Brasilianische Spielmacher Die verfluchte Zehn

Von , , und Cordt Schnibben

1. Kapitel: Der müde König


1. Kapitel
Der müde König

"Die Brasilianer verehren Pelé. Garrincha aber lieben sie", sagt Juca Kfouri, der berühmteste brasilianische Fußballreporter. Kfouri, 64, wohnt in einem Penthouse über São Paulo und erklärt der Welt den brasilianischen Fußball. Er hat immer noch volle, dunkle Locken, raucht aber nur noch eine Zigarre pro Tag. Höchstens zwei.

Er hat Pelé das erste Mal spielen sehen, als er zehn war. Es war ein Länderspiel gegen die verdammten Argentinier, und Brasilien gewann 5:1. Es wurde Kfouris Erweckungserlebnis. Er wurde Sportreporter, Chefredakteur, Experte, eine Berühmtheit. Irgendwann lernte er Pelé kennen. Sie wurden Freunde. Pelé schenkte ihm eine Uhr.

"Hol mal die Uhr, Rita", ruft Juca Kfouri seiner Assistentin zu.

Rita bringt die Uhr.

"Für meinen Bruder mit großem Dank, Dein Bruder Edson-Pelé", steht auf der Uhr. Sie ist ein Unikat. Kfouri streicht mit dem Daumen über die Gravur. Als der Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso einen Sportminister suchte, riet ihm Kfouri: Nimm Pelé. Pelé war kein schlechter Minister, er wollte die Korruption im brasilianischen Fußball bekämpfen, aber irgendwann um die Jahrtausendwende, so sagt Kfouri, machte er einen Deal mit dem Fußballverband und Nike. Das verzeiht er ihm nie. Als Pelé ihn fragte, ob er seine Autobiografie schreiben wolle, sagte Kfouri Nein.

Beethoven am Ball

Seitdem haben sie kaum noch Kontakt. Vor ein paar Jahren hat Pelé ihm einen Brief geschrieben, den Rita bringt. Er ist in Plastikfolie geschweißt. Brüder streiten sich manchmal, schreibt Pelé, aus Eifersucht. Und aus Liebe. Einige vergeben sich, andere nicht. Dann beschwert er sich noch, dass Kfouri nie was zu den Liedern gesagt hat, die er ihm schickte. Lieder, die Pelé selbst geschrieben hatte.

"Er sieht sich in einer Reihe mit Beethoven und Picasso", sagt Kfouri. "Und er redet ständig mit Gott. Er hat den Kontakt zum wirklichen Leben verloren."

Kfouri ist umgeben von Dingen, die ihn an Pelé erinnern. Er fühlt sich keinem Fußballer so nah wie ihm. Aber seit ihrem Streit ist ihm aufgefallen, dass Pelé sich immer schon mit den Mächtigen arrangiert hat.

"Er war Teil des politischen Systems", sagt Kfouri. "Auch in den Zeiten der Diktatur. Sie haben ihn benutzt. Die Generäle haben ihn mehr oder weniger verpflichtet, zur Weltmeisterschaft nach Mexiko zu fahren. Pelé hatte eigentlich bereits aufgehört. Und dann hat ihn die Präsidentin zum WM-Botschafter gemacht, damit sie nicht mit dem Organisationschef reden musste, der ein Kollaborateur der Diktatoren war. Pelé ist ein Werkzeug. Das spüren die Leute. Er wird in der Welt mehr verehrt als in Brasilien."

Zu Stein erstarrt

Die WM in Mexiko sei seine schwerste gewesen, sagt Pelé. "1970 hatte ich mein höchstes Niveau erreicht, und da wir eine großartige Mannschaft hatten, erwarteten alle, dass wir gewinnen. Das brachte mich zum Zittern. Die politische Situation in Brasilien war nicht gut, und wir spürten, dass wir Weltmeister werden mussten." Noch heute ergreifen ihn die Bilder von 1970. "Wenn ich nicht darauf vorbereitet bin, weine ich. Wenn ich diese Spieler sehe und die Leute, wie sie mich auf Schultern tragen, werde ich emotional."

