Entscheidung bei Punkt- und Torgleichheit Lattenschießen, Bolzplatz-Regel, Dosenstechen

Bei der WM in Russland entscheidet bei Punkt- und Torgleichheit die Fair-Play-Wertung über die Platzierung eines Teams. Das scheint nicht die beste Lösung zu sein. Unsere Redaktion hat ein paar Vorschläge.

Tierorakel
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Tierorakel


Jetzt mal im Ernst. Die Fair-Play-Wertung soll womöglich entscheiden, ob Belgien oder England Gruppensieger wird?

Das Szenario tritt ein, wenn sich Belgien und England im direkten Duell am Abend (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) unentschieden trennen - keine unwahrscheinliche Vorstellung. Beide Teams haben aktuell sechs Punkte und 8:2 Tore.

Zwischen zwei der wenigen Teams, die bei der WM bisher wirklich begeistert haben, soll am Ende also eine Gelbe Karte, ein taktisches Foul zu viel, klären, wer als Tabellenerster ins Achtelfinale einzieht?

Nicht mit uns.

Wir haben gegrübelt, uns ausgetauscht, probiert und philosophiert - und dann eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet, wie in Zukunft eine Entscheidung zwischen punkt- und torgleichen Teams fallen kann.

Das Tierorakel, von Daniel Raecke

Ein Gibbon als Tierorakel
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Ein Gibbon als Tierorakel

Es braucht eine Kombination aus dem beliebten, aber etwas in die Jahre gekommenen Format des Tierorakels und dem unbeliebten, aber etwas in die Jahre gekommenen Format des Elfmeterschießens: Ein Tier (je nach Habitat variabel) wird auf dem Mittelpunkt des Feldes abgesetzt. Entscheidend ist dann, in welches Tor das Tier läuft. Hier kommen die Fans ins Spiel, die versuchen, den pelzigen Freund in die gewünschte Richtung zu dirigieren. Aus ethischen Gründen sollte aber nicht die Mannschaft gewinnen, die die verängstigte Kreatur von sich wegtreibt. Es siegt das Team, deren Anhängern es gelingt, das Tier zu sich zu locken. Ob das mit dem Nachahmen von Brunftlauten oder dem Bereithalten von Delikatessen geschieht, bleibt den Ultras überlassen.

Letztes Tor entscheidet, von Maximilian Rau

Bolzplatz
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Bolzplatz

Die gute, alte Bolzplatz-Regel spricht für sich. Eine Mannschaft kann hoch zurückliegen, aber schießt sie das letzte Tor, dann hat sie verdammt noch mal gewonnen. 7:0 nach 85 Minuten? Irrelevant. Es ist der letzte Treffer, der wirklich zählt. Sollten die Mannschaften mit Punkt-und Torgleichheit nicht direkt aufeinandertreffen, sondern in parallelen Spielen um den Einzug in die nächste Runde kämpfen, so gilt die Regel auch: Das Team, dessen letzter Treffer in der späteren Spielminute gefallen ist, kommt weiter. Das sollte auch den Offensivdrang aller Mannschaften fördern.

Lattenschießen, von Andreas Evelt

Ein Ball trifft die Latte.
REUTERS

Ein Ball trifft die Latte.

In Sport und Politik reden alle davon, man müsse "die Basis erreichen". Aber DFB und Fifa sind den kleinen Vereinen aus der Kreisliga längst entlaufen. Warum also nicht einmal eine erprobte Tradition aus dem Amateurfußball in den Profisport integrieren? Noch jede wichtige Entscheidung zum Trainingsabschluss wird im Amateurbereich per Lattenschießen entschieden. Wer fegt die Kabine? Lattenschießen. Wer wäscht die stinkenden Leibchen? Lattenschießen. Wer muss am letzten Spieltag ins Tor? Lattenschießen. Es wäre für die Fifa so einfach, den Zuschauer hier abzuholen. Und wer möchte nicht sehen, wie sich Lionel Messi und Cristiano Ronaldo mit zig Treffern von der Mittellinie duellieren?

Reise nach Jerusalem, von Eckhard Klein

Reise nach Jerusalem
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Reise nach Jerusalem

Es braucht gar kein neues Format, es braucht ein altbekanntes: "Die Reise nach Jerusalem" kennt jedes Kind. Von Argentinien bis Senegal. Wie beim Elfmeterschießen treten fünf "Auserwählte" pro Team an. Sobald der Schiedsrichter das Startsignal gibt, ertönt über die Stadionlautsprecher Musik. Sobald dann aber die Musik angehalten wird, rennt jeder Mitspieler aus dem Mittelkreis zu den Spielerbänken, um sich auf einen von neun markierten Plätzen zu setzen. Wer keinen Platz findet, ist raus. Nach jeder Runde wird die Sitzkapazität um einen Platz reduziert. Am Ende bleibt ein einziger Spieler über. Der hat gewonnen und somit sein Team ins Achtelfinale gebracht.

