Hamburg - Die Verwicklungen von Marcel Schuon in den Wettskandal lösten bei dessen ehemaligem Club VfL Osnabrück Entsetzen aus. "Durch den Abstieg haben wir fünf Millionen Euro weniger Etat, mussten deshalb Mitarbeiter entlassen", sagte VfL-Manager Lothar Gans über die Auswirkungen des Abstiegs in die 3. Liga. "Der Verein ist aber auch im Image-Bereich geschädigt. Wir sind Opfer und nicht Täter", so Gans. Schuon war am Montag wegen seiner Verwicklung in den Wettskandal vom Drittligisten SV Sandhausen gekündigt worden. Bis zum Ende der vergangenen Saison hatte er beim VfL gespielt.
In einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft Bochum hatte er eingeräumt, gegen den Erlass früherer Wettschulden eine Manipulationsabsprache getroffen zu haben. Jedoch sei es letztlich nicht zu einer Manipulation gekommen. Osnabrücks damaliger Trainer Claus-Dieter Wollitz reagierte emotional auf das Teilgeständnis seines früheren Spielers: "Das reißt mir glatt die Füße weg. Wenn wir dringeblieben wären, hätte ich mit dem VfL noch viel erreichen können. Es tut so weh, all diese schrecklichen Dinge zu hören", sagte Wollitz der "Hamburger Morgenpost".
Im Rückblick sieht Wollitz sogar Anhaltspunkte für eine Manipulation Schuons: "Wahnsinn, jetzt habe ich diese Spiele alle noch mal vor Augen. Ich glaube, dass Schuon in Augsburg sogar ein Mal auf das eigene Tor schoss. Der hatte den Kopf nicht frei - in einem so wichtigen Spiel. Allein das ist doch schon ausreichend. Es gibt nichts Schlimmeres."
Beim SV Sandhausen ist man unterdess "froh und erleichtert" über die Trennung von Schuon. Das bestätigte Sandhausens Trainer Gerd Dais dem "Mannheimer Morgen". "Dieser Schritt war folgerichtig", sagte Dais. "Wir haben Marcel als Kopf unserer Viererkette verpflichtet. Dass wir uns von ihm trennen, tut sportlich weh, ist aber nicht zu ändern. Ich bin andererseits froh und erleichtert, dass das Thema für unseren Verein nun durch ist", so Dais.
Suspendierter Verler Kapitän fürchtet sich vor Wettmafia
Bei einem weiteren Verdächtigen im Wettskandal, dem suspendierten Kapitän des SC Verl, Patrick Neumann, wurde eine Entscheidung über seine Zukunft vertagt. "Nein, es gibt noch nichts. Und vor Ende dieser Woche ganz bestimmt nicht", sagte der SC-Vorsitzende Peter Mankartz am Dienstag. Nach Angaben von Rechtsbeistand Lutz Klose sind weitere Aussagen des Spielers zum Wettskandal denkbar.
Währenddessen fürchtet Neumann Racheakte der Wettmafia. Er halte sich derzeit an einem unbekannten Ort versteckt, bestätigte Klose dem "Kölner Stadtanzeiger". "Patrick geriet in Furcht und Panik. Er kann die Kontaktmänner identifizieren", sagte Klose, "diesmal wurde nicht nur mit List und Schmiergeld, sondern auch mit Einschüchterung und Gewalt agiert."
Beim Drittligisten SV Wacker Burghausen bestreitet man jegliche Verbindung zum Wettskandal. "Wir sind völlig überrascht, weil sich diese Thematik überhaupt nicht abgezeichnet hat", sagte Geschäftsführer Florian Hahn am Dienstag. Der Club war von einem Zeugen des Wettskandals im ARD-Magazin "Fakt" in Zusammenhang mit den Manipulationen gebracht worden. Demnach seien im Zweitliga-Abstiegskampf der Saison 2006/2007 mehrere Partien verschoben gewesen. Burghausen stieg damals ab. Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte allerdings, dass die geäußerten Vorwürfe "nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens" seien.
Gefängnisstrafen gegen Wettbetrüger könnten abschreckend wirken
Einen Appell zur Änderung der rechtlichen Zustände, um Manipulationen zu verhindern, kommt von Grünen-Politiker Winfried Hermann. "Dem Staat sind die Hände gebunden. Sie könnten morgen einen Schiedsrichter bestechen, damit der für ihren Lieblingsverein pfeift, aber passieren würde ihnen strafrechtlich nichts. Das ist eine große Lücke, die wir füllen müssen", sagte Hermann der "Stuttgarter Zeitung".
Der 57-Jährige fordert deshalb ein Gesetz gegen Sportbetrug, das auch Gefängnisstrafen gegen Wettbetrüger beinhaltet. "Ein Gesetz dient immer auch der Abschreckung. Und wenn Sportler und vor allem die Netzwerke dahinter, Ärzte, Funktionäre, und so weiter, Angst haben müssen, ins Gefängnis zu wandern, dann hilft das. Deshalb wäre ein Gesetz gegen Sportbetrug ein wichtiger Schritt", so Hermann.
met/sid/dpa
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