Wer jene drei Orte besucht, die Pelé im Herzen trägt, fühlt, dass er bereits eine historische Figur ist, zu Stein erstarrt. Der Mann hinter dem Namen lebt zwar noch, kann aber nichts mehr ändern.

Sein Name steht auf dem Ortseingangsschild seiner Heimatstadt. Mitten im Zentrum gibt es ein Denkmal. Ein Junge reckt den Weltpokal in die Höhe. An den Seiten: Plaketten mit den Namen der drei Weltmeistermannschaften. 1958, 1962, 1970. Ein paar Ecken weiter steht sein Geburtshaus. Die Straße heißt heute Rua Edson Arantes do Nascimento. So wie Pelé. Es gibt sein Babybett, seine erste Strickjacke, die Küche, den Esstisch, Familienfotos, ein Bild der Fußballmannschaft seines Vaters. Im Garten steht ein Denkmal: Pelés Mutter Dona Celeste sitzt im Schatten eines Baumes. Sie ist schwanger. Mit Pelé. Ihr Bauch hat die Form eines Fußballs.

Ein schwarzes Kind

Beim FC Santos gibt es Führungen bis in die Umkleidekabine. Pelés Spind ist nach seinem letzten Spiel versiegelt worden. Leute in Pelé-Trikot stehen vor der schmalen Holztür wie vor der Himmelspforte. Oben unterm Dach gibt es eine Ehrenloge für Pelé, sein Platz bleibt immer frei. Aber Pelé ist kaum da.

Pelés Aufstieg war Ende der fünfziger Jahre auch deshalb ein gesellschaftliches Ereignis, weil er schwarz war und ein Kind aus der Provinz. Einen Lederball konnte sich die Familie nicht leisten, Pelé übte mit gefüllten Socken und Grapefruits. Er verkaufte lieber Erdnüsse oder putzte Schuhe, als zur Schule zu gehen. Seine Tränen nach dem WM-Sieg in Stockholm wurden gesehen als Triumph eines Kindes, das sich aus dem Elend emporgeschossen hatte. In seinem neuen Buch schreibt Pelé: "Wir wussten nie, ob wir am nächsten Tag etwas zu essen haben würden. Und die Angst habe ich manchmal heute noch."

"Alle fragen mich, ob es schwierig war, mit 17 eine WM zu spielen, doch ich schwöre: Damals wollte ich einfach nur in dieser Mannschaft sein. Ich erinnere mich, wie ich mit meinem Vater sprechen wollte, um ihm zu sagen, dass wir die WM gewonnen hatten - und wir mussten in Schweden zu einem Hauptbahnhof gehen! Ich sagte zu ihm: "Papa, wir haben die WM gewonnen. Hast du es gesehen?" Und er antwortete: "Nicht gesehen, aber gehört!" Es ist ein riesiger Unterschied. Heute schießen die Spieler ein Tor und verschicken Handküsse über die Kameras."

Auf dem Mond

Ein paar Wochen bevor die Weltmeisterschaft beginnt, wird Pelé auf Long Island zum Doktor gemacht. Er hat bereits die Ehrendoktorwürde der Universität von Edinburgh, jetzt kommt die der Hofstra University hinzu.

Im Theatersaal der Universität warten Leute in Abendgarderobe auf den Ehrengast. Ein Streichquartett spielt, die Klimaanlage bläst. Nach einer Dreiviertelstunde sagt jemand: "Pelé verspätet sich. Wir zeigen seine schönsten Tore."

Auf der Leinwand laufen alte Filmaufnahmen in Schwarz-Weiß. Einige sehen aus, als würden sie bald zerfallen. Wie Bilder von Fußballspielen auf dem Mond, auch was das Tempo angeht. Man sieht einen Jungen durch Abwehrreihen tanzen wie einen jungen Hund. Alle neben ihm wirken hüftsteif, atemlos und alt. In einer Szene tunnelt er Franz Beckenbauer, in einer anderen spielt er einen Doppelpass mit seinem Gegenspieler, er schießt ihn an wie eine Wand. Der Ball klebt ihm am Fuß, er läuft mit ihm in eine Traube von Abwehrspielern und hat ihn auf der anderen Seite der Mauer immer noch.

