Transfer-Rekord in europäischen Ligen Das Milliardengeschäft

Das Geschäft mit dem Fußball boomt: Die europäischen Vereine haben in dieser Spielzeit mehr als 3,4 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben - so viel wie nie zuvor. Eine Analyse der Uefa zeigt, wie die englischen Klubs den Markt beherrschen.

Von Tobias Kuske

Real-Star Ronaldo: Madrid zahlte für den Portugiesen 94 Millionen Euro
Bongarts/Getty Images

Real-Star Ronaldo: Madrid zahlte für den Portugiesen 94 Millionen Euro


Es lief die 34. Minute im Champions-League-Halbfinale, als Bayern München ein Tor vom teuersten Duo der Welt kassierte: Cristiano Ronaldo schob den Ball nach einem Pass von Gareth Bale zum 3:0 ins Tor. Ein Spieler, der 94 Millionen Euro gekostet hat, verwandelte eine Vorlage eines 91 Millionen teuren Teamkollegen.

Real Madrid ist ein extremes Beispiel, aber keine Ausnahme. Eine neue Analyse der Uefa zu den Finanzen aller 728 Fußball-Erstligisten zeigt: In Europas Fußball geht es nicht mehr um Millionen, es geht um Milliarden.

Am deutlichsten wird die Entwicklung bei den Transfersummen: Seit 2009 gaben die europäischen Klubs insgesamt 14,5 Milliarden Euro für neue Spieler aus. In der laufenden Spielzeit feierten sie einen neuen Rekord: Mit 3,4 Milliarden Euro investierten die Vereine so viel in Transfers wie nie zuvor.

Mit Abstand an der Spitze liegt die Premier League. Die englischen Klubs zahlten in den vergangenen fünf Jahren knapp 2,9 Milliarden Euro für neue Spieler. Auf Rang zwei folgen die italienischen Vereine mit 2,2 Milliarden Euro, dahinter stehen die spanischen Vereine (1,6 Milliarden Euro). Fast zwei Drittel der Transferkosten in Europa gehen damit auf das Konto dieser drei Ligen. Deutlich zurückhaltender waren die deutschen Klubs, seit 2009 gaben sie 878 Millionen Euro für Zugänge aus.

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Grafiken: Einnahmen und Ausgaben der europäischen FußballKlubs
Auch was die Mega-Transfers angeht, kann die Bundesliga nicht mithalten: In den vergangenen fünf Jahren kosteten in Europa 150 Spieler mehr als 15 Millionen Euro. 63 dieser Toptransfers tätigten englische Klubs. Die Bundesliga liegt mit zwölf Mega-Transfers nur auf Platz sechs.

Die Statistik zeigt, dass es nur einige wenige Klubs sind, die das ganz große Geld machen und sich die Topspieler leisten können. Insgesamt knackten in Europa nur 41 Vereine aus acht Ländern die 15-Millionen-Grenze. In der Bundesliga ist es neben Bayern München und Borussia Dortmund nun auch der VfL Wolfsburg: Die Niedersachsen verpflichteten in dieser Saison den Brasilianer Luiz Gustavo für 16 Millionen Euro und den Belgier Kevin de Bruyne für rund 22 Millionen Euro.

Englische Klubs nehmen im Schnitt 139 Millionen Euro ein

Auch bei den Einnahmen der Klubs veranschaulicht die Uefa-Studie die finanzielle Überlegenheit der Premier League. Während die durchschnittlichen Einnahmen der 20 Premier-League-Teams bei 139 Millionen Euro liegen, haben etwa die französischen Vereine der Ligue1 im Schnitt nur 58 Millionen Euro verbucht. Noch deutlicher ist der Abstand zur niederländischen Eredivise: Deren Vertreter generierten im Schnitt nur 24 Millionen Euro. Die 18 Bundesligisten kamen 2012 mit einem Durchschnitt von 108 Millionen Euro auf den zweiten Rang, noch vor der Primera División (93 Millionen Euro) und der Serie A (86 Millionen Euro).

Der wesentliche Grund für die finanzielle Vorherrschaft der Premier League sind die Erlöse aus dem Pay-TV. Keine andere Liga bekommt so viel Geld durch den Verkauf der Fernsehrechte: Der neue Deal umfasst rund 3,7 Milliarden Euro, für den Zeitraum 2013/2014 bis 2015/2016. Zum Vergleich: Die Bundesliga erlöst ab der Saison 2013/2014 in einem Vierjahreszeitraum insgesamt knapp zwei Milliarden Euro über den Live-Rechte-Vertrag mit Sky.

