Drama im Elfmeterschießen bei U17-EM Torwart hält Elfmeter - und fliegt vom Platz

Elfmeter gehalten, kurz danach Gelb-Rot kassiert - und das eigene Team flog aus dem Turnier: Im Viertelfinale der U17-EM wurde Irlands Torwart Jimmy Corcoran zur tragischen Figur.

Oisin McEntee übernimmt das Trikot von Jimmy Corcoran
imago/Inpho Photography

Oisin McEntee übernimmt das Trikot von Jimmy Corcoran


Jimmy Corcoran riss die Arme hoch, der irische Nachwuchstorwart klopfte sich auf die Brust und jubelte über seinen gehaltenen Elfmeter, der den Viertelfinal-Sieg der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft bei der U17-EM verhindert hatte. Das Turnier-Aus der Iren schien zunächst abgewehrt.

Nur wenige Augenblicke später sieht man Corcoran völlig aufgelöst. Er weint, zieht sein Trikot aus und verlässt den Platz. Was war passiert?

Schiedsrichter Zbynek Proske hatte den Torwart vom Platz gestellt. Der tschechische Unparteiische entschied, dass sich Corcoran zu früh von der Torlinie bewegt hatte. Die Folge: Gelb für Torwart Corcoran. Weil es seine zweite in diesem Spiel war, gab es Gelb-Rot. Der Keeper musste vom Platz und Innenverteidiger Oisin McEntee ihn ersetzen.

Es war eine korrekte Entscheidung, die man selten sieht. In den Regeln heißt es: "Der Torhüter muss mit Blick zum Schützen auf der Torlinie zwischen den Pfosten bleiben, bis der Ball getreten wurde." Verstößt er gegen diese Regel, zählt das Tor auch dann, wenn der Schuss verwandelt wird. Aber: "Geht der Ball nicht ins Tor, wird der Strafstoß wiederholt; der Torhüter wird verwarnt, wenn er für das Vergehen verantwortlich ist."

Der Aushilfstorwart McEntee war dann chancenlos - Daishawn Redan verwandelte seinen zweiten Versuch souverän zum 5:4 im Elfmeterschießen. Weil Irland bereits einen Elfmeter verschossen hatte, sicherten sich die Niederländer so den Einzug ins Halbfinale der U17-EM. Irland und Torwart Corcoran sind ausgeschieden.

Im Halbfinale trifft Oranje am Donnerstag auf England. Im zweiten Halbfinale stehen sich Italien und Belgien gegenüber. Die deutsche U17-Auswahl ist bereits in der Vorrunde ausgeschieden.

jan



insgesamt 13 Beiträge
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swandue 15.05.2018
1.
Man sollte die Regel ändern auf: "Im Fünf-Meter-Raum kann der Torhüter machen, was er will." Oder von der Strafraumgrenze schießen, wenn es darum geht, dass ein Sieger gefunden werden muss. Wenn das Ergebnis nach zehn Schüssen nicht 5:4, sondern 3:2 oder 2:1 lautet, dann gibt es nicht mehr den einen Versager, der nicht getroffen hat, sondern man schaut mehr auf die erfolgreichen Schützen und den erfolgreichen Torhüter.
jot-we 15.05.2018
2. well played ...
Wie der Kommentator schon sagt: "He is still on the line!" Also genau zwischen den Pfosten. Und damit sollte der Torwart der zitierten Regel doch eigentlich Genüge getan haben ...
undutchable 15.05.2018
3. deutlich zu früh vor die Linie
und als es gepfiffen wurde wusste er genau was los war. Ungerecht vielleicht nur, weil es nur selten gepfiffen wird, auch wenn man es häufiger sieht... Aber er kannte die Regel und hat sie übertreten. Elfmeterschiessen hat immer Gewinner und Verlierer, ob gerecht oder ungerecht sei mal dahingestellt. Es ist aber immer noch die "sportlichste" Lösung, Münzwurf macht aus sportlicher Sicht nicht wirklich Sinn...
Sumiciu 15.05.2018
4.
Wenn diese Regel tatsächlich konsequent so gepfiffen würde, wären wohl bei so ziemlich jedem Elfmeterschießen, an das ich mich aus den letzten Jahren erinnern kann, beide Torhüter vom Platz geflogen ...
cs01 15.05.2018
5.
Ehrlich gesagt halte ich Gelb für übertrieben. Elfmeter wiederholen und fertig, wenn man ganz streng sein will, dann ermahnt man den TW noch einmal und kündigt Gelb an. Aber aus heiterem Himmel gelb für eine regelübertretung, die sonst nicht geahndet wird?
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