Pelé
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Fans beim Abschiedsspiel von Pele in New York

Pelé
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Pele im WM-Finale 1958

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Pele bei der WM 1966 in England

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Pele im Freundschaftsspiel zwischen dem FC Santos und München 1860 (9:1)

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Pele bei der WM 1962 in Chile

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Pele bei der WM 1970 in Mexiko

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Pele als Spieler von Cosmos New York 1977

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Muhammad Ali beim Abschiedspiel von Pele 1977

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Pele mit Franz Beckenbauer 1977

Pelé war schneller als seine Gegner (11 Sekunden auf 100 Meter) und sprang höher als die meisten. So bemerkenswert wie seine technischen Fertigkeiten war sein taktisches Gespür: Er konnte ähnlich viele Positionen spielen wie heute Messi, mal überraschte er als Strafraumdribbler, mal als Mittelstürmer, mal als zurückhängender Spielmacher. "Falsche Neun", eigentlich war das immer mehr seine Funktion der Zehn, je länger er spielte.

Die Menschen im Saal warten anderthalb Stunden auf dieses Wunderkind, ohne zu murren. Als Pelé hereingeführt wird, stehen sie auf und klatschen. Er trägt ein violettes Gewand. Stuart Rabinowitz, Präsident der Universität, spricht die Laudatio. Er würdigt die sozialen, kulturellen und ökonomischen Verdienste Pelés.

Dann bittet er "Doktor Pelé" ans Podium. Es wird an diesem Abend noch oft von "Doktor Pelé" die Rede sein. Es klingt immer ein wenig belustigt, so als bestaunte man einen sprechenden Hund.

Preis einer Legende

Pelé humpelt ans Mikrofon, vor Kurzem hatte er eine Hüftoperation. Er entschuldigt sich für sein Englisch. Er bedankt sich bei Gott. Er erwähnt seine Familie und seine drei WM-Titel. Er sagt: "Pelé ist ein guter Freund. Ich könnte euch den ganzen Abend Geschichten von meinem Freund Pelé erzählen."

Das klingt rätselhaft und ein bisschen unheimlich, macht aber nichts. Die Menschen im Saal jubeln. Pelé könnte dazu aufrufen, die Sklaverei wieder einzuführen. Sie würden klatschen. Es ist der Preis einer Legende. Sie wird nicht mehr ernst genommen. Man kann heute das sagen und morgen das. Pelé wird oft eingeladen, um irgendetwas einzuweihen, auszulosen oder entgegenzunehmen, und manchmal wird er etwas gefragt. Zuletzt sollte er sich zu den weltweiten Solidaritätsbekundungen für den Fußballer Dani Alves äußern, der bei einem Spiel von einem rassistischen Fan mit einer Banane beworfen wurde. Pelé fand, dass darum viel zu viel Wind gemacht werde.

"Zu meiner Zeit haben sie mit ganz anderen Sachen geworfen. Unter anderem mit Stachelannonen", sagte er.

In Deutschland wurde das pflichtgemäß vermeldet, mit der Ergänzung, dass die Stachelannone eine südamerikanische Pflanze mit stacheligen Früchten ist, die bei uns auch Sauersack genannt wird.

Interview für 2500 Dollar

Ein Fernsehinterview mit Pelé soll 50.000 Dollar kosten. Bereits für 2500 Dollar kann sich der Fragesteller filmen und später mit Pelé zusammenschneiden lassen. Für schreibende Journalisten gibt es die Möglichkeit, fünf Fragen an eine PR-Firma zu schicken und auf eine Datei mit Pelés Antworten zu warten. Dieses Angebot gibt es schon ab 250 Dollar. Ein Schnäppchen.

Das sind die Fragen:

Findet in Brasilien die letzte klassische Fußballweltmeisterschaft statt?

Werden die Bürger seines Landes die Weltbühne für große Proteste nutzen?

Ist Pelé inzwischen mehr Amerikaner als Brasilianer?

Er schreibt ja auch Lieder. Was ist das beste Lied, das er jemals komponiert hat?

Werden die im Bau befindlichen Stadien und Pelé-Museen bis zur WM fertig?

