Britische Fans und die Bundesliga Stimmung! Stehplätze! Bratwurst und Bier!

Viele Briten verehren den deutschen Fußball. Dortmund und das Millerntor sind Sehnsuchtsorte für Fans von der Insel. Diese Begeisterung ist naiv, aber umgekehrt ist es ja genauso.

Fans im Millerntor-Stadion
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Fans im Millerntor-Stadion

Von , Manchester


Ich bin in dem Glauben nach England gezogen, dass hier die beste Fußball-Liga der Welt zu Hause ist. Doch das stimmt gar nicht. Für die beste Fußballliga der Welt hätte ich in Deutschland bleiben müssen.

Diesen Eindruck bekomme ich jedenfalls, wenn ich mich mit Engländern unterhalte. Das Gespräch dreht sich zumeist recht schnell um meine Herkunft, vermutlich verrät mich mein deutscher Akzent, und um die Bundesliga, in der nach Vorstellung vieler englischer Fans Milch und Honig fließen. Die vollen Stadien! Die gute Stimmung! Die Stehplätze! Bratwurst und Bier! Die günstigen Eintrittspreise! Vereine, die den Mitgliedern gehören!

Wenn ich dann noch erzähle, dass ich schon in Dortmund und beim FC St. Pauli im Stadion war, setzen meine Gesprächspartner einen bewundernden Blick auf, als hätte ich gerade von einer erfolgreichen Klettertour im Himalaya oder von einem Date mit Keira Knightley berichtet.

Autoren-Info
  • Verena Knemeyer
    Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, sah seine ersten Fußballspiele im alten Wolfsburger VfL-Stadion. Später - als Journalist - war er für den Fußballnorden zuständig. Nachdem es nicht gelang, den HSV in die zweite Liga zu schreiben, folgte der Wechsel nach England: Er berichtet seit August 2017 aus Manchester über britischen Fußball und hofft weiterhin auf eine Karriere als Torwart.

  • Alle Folgen der Kolumne "Life Goals"

Dortmund und das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli sind Sehnsuchtsorte für englische Fußballfans. Sie sind der Inbegriff dessen, was dem Fußball in England abhanden gekommen ist.

Die Stimmung bei den Spielen der Premier League ist größtenteils mäßig, Alkohol darf nur vor Anpfiff und in der Halbzeitpause verkostet werden. Und dann auch nur im Stadioninneren, nicht auf den Tribünen. Die Eintrittskarten sind so teuer geworden, dass ganze Zuschauerschichten verdrängt wurden, die Klubs werden von Besitzern aus Russland, Abu Dhabi, den USA oder aus Thailand gelenkt.

Fans auf der Dortmunder Südtribüne
DPA

Fans auf der Dortmunder Südtribüne

Ich wusste, dass sich die Engländer für die Bundesliga und für das Drumherum begeistern. Spätestens seit Mai 2013 ist das vermutlich so, als der FC Bayern und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion das Finale um die Champions League ausspielten. Drumherum waren die englischen Medien voll mit Berichten über die Unterschiede zwischen dem Fußball in Deutschland und der Premier League. Dass mir bei jeder Gelegenheit vorgeschwärmt werden würde, dass die Bundesliga so viel toller sei als die englische Liga - damit hätte ich trotzdem nicht gerechnet.

Bayern-Dominanz, ein Brause-Klub, zersplitterte Spieltage - ja, und?

Doch die Begeisterung für den Fußball in Deutschland ist ziemlich oberflächlich, ziemlich naiv. Die Engländer wissen nur wenig darüber, dass der Titelkampf verödet wegen der Dominanz des FC Bayern, dass auch deutsche Zuschauer schon seit Jahren über immer höhere Eintrittspreise und die Zersplitterung der Spieltage klagen und dass die heilige 50+1-Regel ins Wanken geraten ist.

Vermutlich haben nur wenige Fans in England jemals von Hannovers Vereinspräsident Martin Kind gehört. Und eine Unterhaltung mit einem Mitspieler aus meiner Hobbymannschaft über ein neues und nicht überall beliebtes Mitglied der Bundesliga lief folgendermaßen ab:

Er: Warum haben so viele Fans in Deutschland ein Problem mit RB Leipzig?

Ich: Naja, weil das doch der Klub von Red Bull ist.

Er: Ja, und?

Dass viele Fans in England in ihrer Bewunderung für die Bundesliga solche Grautöne ausblenden, ist halb so wild. Nach diesem Muster funktioniert Idealisierung. Andersrum ist es ja genauso. Womit wir wieder am Anfang wären.

