Ein Jahr nach dem Finale Vier Sterne, ein Jahr

Am 13. Juli 2014 gewann Deutschland im Maracana von Rio de Janeiro gegen Argentinien seinen vierten Weltmeistertitel. Auf den Tag ein Jahr später: Wie ist es den Helden und tragischen Verlierern seither ergangen?

Nationalspieler Götze (M.): Siegtorschütze im Finale der WM
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Nationalspieler Götze (M.): Siegtorschütze im Finale der WM

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Keine zwei Monate nach dem Endspieltriumph verlor die DFB-Elf ihr erstes Länderspiel der neuen Saison - gegen Argentinien. Weit davon entfernt, "auf Jahre hinaus unschlagbar" zu sein, gab es seither noch zwei weitere Niederlagen, gegen Polen und die USA. Aber was soll erst die Albiceleste sagen, die im Copa-América-Finale schon die nächste bittere Enttäuschung hinnehmen musste?

Genau ein Jahr nach dem Endspiel von Rio stellt sich die Frage, was aus den Protagonisten von damals geworden ist. Ist den Weltmeistern der Erfolg zu Kopf gestiegen? Hat Argentinien den Weg aus der Trauer noch immer nicht gefunden? Wie lief das Jahr für Lionel Messi?

Hat Gonzalo Higuaín seine vergebene Riesenchance und die Kollision mit Manuel Neuer verwunden? Haben Mario Götze und André Schürrle den Zenit ihrer Karrieren schon überschritten? Kann Christoph Kramer sich wieder an seinen Geburtsnamen erinnern? Wie sieht es inzwischen im Maracana aus? Und was macht eigentlich Alejandro Sabella, Argentiniens Coach, der nach dem Turnier zurücktrat?

Zu den Antworten geht es hier:

Gonzalo Higuain

Hände vor's Gesicht und am liebsten im Erdboden versinken: Gonzalo Higuain nach seiner vergebenen Chance in der 22. Minute. Toni Kroos hatte den Argentinier mit einem schweren Fehlpass bedient, der Stürmer lief frei auf Manuel Neuer zu, aber schob den Ball kläglich links am Tor vorbei. Acht Minuten später jubelte der Angreifer für Sekunden über ein Abseitstor. In diesem Sommer wiederholte sich Higuains Albtraum vom verlorenen Finale. Diesmal im Endspiel der Copa-América gegen Chile. Im Elfmeterschießen schoss er die Kugel über das Aluminium und Argentinien verlor.

Sami Khedira

Großer Schock kurz vor dem Anpfiff: Sami Khedira kann nicht spielen. Wadenprobleme waren der Grund. Statt Khedira spielte Kramer, der vorher erst elf Minuten bei der WM im Einsatz war. Khediras Ausscheiden war auch deshalb bitter, weil sich der Mittelfeldspieler nach einem Kreuzbandriss monatelang durch die Reha quälen musste, erst kurz vor dem Turnier wieder einsatzfähig war und sich im Turnierverlauf stetig steigerte. Beim historischen 7:1-Halbfinalerfolg gegen Gastgeber Brasilien brillierte er. Nach der WM plagten den Ex-Profi von Real Madrid weitere Verletzungen. In der kommenden Saison spielt er für Juventus Turin.

Bastian Schweinsteiger

Dieses Bild ging um die Welt: Bastian Schweinsteiger blutend nach einem Ellenbogenschlag von Sergio Aguero. Der Mittelfeldspieler hielt durch bis zum Schlusspfiff, lief zuvor mit 15,3 Kilometern so viel wie kein anderer und bestritt auch deswegen für viele "das Spiel seines Lebens". Heute ist der "Held vom Maracana" neuer DFB-Kapitän und läuft in der kommen Saison für Manchester United auf.

Mario Götze

Jaaaaa! Tooor! Weltmeister! In der 113. Minute erlöste Mario Götze die deutsche Mannschaft mit dem entscheidenden Treffer. "Jetzt zeig' der ganzen Welt, dass du besser bist als Messi", soll Bundestrainer Löw dem Siegtorschützen bei seiner Einwechslung in der 88. Minute gesagt haben. Das tat er, aber nach dem historischen Siegtreffer gelang das Götze nur noch selten: Im System von Bayern-Trainer Pep Guardiola spielt der 23-Jährige keine wichtige Rolle.

