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Fußball-Wettskandal Ärzte und Köche sollen Spieler absichtlich geschwächt haben

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AP

Werbetafel für Wettbüro: "Ein Fall für die Abteilung Organisierte Kriminalität"

Die Vorwürfe im Fußball-Wettskandal werden immer drastischer. Ein Wettanbieter wurde offenbar tagelang im Keller eingesperrt, Ärzte und Köche sollen absichtlich Spieler vor manipulierten Partien außer Gefecht gesetzt haben. Das behauptet der Anwalt eines Verdächtigen.

Hamburg - Kein Tag vergeht, ohne dass neue haarsträubende Details im größten europäischen Wettskandal ans Licht gelangen. Laut Erkenntnissen der Ermittler soll es sogar Einwirkungen auf Mannschaftsärzte und Köche von Luxushotels gegeben haben, sagte Rechtsanwalt Burkhard Benecken nach Einsicht in die Ermittlungsunterlagen seines Mandanten. Benecken vertritt einen der Beschuldigten im Wettskandal. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum seien die Ärzte und Köche angewiesen worden, "einzelne Spieler im Sinne russischer Methoden zu vergiften, damit diese für einzelne Partien ausfallen", so Benecken.

Laut Ermittlungsakten sei die Wettaffäre ein Fall für die Abteilung Organisierte Kriminalität, da die Verdächtigen sich nicht wie andere Wettbetrüger zuvor darauf beschränkt hätten, mit List und Täuschung vorzugehen. Das entscheidende Kriterium dieses weltweiten Netzwerks sei die Gewalt. Man schrecke nicht mehr davor zurück, Leute in Keller einzusperren oder Spieler zu betäuben. Es seien zig Millionen Euro im Spiel, so dass auch Vermögenswerte verschleiert werden sollten.

Zu der Erkenntnis, dass die Täter offenbar vor der Anwendung von physischer und psychischer Gewalt nicht zurückschrecken, passt die Aussage eines verdächtigen Spielers. Der suspendierte Kicker des Regionalligisten SC Verl, dessen Partien gegen Borussia Mönchengladbach II (4:3) am 30. Mai 2009 und gegen den 1. FC Köln II (0:1) am 6. Juni 2009 unter Manipulationsverdacht stehen, hat am Donnerstag angekündigt, bei der Staatsanwaltschaft Bochum auszusagen.

"Er wird gegenüber den Bochumer Ermittlern alles sagen, was er weiß", sagte sein Anwalt dem "Westfalen-Blatt". Dabei gebe es allerdings "nicht so viel zu gestehen". Er sei in "diese Sache hineingedrückt worden". "Nach dem gewonnenen Spiel gegen Gladbach II ist mein Mandant von einer Person außerhalb des Vereins massiv psychisch unter Druck gesetzt worden", sagte der Anwalt des Verl-Spielers.

Wettanbieter vier Tage im Keller eingesperrt

Beneckens seit vergangenem Donnerstag in Untersuchungshaft sitzendem Mandanten wird erpresserischer Menschenraub und gewerbsmäßiger Bandenbetrug in acht Fällen vorgeworfen. Laut Ermittlungsakten soll der 30 Jahre alte Mann aus Herten eine der zentralen Figuren der europaweit tätigen Wettmafia sein. Er soll bei Manipulationen entscheidenden Druck ausgeübt haben.

Ein weiterer Beschuldigter habe diese veranlasst. Der Mann, der in Nürnberg und Umgebung in Wettbüros und Gastronomiebetrieben Wettautomaten aufgestellt haben soll, habe den Draht in die Spielerkreise gehabt. Seinem Mandanten wird darüber hinaus nach Aussage Beneckens zur Last gelegt, Rechtsanwälte von anderen Beschuldigten und Geschädigten bezahlt zu haben, damit diese keine oder gewünschte Aussagen machen.

Der Hertener soll mit sechs anderen Verdächtigen auf manipulierte Partien in der Schweiz, Belgien, Türkei, Slowenien und Kroatien gewettet haben. Dabei habe C. einen Gewinn von 990.275 Euro gemacht. Des Weiteren werde ihm nach Aussage Beneckens vorgeworfen, "dass er im Juni 2008 einen Wettanbieter aus Nürnberg verschleppt und drei bis vier Tage in einem Keller in Herten eingesperrt habe, mit der Intention, von dieser Person 100.000 Euro Wettschulden zu bekommen". Der Anwalt erklärte, man wolle diese Vorwürfe unbedingt entkräften, sein Mandant habe bei Wetten insgesamt mehr verloren als gewonnen.

1500 Euro und Fußballschuh beschlagnahmt

Bei einer Hausdurchsuchung in Bremen hat die Polizei unterdessen 1500 Euro konfisziert, die anscheinend als Bestechungsgeld bei einem Fußball-Regionalligaspiel eingesetzt werden sollten. Das Bargeld war nach Polizeiangaben in einem Fußballschuh versteckt. Die Polizeikräfte waren im Zusammenhang mit dem Bestechungsversuch im Vorfeld des Regionalligaspiels Goslarer SC und dem SV Wilhelmshaven (2:2) vergangenen Samstag aktiv geworden. Eine Verbindung zu dem europaweiten Wettskandal konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Die Bremer Polizei formulierte nach der Hausdurchsuchung in der Pressemitteilung: "Auch das Geld und der Schuh, laut Zertifikat ein getragener Originalfußballschuh eines Bundesliga-Stars, wurden zum Entsetzen des Fußballfans beschlagnahmt." Drei Computer, diverse Datenträger und ein Mobiltelefon wurden ebenfalls beschlagnahmt.

