Deutscher Dreifach-Torschütze Müller will noch mehr

Es war das Spiel des Thomas Müller. Der Münchner hat mit seinem Dreierpack fast im Alleingang den Auftaktsieg der DFB-Elf gegen Portugal besorgt. Für Müller war der Start jedoch nur "ganz gut".

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Aus Salvador berichten und


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Der Star des Spiels hätte jeden Grund gehabt abzuheben, sich in der Euphorie einfach fallen zu lassen. Thomas Müller hatte beim 4:0-Triumph über Portugal drei Tore erzielt, es waren seine WM-Treffer sechs, sieben und acht. Er steht jetzt in einer Reihe mit Rudi Völler und Diego Maradona. Aber der Münchner sitzt vor der Presse und sagt nur: "Wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen, so als Übermannschaft sind wir hier auch nicht aufgetreten."

Sein Fazit, ganz lapidar: "Wir haben die WM ganz gut angefangen." Ganz gut - das dürfte die Untertreibung des Monats sein.

Müller war zuvor im Spiel überall gewesen, wo man als Offensivspieler auch hingehört. Beim Elfmeter-Führungstor blieb er in der Mittagsglut von Salvador eiskalt, den unbeherrschten portugiesischen Abwehrchef Pepe reizte er dermaßen, dass er sich zu einer mit Rot geahndeten Tätlichkeit hinreißen ließ, beim 3:0 und 4:0 hatte sich Müller genau dahin geschlichen, wohin der Ball kam - und schon hatte es noch zweimal gemüllert.

Alle Skeptiker zum Schweigen gebracht

Nicht nur, aber auch wegen Müller ist Deutschland nach nur einem Spiel jetzt wieder einer der ganz großen Turnierfavoriten. Und alle Zweifler, alle Skeptiker schweigen. Die holprige Vorbereitung in Südtirol, die Verletzungssorgen, Testspiele, die nicht überzeugten - da kommt ein Thomas Müller, macht drei Tore, und alles ist vergessen.

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Deutsches Team in der Einzelkritik: Boateng, Weltfußballer-Besieger
"Der Thomas schließt einen Angriff einfach dann ab, wenn es niemand erwartet", sagt Bundestrainer Joachim Löw, der genau weiß, was er an seinem Matchwinner hat. Auch wenn er zuweilen selbst nicht nachvollziehen kann, was sein Offensivmann auf dem Platz da so treibt. "Ab und zu verstehe selbst ich seine Laufwege nicht", sagt Löw. Wenn es dem Bundestrainer schon so geht, dann den gegnerischen Abwehrspielern umso mehr.

"Für seine Gegner ist er ein richtig ekliger Spieler", sagt Torwart und Vereinskollege Manuel Neuer und Jérôme Boateng, der in München im Training häufiger gegen Müller spielen muss, ergänzte: "Für mich als Abwehrspieler ist er sehr schwer zu greifen. Alleine schon, weil er so dünn ist. Bei ihm weiß man nie, wo der Muskel anfängt."

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Sieg gegen Portugal: Müller-Show zum Auftakt
Und damit war noch lange nicht Schluss mit dem Lob für den achtfachen WM-Torschützen. "Er besitzt den nötigen Willen und den richtigen Riecher", so Neuer, ihn "zeichnet aus, dass er niemals aufgibt", ergänzt Boateng. Müller, so der Bundestrainer, "hat nur einen Gedanken im Kopf: ein Tor zu schießen." Alles Qualitäten, die man bei einem WM-Turnier so dringend braucht.

Götze und Kroos haben sich gesteigert

Der Münchner stach heraus aus einer Elf, die wie schon vor vier Jahren in Südafrika auf den Punkt ihre Form gefunden zu haben scheint. Mario Götze wirbelte die portugiesische Innenverteidigung als verkappter Stürmer durcheinander, im Testspiel gegen Kamerun hatte er noch in derselben Rolle enttäuscht. Das ist gerade zwei Wochen her.

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Portugal-Einzelkritik: Schwacher Ronaldo, wütender Pepe
Toni Kroos, noch einer, der gerne von der Kritik beäugt wird, schwang sich zum Dirigenten einer Mannschaft auf, die von Anfang an keine Zweifel zuließ, wer hier als Gewinner das Feld zu verlassen gewillt ist.

Der Spielverlauf tat sein übriges: "Der hat uns natürlich massiv in die Karten gespielt", sagte Müller. Das Führungstor nach elf Minuten, 2:0 nach einer halben Stunde, kurz danach der Feldverweis für Pepe. Spätestens da war den Portugiesen um den erschreckend schwachen Weltfußballer Cristiano Ronaldo die Lust am Mitspielen vergangen. Der Geheimfavorit Portugal steht jetzt schon massiv unter Druck - eine Niederlage gegen die von Jürgen Klinsmann betreuten USA im nächsten Spiel, und die hochgesteckten Ziele wären dramatisch verfehlt.

Dem dreifachen Torschützen des DFB-Teams konnte die Gemütslage der Portugiesen relativ gleich sein. Aber es passte zur Stimmung in der gesamten Mannschaft, dass der Bundestrainer schon nach fünf Minuten, die er der allgemeinen Zufriedenheit widmete, sofort umschaltete und den nächsten Gegner Ghana ins Visier nahm. Eine Mannschaft, die "uns mit ihrer ungeheuren Physis alles abverlangen wird".

Das hatte er von den Portugiesen allerdings auch schon gesagt. Thomas Müller wird dann wieder nur den einen Gedanken im Kopf haben.

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Pinin 17.06.2014
1. Ganz einfach, was den Müller beflügelt ist ...
... dass er jetzt mal nicht das langweilige, emotionslose Tiki-Taka vom Gardiola spielen muss. Jetzt darf er die Handbremse lösen.
crimesceneunit 17.06.2014
2. das ist doch purer Sexismus! ...
warum muss die Kanzlerin jedesmal in die Umkleide der Männer stürmen? angenommen ein männlicher Politiker würde nach jedem Sieg der Frauen Nationalmannschaft in deren Umkleide rennen. dann wäre aber was los im Emanzenland...
LebensKunst 17.06.2014
3. Alte Lebensweisheit
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!
bernhard29 17.06.2014
4. Toller Auftakt
Da kann man nur sagen, super Spiel, tolle Leistung von der gesamten Mannschaft eine Freude für jeden Zuschauer, herzlichen Glückwunsch nach Brasilien an die deutsche Mannschaft und an den Trainer.
Hank Hill 17.06.2014
5. Bis zum Elfer
war das Spiel ausgeglichen, und der Elfer war keiner. Goetze hat sich ziemlich unverschaemt fallen gelassen. Eine Schwalbe von Deutschland bei einer WM ist erbaermlich. Das 2:0 war ein toller Kopfball von Hummels. Die rote Karte von Pepe war uebertrieben, von Mueller ist man aber dieses Theater und die gespielte Weinerlichkeit gewohnt. Vermutlich haetten wir dieses Spiel auch ohne diese Unsportlichkeiten gewonnen. Andererseits auch andere Mannschaften gewinnen dreckig.
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