Christoph Kramer

"Ist dies das Finale?", soll Kramer den Schiedsrichter gefragt haben. Der Mittelfeldspieler erlitt bei einem Zusammenstoß mit Ezequiel Garay eine schwere Gehirnerschütterung. Bis zur 30. Minute hielt er durch; aber als Kramer Mitspieler Thomas Müller mit Gerd ansprach, gab der Bayern-Stürmer das Zeichen für eine Auswechslung. An das Spiel kann sich der 24-Jährige bis heute nicht erinnern. In der folgenden Saison qualifizierte sich Kramer mit seinem Klub Borussia Mönchengladbach für die Champions League; nach der Spielzeit ist er zu Bayer Leverkusen zurückgekehrt.

Lionel Messi

Auch der Goldene Ball für den besten Spieler des Turniers konnte Lionel Messi nicht trösten. Der viermalige Weltfußballer hätte seine Argentinier nach einem Traumpass von Gonzalo Higuain in Führung bringen können, wahrscheinlich müssen. Trost für die schmerzliche Niederlage fand der Superstar erst ein Jahr später am 6. Juni in Berlin: Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona (3:1 gegen Juventus Turin). Vor kurzem kullerten allerdings wieder die Tränen. Messi verlor mit seiner Nationalmannschaft das Endspiel der Copa América.

Benedikt Höwedes

Benedikt Höwedes hatte die Führung für Deutschland auf dem Fuß. Kurz vor dem Pausenpfiff traf der Schalker nach einer Ecke nur den Pfosten. Nach dem großen Triumph in Rio folgte eine enttäuschende Saison mit Schalke 04. Höwedes wurde oft mit europäischen Top-Klubs in Verbindung gebracht, entschied sich aber für einen Verbleib auf Schalke.  

André Schürrle

André Schürrle kam in der 31. Minute für den verletzten Christoph Kramer in die Partie. In der ersten Minute der Verlängerung hatte der 24-Jährige die große Chance zur Führung, vergab jedoch freistehend. Den Siegtreffer von Mario Götze konnte er allerdings sehenswert vorbereiten. Für ihn persönlich lief die Saison nach der WM ebenfalls frustrierend. Beim FC Chelsea aussortiert, wechselte er für 32 Millionen zum VfL Wolfsburg. Auch dort musste er häufig auf der Bank Platz nehmen. Immerhin holte sein Team den DFB-Pokal.

Jérome Boateng

Jérome Boateng steigerte sich im Laufe des Turniers, im Finale zählte er zu den besten Spielern auf dem Platz. Auch beim FC Bayern gilt der 26-Jährige als unverzichtbar. Einer der wenigen Spieler, der nach dem Turnier weiter konstante Leistungen abrufen konnte.

Maracana

Das berühmte Maracana-Stadion von Rio de Janeiro, einst das größte Stadion der Welt, wurde für die Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele im kommenden Jahr modernisiert. Mindestens 316 Millionen Euro kostete der Umbau. Immerhin tragen die brasilianischen Traditionsvereine Flamengo und Fluminense ihre Heimspiele im Stadion aus, auch für kulturelle Veranstaltungen wird es genutzt. Von einer sinnvollen Investition kann allerdings nicht die Rede sein. 

Alejandro Sabella (Trainer von Argentinien)

Der Star des Teams war eindeutig Lionel Messi, Trainer Alejandro Sabella stand meist im Schatten des vierfachen Weltfußballers. Auch sein Rücktritt nach dem Turnier wurde kaum wahrgenommen. Nach zwei erfolgreichen Jahren mit dem argentinischen Team von Estudiantes folgte 2011 die Berufung zum Nationaltrainer Argentiniens. Sein Einfluss war bei der WM allerdings unübersehbar, bis zum Finale kassierte das Team nur ein Gegentor. Eine starke Bilanz, zumal die Abwehr zuvor immer als Schwachstelle galt. Als Trainer war der 60-Jährige seitdem nicht mehr tätig.

Angel Di Maria

Angel di Maria gehörte bei der Weltmeisterschaft zu den gefährlichsten Spielern in Argentiniens Offensive. Somit war Joachim Löw nicht unglücklich über seine Verletzung, die er sich kurz vor dem Spiel zuzog. Di Maria wechselte im Sommer 2014 für 75 Millionen Euro von Real Madrid zu Manchester United. In 32 Pflichtspielen erzielte er nur vier Treffer, zuletzt wurde über einen Wechsel zu Bayern München oder Paris St. Germain spekuliert.  