Insgesamt erwirtschafteten die europäischen Klubs 14,1 Milliarden Euro, davon wurden 37 Prozent durch nationale TV-Gelder erzielt. Damit war das Fernsehen die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Der Verkauf von Eintrittskarten machte dagegen nur 18 Prozent aus (2,5 Milliarden Euro).

Manchester City zahlt die höchsten Löhne

Auch bei den Gehältern liegen die Briten vorne: Unter den 50 Klubs mit den höchsten Gehaltskosten sind 15 aus England, acht aus Deutschland und Italien, sechs aus Spanien und Russland, fünf aus Frankreich und zwei aus der Türkei. Zusammen haben diese 50 Klubs über die Hälfte der Gehaltskosten aller 728 europäischen Erstligisten aufgebracht.

An der Spitze wird der Unterschied zwischen armen und reichen Klubs noch deutlicher: Laut der Uefa hat der Verein mit den höchsten Gehaltsausgaben dreimal höhere Lohnkosten als der Verein auf Rang 25. Zwar nennt der Verband keine Namen, aber einer Studie von ESPN zufolge zahlte Manchester City in der Saison 2012/2013 die höchsten Löhne weltweit: Die Startelf soll im Schnitt über sechs Millionen Euro Gage pro Jahr bezogen haben.

Dass sich das durchaus lohnt, zeigt die Statistik: Die Klubs, die in ihren Ländern die höchsten Gehaltskosten hatten, gewannen in mehr als der Hälfte der Fälle auch die nationale Meisterschaft.



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marinero7 20.05.2014
1. Gute Entwicklung?
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesDas Geschäft mit dem Fußball boomt: Die europäischen Vereine haben in dieser Spielzeit mehr als 3,4 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben - so viel wie nie zuvor. Eine Analyse der Uefa zeigt, wie die englischen Klubs den Markt beherrschen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-uefa-clubs-geben-milliarden-fuer-transfers-und-gehaelter-aus-a-967763.html
In England wird ein Großteil der Ablösesummen von russischen Oligarchen oder arabischen Scheichs bezahlt. Die Ticketpreise sind deutlich höher als in Deutschland. Da ist Fussball im Pay TV für die normalen Zuschauer billiger. Dafür sind die Stadien nicht so voll wie in Deutschland und Stimmung ist kaum vorhanden.
username987 20.05.2014
2. toller bericht
vielleicht wäre es aussagekräftiger gewesen, transfer-ausgaben und -einnahmen zu saldieren. den 94 millionen, die real für bale gezahlt hat, stehen ja wohl erlöse bei tottenham in gleicher höhe gegenüber.
sosonaja 20.05.2014
3. optional
Wesentlich interessanter wären die Summen, die nicht öffentlich bekannt werden. Wie jeder weiß, wird bei jedem Deal sog. Handgeld bezahlt, siehe schwarze Kasse von U. Hoeness. Leider hat die bayerische "Justiz" verhindert, dass die Öffentlichkeit Einblick in die kriminellen Machenschaften der ach so sauberen Profisportler bekommt.
patsche2712 20.05.2014
4. All....
...diese mitunter schwindelerregenden Zahlen lassen den wohl wichtigsten Aspekt der wirtschaftlichen Führung eines Clubs leider komplett außer Acht, dass solide und gesunde wirtschaften mit dem zur Verfügung stehenden oder auch in den meisten Fällen gepumpten Geldern. Diese Rangliste würde gänzlich anders ausfallen.
potenz 20.05.2014
5. Effektivitätstabelle?
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesDas Geschäft mit dem Fußball boomt: Die europäischen Vereine haben in dieser Spielzeit mehr als 3,4 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben - so viel wie nie zuvor. Eine Analyse der Uefa zeigt, wie die englischen Klubs den Markt beherrschen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-uefa-clubs-geben-milliarden-fuer-transfers-und-gehaelter-aus-a-967763.html
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch mal "Effektivitätstabellen" anschauen, wie es vor einigen Wochen mal in der TAZ für die Bundesliga gemacht wurde: Wieviel Punkte erspielt ein Verein pro in die Mannschaft investierter Million? Die daraus resultierte Bundesligatabelle zeigte aktuell Augsburg an der Spitze, im Vorjahr wäre Freiburg "Effektivitätsmeister" geworden. Und dreimal dürft ihr alle raten, wer jeweils ganz hinten auf dem letzten Platz lag ... ja genau: Unsere Freunde vom Rande der Alpen!
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