Goslars Torwart waren 1500 Euro von einem Mann aus Bremen geboten worden. Diese Summe sollte gezahlt werden, wenn Goslar das Heimspiel gegen Wilhelmshaven verliert. Der Keeper informierte seinen Trainer. Daraufhin wurden die Polizei, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Regionalverband unterrichtet. Das Kennzeichen des Mietwagens des Bremers war notiert worden, so konnte die Polizei den Verdächtigen aufspüren.

mig/sid/dpa

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insgesamt 417 Beiträge
nil75 20.11.2009
sie meinen nach der politik und der finanzwelt nun auch der sport?
Zitat von sysopVerliert der Sport endgültig seine Glaubwürdigkeit?
sie meinen nach der politik und der finanzwelt nun auch der sport?
baloo64 20.11.2009
Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung [...]
Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
Iggy Rock 20.11.2009
Leider richtig, außer beim privaten Amateursport, wo Bewegung zählt und keine "scheinbare" Spitzenleistung.
Zitat von baloo64Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
Leider richtig, außer beim privaten Amateursport, wo Bewegung zählt und keine "scheinbare" Spitzenleistung.
Darjaan 20.11.2009
So glaubwürdig wie die Fans die ihn konsumieren. Wer sein Geld immer noch für Fanartikel, überteuerte Eintrittskarten, besonders in der F1, aber auch Tennis, oder für Fußballspiele ausgibt, wo die Sportler Millionen verdienen [...]
Zitat von baloo64Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch?
So glaubwürdig wie die Fans die ihn konsumieren. Wer sein Geld immer noch für Fanartikel, überteuerte Eintrittskarten, besonders in der F1, aber auch Tennis, oder für Fußballspiele ausgibt, wo die Sportler Millionen verdienen obwohl sie schon ohne soviel Geld genug Privilegien genießen und ihr Hobby zum Beruf machen durften, der hat es nicht anders verdient als betrogen zu werden. Man kennt die Probleme seit Jahrzehnten, ist aber nicht bereit die Konsequenzen zu ziehen und mal 1 Jahr nicht ins Stadion zu rennen. Kann ich kein Mitleid mit haben und ich lache nur noch darüber, über den "Sport" und seine dummen Fans. Der Sport ist nur das Spiegelbild dessen, mit dem wir uns zufrieden geben. Viel Spaß weiterhin, wenn unsere millionenschwere Hoppel-Häschen-Fußballnationalelf, mit ihrem ganzen überteuertem Psychologen und Medizinerstab, und ihren "highteck" Trainings, gegen eien Entwicklungsland so gerade ein Unentschieden herausholen. Dieser ganze Wahn gehört abserviert und diese Primadonnen sollen wieder für einen Facharbeiterlohn spielen Ich lach mich wirklich schlapp. Diese ganze Jammerei über unsauberen Sport ist so unglaublich, als jammerte man dass man im Spielcasino Geld verloren hat, ohe zu vergessen dass das schon fast das Gleiche ist. Irgendwann wir auch diese hyperkommerzielle "Sortblase" platzen. Dauert beim Fußball halt was länger weil Fußballfans im Durchschnitt ein paar kognitive Defizite mehr haben als der Rest.
taiga 20.11.2009
Wenn selbst aktuelle Spiele der Champions League involviert sind, bekommt das Ausscheiden des FCB mit einem Mal sogar einen positiven Beigeschmack ;) Ich verstehe im Übrigen nicht ganz, wie man diesem "Sport" noch so [...]
Wenn selbst aktuelle Spiele der Champions League involviert sind, bekommt das Ausscheiden des FCB mit einem Mal sogar einen positiven Beigeschmack ;) Ich verstehe im Übrigen nicht ganz, wie man diesem "Sport" noch so viel Herzblut opfern kann. Interesse, OK – aber diese Massenbegeisterung? Das kommt mir vor wie unsere Währung, die ebenfalls durch NICHTS mehr gedeckt ist.
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Partien sollen manipuliert worden sein...
- 4 in der Zweiten Liga
- 3 in der Dritten Liga
- 18 in den Regionalligen
- 5 in den Oberligen
- 2 der U19-Mannschaft

Manipulationsskandale im Fußball
Vor dem Landgericht Bochum beginnt im August der erste Prozess im Zusammenhang mit den Spielmanipulationen. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, 370.000 Euro aufgewendet zu haben, um Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Funktionäre zu bestechen und anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Zwei der Angeklagten zeigten sich teilgeständig. Der Prozess ist nur der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Es geht in Bochum lediglich um 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz.

Vor einer anderen Institution gibt es bereits eine Entscheidung: Der ehemalige Osnabrücker Zweitligaspieler Marcel Schuon wurde vom DFB-Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Jahren und neun Monaten belegt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schuon sich bereit erklärt hat, Spiele zu manipulieren.





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