Klose, Lahm, Mertesacker

Ein Trio trat ab: Miroslav Klose, Philipp Lahm und Per Mertesacker beendeten ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft nach dem WM-Finale. Klose trat als WM-Rekordtorschütze zurück, Lahm als Kapitän und Mertesacker als 104-facher Nationalspieler. Drei Spieler, die für Deutschland Geschichte schrieben.

Joachim Löw / Hansi Flick

Acht Jahre arbeitete dieses Duo erfolgreich zusammen: Joachim Löw und Hansi Flick. Nach dem Finale trennten sich die Wege der beiden. Flick wurde von Thomas Schneider ersetzt. Löw verlängerte seinen Vertrag bis 2018. Sollte er seinen Vertrag erfüllen, wäre er zwölf Jahre Bundestrainer der DFB-Auswahl. So lange war seit Helmut Schön (1964-1978) niemand mehr im Amt.  

Nicola Rizzoli

Zweimal ließ Nicola Rizzoli Neuer, Schweinsteiger, Lahm, Boateng und Müller jubeln. 2013 hatte er das Champions League-Finale gegen Dortmund geleitet, das der FC Bayern gewann, in Rio pfiff er das Endspiel gegen Argentinien. Als das Münchner Quintett dieses Jahr im Halbfinale der Königsklasse in Barcelona antreten musste, konnte aber auch der Architekt aus Bologna nicht verhindern, dass die Bayern 0:3 untergingen.

Zusammenprall Neuer – Higuaín

So schlimm wie Toni Schumachers Foul 1982 gegen Patrick Battiston war es nicht – aber Manuel Neuers Kollision mit Gonzalo Higuaín sorgte für Diskussionen. Der Keeper spielte zunächst den Ball, bevor sein Knie den Stürmer im Gesicht traf. Foulelfmeter oder unglücklicher Zusammenprall? Die Meinungen gingen auseinander. Sicher ist wohl nur: Ein Foul von Higuaín, wie Schiedsrichter Nicola Rizzoli entschied, war es nicht.



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
markusbest 13.07.2015
1. Helmut Schmidt Bundestrainer?
Hier ist dem Autor wohl ein kleiner Schnitzer unterlaufen und er erlag einer Helmutschwemme. Eher war wohl Helmut "der Lange mit der Mütze" Schön gemeint. :-)
agrippa76 13.07.2015
2.
Man man man immer dieses völlig unqualifizierte Götze bashing. der junge (22!) ist der Spieler mit den fünft (5!) meisten Einsatzminuten des Gesamten FCB Kaders.....was ein Bankdrücker mal echt ey ;) Ich frag mich was der Kerl den Medien getan hat das sie so einen stuss immer und immer wieder verzapfen.
kutny 13.07.2015
3. Also das nicht gewesene Tor
von Wembley geistert noch fast 50 Jahre danach als große Ungerechtigkeit durch die Medienlandschaft. Aber das Neuers Einstieg Elfmeter und Rot war, darüber gehen die Meinungen auseinander? Ich gehe mal davon aus, das tun sie nur in Deutschland, der Rest der Welt weissa bescheid...
P.Delalande 13.07.2015
4.
Weshalb "tragische Verlierer"? Argentinien hat dieses Spiel doch nicht tragisch verloren, sondern nach einer Reihe rüder Fouls vollkommen zu recht. Eigentlich ist es nur verwunderlich dass am Ende des Spiels noch elf Argentinier auf dem Platz waren.
mam71 13.07.2015
5.
Zitat von kutnyvon Wembley geistert noch fast 50 Jahre danach als große Ungerechtigkeit durch die Medienlandschaft. Aber das Neuers Einstieg Elfmeter und Rot war, darüber gehen die Meinungen auseinander? Ich gehe mal davon aus, das tun sie nur in Deutschland, der Rest der Welt weissa bescheid...
Na, die "Nach-dem-nächsten-Spiel-ist-Schluss"-Fraktion hat immer noch schwer am deutschen Titelgewinn zu knabbern, was? Da kommen Erinnerungen an letzten Sommer hoch - an von Spiel zu Spiel abstrusere und panischere Postings... herrlich.
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