Ich bin in dem Glauben nach England gegangen, dass hier die beste Fußballliga der Welt zu Hause ist. Für diese Sichtweise gibt es natürlich immer noch gute Argumente. Doch wahr ist auch, dass die Premier League nicht nur Manchester City gegen Chelsea oder Manchester United gegen Arsenal ist - sondern auch sehr viel Bournemouth gegen Watford und West Brom gegen Stoke.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
aurichter 26.02.2018
1. Und was
ist jetzt an den beiden letzten Begegnungen so negativ, zumindest wenn man den Buchheister Gedanken weiterspinnt? Gerade diese Vereine sind es, die den Fußball, genau wie hier in DE, eben liebenswerter erhalten. Die großen Namen sind doch nur noch mit Unsummen verbunden und werden in den Medien hofiert. Siehe DE und den Spielberichten zu Bayern. Früher gingen u.a. Dienstagsspiele am TV Zuschauer vorbei, aktuell muss der FCB am Dienstag Ran und schon werden diese Freistaatspiele auch gezeigt! Bei anderen Deutschen CL Clubs gab es permanent Ausreden mit Verweis auf Übertragungsrechte. Sind es auf der Insel nicht auch gerade diese sechs Großkopfvereine, die auch permanent glorifiziert werden in Auslandsübertragungen? Dabei sind es eher die "kleinen" und eher armen Vereine, die den Charme in den Ligen ausmachen, hier St.Pauli, Freiburg, Werder bspw und in England West Brom, Burnley und Leicester.
HansPa 26.02.2018
2. Wie bitte?
Die Engländern bewundern die Bundesliga? Hier kann es dich nur um einen Scherz handeln. Die Engländer die ich kenne, interessieren sich nicht Bohne für unsere Liga. FCB gefühlt zehn mal hintereinander Meister. Zum Teil brumöder Fußball in der Liga Mitte und am Ende. Dazu noch international komplett abgehängt. Derzeit sind 5! englische Mannschaften in der Champions League. Bloß weil es hier DAB im Stadion gibt? Ist nicht euer euer Ernst oder?
Anonymus post Dionem 26.02.2018
3. Unsinn!
Zitat von aurichterist jetzt an den beiden letzten Begegnungen so negativ, zumindest wenn man den Buchheister Gedanken weiterspinnt? Gerade diese Vereine sind es, die den Fußball, genau wie hier in DE, eben liebenswerter erhalten. Die großen Namen sind doch nur noch mit Unsummen verbunden und werden in den Medien hofiert. Siehe DE und den Spielberichten zu Bayern. Früher gingen u.a. Dienstagsspiele am TV Zuschauer vorbei, aktuell muss der FCB am Dienstag Ran und schon werden diese Freistaatspiele auch gezeigt! Bei anderen Deutschen CL Clubs gab es permanent Ausreden mit Verweis auf Übertragungsrechte. Sind es auf der Insel nicht auch gerade diese sechs Großkopfvereine, die auch permanent glorifiziert werden in Auslandsübertragungen? Dabei sind es eher die "kleinen" und eher armen Vereine, die den Charme in den Ligen ausmachen, hier St.Pauli, Freiburg, Werder bspw und in England West Brom, Burnley und Leicester.
Dienstagsspiele der letzten Deutschen Mannschaft im Wettbewerb wurden schon immer gezeigt. Das hat überhaupt nichts mit Bayern zutun, aber hauptsache mal wieder Verschwörungstheorien verbreiten... Dabei machst du schon selbst den Hinweis mit den Übertragungsrechten. Das ZDF hat die Rechte an einem Spiel am Mittwoch, es sei den es ist nur noch eine deutsche Mannschaft im Rennen und diese spielt am Dienstag, dann dürfen sie dieses Spiel anstatt des Mittwochsspiels zeigen. Davon haben sie bisher immer Gebrauch gemacht!
1Piantao 26.02.2018
4.
Zitat von HansPaDie Engländern bewundern die Bundesliga? Hier kann es dich nur um einen Scherz handeln. Die Engländer die ich kenne, interessieren sich nicht Bohne für unsere Liga. FCB gefühlt zehn mal hintereinander Meister. Zum Teil brumöder Fußball in der Liga Mitte und am Ende. Dazu noch international komplett abgehängt. Derzeit sind 5! englische Mannschaften in der Champions League. Bloß weil es hier DAB im Stadion gibt? Ist nicht euer euer Ernst oder?
Guter Kommentar. Den Engländern gefällt wohl eher die Bratwurst und das Bier so wie der Artikel es suggeriert. In England lieben sie ja auch unsere typischen Weihnachtsmärkte mit Glühwein etcpp.
derdonster 26.02.2018
5. Qualität
Leider bezieht sich der Artikel nur auf die Atmosphäre im Stadion und die Eintrittspreise und diese mag in deutschland deutlich besser sein. Allerdings ist die fussballerische qualität in der Premier League auf einem ganz anderem Niveau als die Bundesliga und die Liga viel ausgeglichener. Seit ich seit ein paar Jahren regelmässig Premier League schaue, fühlen sich fast alle Bundesliga Spiele wie Zweitliga Spiele an, oder eben absolute dominanz der Bayern gegen chancenlose Gegner. dadurch ist es einfach extrem viel weniger unterhaltsam Bundesliga zu gucken.Die Premier League ist einfach mit Abstand die Beste und unterhaltsamste Liga der Welt. Ich wünschte mir die Bundesliga würde sich einiges im US Sport abschauen, es ist volkommen unverständlich, dass Erfolg belohnt wird durch die absurde aufteilung der Fernsehgelder usw., eine Umkehrung der Fernsehgelder (also aufsteiger kriegen am meisten, meister am wenigsten) wäre absolut überfällig und würde eine deutlich ausgeglichenere und spannender Bundesliga hervorbringen. Auch ein Salary Cap wäre sehr wünschenswert, allerdings müsste der weltweit durch die fifa eingeführt werden.
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