie ohne Fehlschuss, durchschnittlich alle 5,3 Sekunden ein neuer Ball. Trybull gehört zum erweiterten Kader der U-15-Nationalmannschaft und ist einer von drei Jugendspielern, die in dem Käfig regelmäßig trainieren und bei der Weiterentwicklung helfen. Auch zum eigenen Vorteil. "Man spielt auf dem Platz schneller, wenn man da geübt hat", sagt er.

Individuelle Schwächen gezielt trainieren

Tennisspieler kennen Ballwurfmaschinen schon lange, im Baseballtraining und beim Hockey werden sie ebenfalls eingesetzt. Stephan Nopp von der Sporthochschule Köln glaubt, dass sie mit dem Footbonaut nun auch im Fußball ihren Platz finden. "Die Anlage bedeutet in der Trainierbarkeit von Ballannahme und -kontrolle, der Passgenauigkeit und Schusstechnik eine neue Dimension", sagt der Sportwissenschaftler. In der computergesteuerten Anlage kann man individuelle Schwächen gezielt trainieren, die Fortschritte sind messbar. Nopp empfiehlt sie nicht nur für Jugendspieler, sondern hält sie für eine "auch im Seniorenbereich absolut sinnvolle Ergänzung".

Einen Prototyp aus dem vergangenen Jahr hat Güttler komplett überarbeitet. Bis zu 120 Stundenkilometer schnell werden die Bälle, können angeschnitten werden, und schwenkbar ist die Wurfmaschine nun auch. "Wir können die Flugbahn inzwischen endlos manipulieren", sagt Güttler.

3,8 Millionen Euro hat die Firma CGoal seit 2006 investiert, sie gehört Güttler und seiner Frau und einem "fußballverrückten Russen", dessen Name nicht verraten werden soll. Die Anlage wird wohl einen hohen sechsstelligen Betrag kosten. Doch wer wird den Footbonaut kaufen? "Wenn ich bei einem Verein wäre, würde ich das tun", sagt Nationalteammanager Oliver Bierhoff. Er war mit Hansi Flick und Andreas Köpke aus dem Trainerteam von Joachim Löw im Innovationspark Wuhlheide und alle drei waren begeistert, auch wenn die Anlage bei der Vorbereitung auf die Europameisterschaft nicht zum Einsatz kommt.

Thomas Schaaf und Klaus Allofs, Trainer und Manager von Werder Bremen, haben nach einem Besuch ebenfalls ihr Interesse signalisiert – genauso wie Abgesandte von Adidas, Nike und Puma. Demnächst sollen Vertreter von Real Madrid, des FC Barcelona und der italienischen Nationalmannschaft kommen.

Probleme, die Leute wieder rauszubekommen

Bernhard Peters hat den Footbonaut im Auftrag des Sportkompetenzgremiums beim DFB bereits geprüft und als Sportdirektor des Zweitligisten TSG 1899 Hoffenheim würde er die Anlage gern erwerben. Allerdings möchte er sie etwas "spielraumspezifischer" gestalten und die Spielfläche einem Strafraum in Originalgröße angleichen. "Das wäre sehr interessant für das spezifische Training von Stürmern und eventuell auch fürs Torwarttraining."

Vielleicht wird der Footbonaut aber auch eine Attraktion für private Fußballschulen oder Soccerhallen. Denn abgesehen von allen trainingswissenschaftlichen Wirkungen hat Güttler einen anderen Effekt festgestellt. "Wer auch immer zum Testen kommt, ich habe die größten Probleme damit, die Leute da wieder rauszubekommen." Vielleicht sollte er seine Anlage einfach "Das große Fußballspielzeug" nennen.

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Forum - Training mit Maschinen - gut für den Fußball?
insgesamt 12 Beiträge
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1.
bennoko 14.04.2008
Zitat von sysopEin Tüftler hat eine Fußball-Wurfmaschine entwickelt, die die technischen Fertigkeiten der Fußballer optimieren soll. Was denken Sie - sind die immer ausgefeilteren Trainingsmethoden gut für den Fußball?
Es ist wie in jedem Bereich des Leistungssportes: Leistung soll erhöht werden - Leistungswachstum scheint dabei nach oben keine Grenze zu haben: Aller Voraussicht nach werden Sportler in 50 Jahren schneller laufen, schwimmen und eben auch schneller Fußball spielen als heute. Solange die Leistungssteigerung nicht durch unkonventionelle Mittel, etwa durch erzieherischen Drill und Doping erzielt wird, ist es schwer, etwas daran auszusetzen.
2.
das_schwampel 14.04.2008
Ja natürlich sind sie das. Nur mit Medizinbällen, Hütchen, altmodischen Laktattests und Pappkameraden geht es heute nicht mehr. Deutsche Klubs hinken in ihren Methoden eh schon hinterher und trainieren zum Teil noch wie zu Herbergers Zeiten.
3. Hammergerät
the_flying_horse 14.04.2008
Das Gerät kann der Hit beim Spielertraining werden. Ballannahme, Beherrschung und gezielten Torschuß - das sind doch gerade die Probleme vieler auch sehr guter Spieler, und oft vergebenen Chancen an sich sicherer Tore zeigen das immer wieder. Wenn man hier diese Abläufe gezielt üben kann, bis sie quasi zum Reflex geworden sind, kann das schon spielentscheidend sein. Ich glaube, das die Mannschaft, die diese Erfindung als erste gezielt einsetzt, einen spür- und messbaren Erfolg haben wird. Wer wird also der Erste sein? Wahrscheinlich wieder die Bayern...
4.
herberger 14.04.2008
Deutsche Klubs hinken in ihren Methoden eh schon hinterher und trainieren zum Teil noch wie zu Herbergers Zeiten Ehhhhhhhh, was ist falsch an meinen Trainingsmethoden? Der Ball ist immer noch rund und nach dem Spiel ist vor dem Spiel und überhaupt dauert das Spiel immer noch neunzig Minuten.
5.
das_schwampel 14.04.2008
Zitat von herbergerund überhaupt dauert das Spiel immer noch neunzig Minuten.
Allein diese These stimmt nicht. Getafe:Bayern gesehen?? ;)
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