Peter Pan des Balls

Nach einer Woche kommen die Antworten als Videodatei. Pelé, 73, sitzt in dem Video vor einer blauen Wand, er sieht müde aus und hat ein Buch in der Hand. Dann beginnt er zu sprechen. Er sagt: Die WM ist nicht nur für Brasilien wichtig, sondern für die ganze Welt. Fußball ist Fußball. Politik ist Politik. Fußball ist eine Weltfamilie, alle spielen Fußball. Russland ist erfahren und weiß, was es tut. Ich zähle nicht die Tage. Ich reise viel, ich lebe praktisch im Flugzeug. Ich danke Gott für das Geschenk, Fußball spielen zu können. Musik ist Freizeit. Manchmal sage ich aber auch, scherzhaft, es ist andersrum. Wenn Gott mich lässt, werde ich es erleben. Pelé wird eines Tages gehen, die Erinnerung bleibt.

Am Ende lacht er kurz, dann geht das Licht aus.

Das Interessante ist: Man kann Fragen und Antworten wahllos mischen, ohne einen Unterschied zu bemerken. Vielleicht ist es ein Prinzip der Unverbindlichkeit. Vielleicht ist es aber auch das, was übrig geblieben ist. Fußball ist Fußball. Die Quintessenz seiner Lebenserzählung. Das Leben ist schön. Pelé ist vor 37 Jahren zurückgetreten, möchte aber immer weiterspielen. Seine kindliche Begeisterung ist ungebrochen. Er hat seit 58 Jahren denselben Friseur. Er will sich von Problemen nicht den Spaß verderben lassen. Pelé ist der Peter Pan des Weltfußballs.

Legends 10

Gerade hat er ein neues Buch veröffentlicht, es heißt: "Warum Fußball wichtig ist." Auf dem Buchumschlag sieht er aus wie Ende dreißig.

Die Buchpräsentation findet in New York statt, bei Barnes&Noble auf der Fifth Avenue. Auf der Straße warten Fans und Reporter, aber Pelé kommt durch die Tiefgarage. Es ist seit Jahren sein Weg in die Öffentlichkeit. Irgendwo auf der Welt öffnen sich Fahrstuhltüren, und Pelé knipst sein Lächeln an.

Die Türen öffnen sich im zweiten Stock des Buchkaufhauses, links und rechts neben Pelé stehen zwei Manager der Agentur Legends 10. Die Agentur sitzt in einer großen, gläsernen Suite am Times Square, hat Dependancen in Europa und Südamerika, aber nur einen Klienten. Pelé. An den Schreibtischen des New Yorker Hauptquartiers sitzen junge, schöne Menschen verschiedener Hautfarben, die aussehen, als wären sie für ein Broadway-Musical gecastet worden, an den Wänden hängen große Schwarz-Weiß-Porträts von Pelé. Die 10 in Legends 10 steht für Pelés Rückennummer. Seine beiden Begleiter könnten Pelés Enkel sein, verhalten sich aber wie seine Eltern. Sie steuern ihn zwischen den Bücherregalen hindurch.

Drei-Dollar-Sandwiches

Dann zerren sie ihn weg an den Signiertisch. Pelé sitzt da für zwei Stunden und schreibt mit dickem Filzstift seinen Namenskringel in die Bücher. Es sieht eher aus wie das Logo eines Produkts als wie eine Unterschrift, was kein Zufall ist. Pelé ist zu einer Marke geworden. Sie steht für Brasilien, für Aufstieg, Lebensfreude, Leichtigkeit. Damit kann man alles bewerben. Politik und Produkte. Sein Land hat ihn zum Sonderbotschafter der Fußballweltmeisterschaft gemacht, seine Agentur zum Markenbotschafter für Coca-Cola. Für Santander. Für Emirates. Für Carrefour, Vivo, Volkswagen und Procter&Gamble.

Pelé war der erste Fußballstar, der rund um die Erde verehrt wurde, der eine Massenhysterie auslösen konnte - und der früh anfing, diese Verehrung in Geld zu verwandeln.

Vor einigen Wochen war er in Rio de Janeiro, um ein Geschäft der Schweizer Uhrenfirma Hublot zu eröffnen. Er kam direkt aus New York, wo er gerade einen Auftritt für die Fast-Food-Kette Subway hatte. Pelé macht ja alles, Luxusuhren und Drei-Dollar-Sandwiches.

