Fußball Verfassungsgericht soll über Stadionverbote entscheiden

Wie weit darf der Staat gehen, um Fan-Gewalt zu verhindern? Mit dieser Frage müssen sich nach SPIEGEL-Informationen jetzt die Verfassungsrichter auseinandersetzen - die Anwälte eines Bayern-Fans, der für zwei Jahre Stadionverbot hat, sehen den Grundsatz eines fairen Verfahrens verletzt.

Polizisten bei Fußballspiel: Überzogene Maßnahmen gegen Fans?
ddp

Polizisten bei Fußballspiel: Überzogene Maßnahmen gegen Fans?


Hamburg - Der Streit um die Verhängung von Stadionverboten bei bloßem Verdacht auf Gewaltbereitschaft wird nach SPIEGEL-Informationen nun das Bundesverfassungsgericht beschäftigen. Der renommierte Stuttgarter Rechtsanwalt Rüdiger Zuck wird für einen Fan des FC Bayern München, gegen den ein zweijähriges, bundesweites Stadionverbot verhängt worden war, in den nächsten Tagen Verfassungsbeschwerde einlegen.

Der Bundesgerichtshof hatte die Klage des Fans Ende Oktober dieses Jahres abgewiesen. Das Stadionverbot gilt für alle Partien der drei deutschen Profiligen und der drei Regionalligen. Der Fan darf also lediglich Spiele der Oberligen und noch niedrigerer Klassen besuchen.

Die Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht wird von der Initiative "Fanrechtefonds" unterstützt. Die beteiligten Anwälte sehen in dem Vorgehen der Gerichte den verfassungsrechtlichen Grundsatz des fairen Verfahrens verletzt.

Der damals 16-Jährige war im März 2006 nach Ausschreitungen bei einem Bundesliga-Spiel des FC Bayern München in Duisburg mit rund 60 weiteren Bayern-Fans in Gewahrsam genommen worden.

Der Jugendliche beteuerte, die Krawalle nur aus der Distanz verfolgt zu haben. Einen Beleg für seine Beteiligung an der Gewalt gab es nicht, das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Dennoch verhängte der MSV Duisburg nach den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen ihn ein Stadionverbot.

Für den Bundesgerichtshof rechtfertigte bereits "die Zugehörigkeit" des Fans zu der gewaltbereiten Gruppe "die Annahme, dass er sich bei Fußballveranstaltungen in einem zu Gewalttätigkeiten neigenden Umfeld bewegt" und von ihm deshalb künftig Störungen ausgehen könnten, die andere gefährden.



insgesamt 84 Beiträge
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Rainer Helmbrecht 30.10.2009
1.
Zitat von sysopWie beurteilen Sie das BGH-Urteil, Stadionverbote gegen Fußballfans weiterhin aufgrund von Verdachtsmomenten auszusprechen? Gibt es sinnvolle Alternativen zu Stadionverboten?
Allem Anschein nach wird endlich Recht gesprochen. Bei Nazis wird jede Demonstration genehmigt, egal wer dagegen ist und was da passiert. Üblicher Weise gehört es zum Hausrecht, sich seine Gäste auszusuchen. Wer sich so aufführt, dass er bei Gewalttaten festgenommen wird, den möchte ich auch nicht zu meinen Gästen zählen. Typisch ist, dass die Polizei die Ermittlungen einstellt. Dieses Verhalten führt bei jugendlichen Schlägern dazu, dass mehrfach Bewährungsstrafen ausgesprochen werden und Täter trotz entsprechenden Taten nicht einen Tag im Knast saßen. MfG. Rainer
Christian W., 30.10.2009
2.
Ein typisches Schreibtischtäterurteil. Zur falschen Zeit am falschen Ort, nichts getan, freigesprochen von der Polizei und trotzdem ein Stadionverbor deutschland. Super!
lemmiecaution 30.10.2009
3.
Zitat von Christian W.Ein typisches Schreibtischtäterurteil. Zur falschen Zeit am falschen Ort, nichts getan, freigesprochen von der Polizei und trotzdem ein Stadionverbor deutschland. Super!
Naja, das ist schon so´ne Sache mit der Polizei. Im Osten z.B. guckt sie ja scheinz´nur zu. Oder darf nur zugucken. Obwohl (Hools, keine Fans) gerade vor ihren Augen Straftaten begehen. Da wir anscheinend auch keiner angezeigt, obwohl er groß und breit gewaltausübend (im Fernsehbericht) zu sehen ist. Die Täter werden ja leider nicht - wie auch bei den großen Demos nicht, die geradezu "live" übertragen werden - herausgefischt und dem StGB entsprechend bestraft. Und solange das so ist, wird der Fußball-Fan, der ja in den Filmberichten eigentlich immer eindeutig von den (Nazi-)-Schlägern zu unterscheiden ist, sich nicht von den Verbrechern (nichts Anderes sind die Schlägertrupps) abheben können und auf "gerechte" Rechtssprechung hoffen dürfen.
fdj2k 30.10.2009
4. kein titel
tja das urteil ist wirklich ein schlechter witz, nun muss man in einem rechtsstast wirklich schon beweisen das man bei einem verbrechen NICHT dabei war... übrigens sollte der BGH sich auch mal mit der polizeidatenbank "gewalttäter sport" beschäftigen, darin landet man auch genauso willkürlich und ein rauskommen ist eigentlich nicht möglich.... http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fast-11-000-Personen-in-Hooligan-Datei-gespeichert-205167.html
Rainer Helmbrecht 30.10.2009
5.
Zitat von Christian W.Ein typisches Schreibtischtäterurteil. Zur falschen Zeit am falschen Ort, nichts getan, freigesprochen von der Polizei und trotzdem ein Stadionverbor deutschland. Super!
Das mit der Polizei interpretieren Sie falsch. Er wurde von der Polizei nicht freigesprochen, weil das nur ein Gericht kann, sondern die Ermittlungen wurden eingestellt. Das kann viele Gründe haben, von, der war garnicht am Tatort, bis der Staatsanwalt sieht keinen Handlungsbedarf, wegen mangelndem öffentlichem Interesse. MfG. Rainer
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