Das Achtelfinal-Ticket wird verkauft, von Nina Golombek

Sepp Blatter und ein Comedian mit Geldscheinen
Getty Images

Sepp Blatter und ein Comedian mit Geldscheinen

Sie finden, im Fußball dreht sich ohnehin alles nur noch ums Geld? Spielergehälter lassen gutsituierte Manager erblassen, bei WM-Vergaben lässt sich der ein oder andere ohnehin korrumpieren und bei Cristiano Ronaldo denken Sie auch nur noch an die British Virgin Islands? Dann können wir den Einzug ins Achtelfinale ja gleich finanziell regeln. Die Mannschaften stellen die Auktionsgüter: Privatinseln, Jachten, Behausungen in exklusiven Wohnlagen - was man so hat. Jeder, der sein Team im Turnier halten möchte, kann bieten. Das Ticket bekommt die Elf, die den höheren Erlös erwirtschaftet. Alle Einnahmen spendet die Fifa - selbstverständlich - für einen guten Zweck.

Dosenstechen, von Tim Pommerenke

Dosenbier
AP/dpa

Dosenbier

#ZSMMN, Jubelposen aus Computerspielen, Neymars halbstündlich wechselnde Frisuren - der Fußball hat mit der Lebenswelt von uns Fans nicht mehr viel gemein. Um sich wieder anzunähern, sollte zum Zwecke der Entscheidungsfindung ein klassisches Ritual zum Einsatz kommen, welches schon so manche Streitigkeit unter Anhängern geschlichtet hat: Dosenstechen. Beide Mannschaftskapitäne treffen sich am Mittelkreis, der Innenverteidiger knackt einmal mit der Alustolle in die Hülse und dann gib ihm. Wer zuerst den halben Liter leeren kann, kommt weiter. Ok, wir sind Romantiker, aber nicht weltfremd: Die Fifa darf sich selbstverständlich mit dem offiziellen Dosenstechen-Bierpartner ein paar Extra-Millionen verdienen. Und wir akzeptieren auch zähneknirschend das Hashtag #DSNSTCHN.

Schubkarren-Rennen, von Max Holscher

Schubkarre
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Schubkarre

Statt Fair-Play-Wertung treten die Coaches in einem der letzten ehrlichen Wettbewerbe dieser Welt an, dem Schubkarren-Rennen: Im Falle des DFB-Teams würde Co-Trainer Thomas Schneider also Joachim Löw an den Beinen fassen, während der sich trippelweise auf den Händen nach vorne schiebt. Natürlich begleitet von schnaufenden Anweisungen wie "Mensch Thomas, du musst scho au ein bisschen mehr schieben". Das Trainer-Gespann, das am schnellsten einmal die komplette Platzlänge überquert, gewinnt.

Kampf der Kulturen, von Florian Merkel

Deutscher und schwedischer Fan
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Deutscher und schwedischer Fan

Ein frühes Tor und dann Beton anrühren: klassische Underdog-Taktik. Nicht schön, aber jeder wie er kann - mag der vermeintlich spielerisch überlegene Favorit später auch noch so heulsusig lamentieren, der Gegner habe nichts fürs Spiel getan. Und wenn am Ende kein Sieger feststeht? Sollen doch die Fans entscheiden, welche Fußballphilosophie sie im Achtelfinale sehen wollen: Offensivspektakel vs. Abwehrschlacht, jogo bonito oder catenaccio, hässlich gewinnen oder in Schönheit sterben - abgestimmt per Applausometer. So oder so: Deutschland hätte in diesem Jahr schlechte Karten gehabt.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
eddy_the_eagle 28.06.2018
1. Elfmeterschiessen
Warum bleiben diese zwei Mannschaften nicht gleich auf dem Platz und machen ein Elfmeterschiessen um Platz 1. Bei der Euro 2008 hatte die UEFA dies doch eingeführt. Beim Spiel Türkei-Tschechien wäre es doch beinahe dazu gekommen, ehedie Türkei in letzter minute das Siegtor erzielte.
Robert_Rostock 28.06.2018
2.
Zitat von eddy_the_eagleWarum bleiben diese zwei Mannschaften nicht gleich auf dem Platz und machen ein Elfmeterschiessen um Platz 1. Bei der Euro 2008 hatte die UEFA dies doch eingeführt. Beim Spiel Türkei-Tschechien wäre es doch beinahe dazu gekommen, ehedie Türkei in letzter minute das Siegtor erzielte.
Geht nur, wenn die beiden Erstplatzierten am letzten Gruppenspieltag gegeneinander spielen. Das war bei Spanien und Portugal beispielsweise nicht der Fall.
eckrentner 28.06.2018
3. Die wichtigste Bolzplatzregel wurde vergessen, nämlich:
Drei Ecken - ein Elfer! Das würde zwar nicht zur Entscheidungsfindung beitragen, eröffnete aber eine ganz neue Wertigkeit der Ecken. Und wenn ein Team unbedingt die dritte Ecke verhindern muss, kann es sehr spannend werden. Und - vielleicht hätten die Deutschen so doch ein Tor gegen Südkorea erzielen können.
DougStamper 28.06.2018
4. Dosenstechen
Das Bild Ronaldo vs Neymar beim Dosenstechen wäre ein wunderschönes, ähnlich ner Sau auf absatzschuhen. Danke dafür.
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