Fußball-WM 2014 Fifa verärgert Brasilianer mit peinlichem Ratgeber

"Unpünktlich", "ungeduldig", "chaotisch": Der Fußball-Weltverband Fifa lässt in einem Touristenratgeber über Brasilien kein Klischee aus. Nach heftiger Kritik des WM-Gastgebers nahm der Verband die Broschüre jetzt aus dem Netz.

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Hamburg - Der Fußball-Weltverband sorgt beim WM-Gastgeber Brasilien für Ärger - und das nicht zum ersten Mal. Vor zwei Jahren hatte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke angesichts der schleppenden Fortschritte bei den Stadien gesagt, das Land brauche "einen Tritt in den Hintern". Nun ließ der Verband erneut durchblicken, wie klischeebehaftet seine Sicht auf Brasilien ist. Die Fifa stellte einen Online-Reiseführer für WM-Touristen ins Internet. Der Tenor: Brasilianer sind ungeduldig, unpünktlich und chaotisch.

Im Gastgeberland der Fußball-WM (12. Juni bis 13. Juli) stieß die Online-Broschüre auf Entrüstung. Viele Brasilianer fühlten sich verhöhnt. Ihnen stießen vor allem Passagen wie diese negativ auf: "Pünktlichkeit ist in Brasilien nicht gerade eine Wissenschaft", "Brasilianer bevorzugen ein kultiviertes Chaos" und "Geduldig Schlangestehen liegt nicht in ihrer DNA".

Der Titel des Ratgebers: "10 Tipps zur Vermeidung kultureller Missverständnisse". Angesichts der plumpen Klischees, die transportiert werden, wirkt das ungewollt komisch. Immerhin: Nach der heftigen Kritik aus Brasilien hat die Fifa den Ratgeber aus dem Netz genommen. "Das Ziel war, die entspannte Lebensweise in Brasilien darzustellen", teilte der Verband mit. "Das Material sollte Fröhlichkeit vermitteln und überhaupt keine Kritik an Brasilien sein."

Adidas musste Produktion sexistischer T-Shirts stoppen

Die Fifa reiht sich mit dem peinlichen Ratgeber bei Hauptsponsor Adidas ein. Der Sportartikelhersteller hatte zuletzt für Unmut bei den Brasilianern gesorgt - wegen der Produktion sexistischer T-Shirts für die WM. Eines der Shirts zeigt eine Frau im Bikini vor dem Hintergrund des Zuckerhuts. Darüber stand der Spruch "Lookin' to score", was sowohl als Anspielung auf ein Tor beim Fußball als auch auf sexuellen Kontakt zu verstehen ist. Auf dem zweiten T-Shirt prangte der Slogan "I love Brazil" in Verbindung mit einem Herz, das zugleich einen weiblichen Po darstellte.

Das brasilianische Fremdenverkehrsamt forderte Adidas auf, die T-Shirts aus dem Sortiment zu nehmen. Die Behörden hätten es schwer genug, gegen Sextourismus im Land vorzugehen, sagte ein Sprecher. Adidas versprach, den Verkauf der Shirts zu stoppen.

cte/sid/AFP

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
Greetings 23.03.2014
1.
Nicht mal das kann die FIFA. Kulturell voll daneben formuliert.
M. Michaelis 23.03.2014
2.
Was heisst hier Klischees ?
nightcab 23.03.2014
3. Grundeis
Der FIFA geht ob der überschaubaren Fortschritte und der Situation im Land so langsam der Hintern auf Grundeis. Nichts anders zeigen solche Aktionen.
don_politicus 23.03.2014
4. Ein Ratgeber...
...der Verhaltensweisen der Einwohnerinnen und Einwohner eines Landes transportieren möchte kann doch nur selektiv und plakativ sein. Versteh das Tamtam jetzt nicht. Wenn alle potentiellen Merkmale der Stichprobengruppe aufgeführt würden wäre die Informationsdichte zwar hoch - aber dann brauch ich ja auch keinen Ratgeber, der die wichtigsten Fakten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit des Vorfindens zusammenträgt (im Artikel wurde diese Vorgehensweise "Klischee" genannt).
matthias_b. 23.03.2014
5. Peinlich
Peinlich ist nicht der Ratgeber, sondern dieser Artikel und die Reaktion der Brasilianer. Wer schon einmal in Brasilien war, wird wissen, dass der Ratgeber in den zitierten Passagen noch freundlich zurückhaltend war. Aber solche Tatsachen dürfen 2014 nicht mehr ausgesprochen werden.
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