Die Firma Hublot will Südamerika erobern. Ihr erster Laden liegt in einer Shoppingmall in São Conrado, am Rande der Stadt, genau neben einer der größten Favelas. Die heißt Rocinha und klebt am Berg wie ein Wespennest. Über 80.000 Menschen sollen hier leben. Die Mall ist vor ihnen gesichert wie die Bank von England.

Schwere Lider

Eine knappe Stunde später als angekündigt hinkt Pelé auf den roten Teppich. Er hatte eine Hüftoperation und setzt jeden Schritt so vorsichtig, als beträte er dünnes Eis.

Würde er denn den Anstoß zur Weltmeisterschaft schaffen?

Pelé sagt: "Wenn ich mit rechts nicht schießen kann, schieße ich mit links. Und wenn beide Beine nicht mehr wollen, köpfe ich die WM an."

Von hinten nähert sich ein dicker Mann, mit schütterem, etwas zu langem Haar. Der Hublot-Chef. Er hat die Pelé-Uhr dabei. Sie hat einen kleinen Fußball auf dem Ziffernblatt und kostet etwa 20000 Dollar. Hublot ist auch der offizielle Zeitnehmer der WM. Pelé verschwindet kurz im Geschäft, sein lachender Kopf im Schaufenster. Er hält die Uhr wie ein Lehrling.

Nur Fragen zur Uhr, sagt das Management von Legends 10.

Die Journalisten nicken, vielleicht sind es gar keine richtigen Journalisten.

Einer fragt: "Ist denn Hublot mit dieser Uhr schon Weltmeister?"

Pelé lächelt und sagt: "Ich hoffe." Der Hublot-Chef schaut ihn an wie ein Kind, das sein Weihnachtsgedicht aufsagt. Pelés Lider senken sich, sie hängen schwer über den Augen. Er knickt die Hüfte ein, das Stehen fällt schwer. Er lächelt, als habe er Schmerzen. Er dankt Gott dafür, dass er hier sein kann. "Bei meiner Mannschaft."

Nicht stolz auf das Land

Dann schieben ihn die Manager in Richtung Tiefgarage. Ein Kamerateam verfolgt ihn, die Reporterin hat lange blonde Haare. "Pelé!", ruft sie. "Pelé!" Das Management schubst, aber Pelé bleibt stehen. Er ist ein höflicher Mann. Die Reporterin fragt nicht nach der Uhr. Pelé sagt, dass ihn der Zustand der Stadien beunruhige. Aber man solle Politik und Fußball voneinander trennen. "Brasilien hat zwei wichtige Ereignisse vor sich. Die WM und Olympia. Bitte macht diese Momente nicht kaputt."

Einer der Legends-10-Leute sagt zum anderen: We gotta move him. So als wäre Pelé ein Möbelstück. Pelé sagt noch: "Lasst den Fußball Fußball sein." Dann bewegen sie ihn weiter. In den nächsten Tagen wird er im Auftrag von Coca-Cola nach Kairo fliegen.

Am Ende steht nur noch ein großer schlanker Mann auf dem Teppich. Das ist Gustavo Kuerten, der berühmteste brasilianische Tennisspieler. Er hat dreimal die French Open gewonnen. Er ist ebenfalls Markenbotschafter von Hublot, aber er hat keine Lust, nur über Uhren zu reden.

"Pelé ist ein Held. Er hat seine Meinung, die ich respektiere. Ich habe meine", sagt Gustavo Kuerten.

"Die Zeit, in der man Brasilianer mit Fußball beruhigen konnte, ist vorbei. Unserer Regierung kann und darf man nicht vertrauen. Sie ist korrupt, selbstsüchtig, unzuverlässig. Brasiliens Wirtschaft hat in den letzten Jahren viel Geld verdient, aber der öffentliche Transport, das Gesundheitswesen und die Bildung liegen am Boden. Die Menschen haben den Confed Cup genutzt, um auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. Sie werden das bei der WM fortsetzen. Und ich begrüße das. Als Brasilianer kann man nicht stolz sein auf sein Land."



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