Fußball-WM Empörung über Einreiseverbot für Seppelt

Russland lässt den ARD-Doping-Experten Seppelt nicht zur Fußball-WM einreisen. Die Entscheidung sorgt in Deutschland für Empörung. DFB-Chef Grindel schiebt die Verantwortung in Richtung Fifa.

Reinhard Grindel
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Reinhard Grindel


Reinhard Grindel sieht nach der Verweigerung eines Visums für den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt für die Fußball-WM in Russland den Weltverband Fifa in der Verantwortung. "Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: "Die Fifa hat erklärt, dass Herr Seppelt eine Akkreditierung erhalten habe und betont, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat."

Auch in der Politik wird Russlands Entscheidung diskutiert: Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, hat Russland aufgefordert, das Einreiseverbot für Seppelt aufzuheben. "Russland sollte die Verweigerung des Visums für Herrn Seppelt korrigieren", sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel": "Sonst entsteht der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fairplay im Sport hat oder beides."

Hajo Seppelt
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Hajo Seppelt

Russland hatte das Visum für den Investigativjournalisten Hajo Seppelt für ungültig erklärt und diesem die Einreise zur WM verweigert. Seppelt stehe laut ARD auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen". Hintergrund für die Aktion ist offenkundig die Aufdeckung des Staatsdopingsystems in Russland, an der Seppelt maßgeblich beteiligt war. Sein Film "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte die Aufdeckung des russischen Dopingskandals zur Folge.

Seppelt sagte dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdopingsystems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen. Man darf gespannt sein, ob die Fifa, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird."

Vor Röttgen hatte auch Stephan Mayer, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI), das Einreiseverbot scharf kritisiert. Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte er: "Ich persönlich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die russische Regierung entschieden hat, Hajo Seppelt, einen der unbestritten profiliertesten Sportjournalisten Deutschlands, nicht zur Fußballweltmeisterschaft einreisen zu lassen."

Das sei ein "denkbar schlechter Vorbote für eine objektive und unabhängige Berichterstattung im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte Mayer, der im Bundesinnenministerium für den Bereich Sport zuständig ist.

"Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen"

Der russische Sportpolitiker Dmitri Swischtschow hat die Verweigerung eines Visums für Seppelt verteidigt. Seppelt wolle die Reise zur Weltmeisterschaft nur nutzen, um "Russland zu verleumden und sich selbst daran zu bereichern", sagte der Abgeordnete der russischen Agentur R-Sport.

"Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?", sagte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma: "Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen. Wenn er objektive Filme über Russland macht, sind wir immer bereit, ihm ein Supervisum auszustellen, mit mehrfacher Einreise und für ein Jahr."

mru/dpa/sid



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isegrim der erste 12.05.2018
1. Das Weiterleiten der Verantwortung
an die FIFA ist ein Akt der Feigheit. Statt dessen sollte man sich mit anderen Teilnehmnern über die Androhung eines Boykotts einigen. Ich bin mir relativ sicher, dass Russland dann einknickt.
Michael Collins 12.05.2018
2. Pressefreiheit
Die Verweigerung der Einreise kann nur eine Konsequenz haben: Dann eben auch keine Übertragung der Spiele in den öffentlich-rechtlichen Medien. Soll sich der Kommerzveranstalter Fifa doch seine eigene Infrastruktur aufbauen, bei der jeder, der diesen Krampf noch sehen will, dafür bezahlt. Als Beitragszahler des Rundfunkbeitrags sehe ich es eh äußerst kritisch, warum gigantische Beträge für einen kommerzialisierten Sport ausgegeben wird.
bajanibash 12.05.2018
3. Man kann die Russen ja vielleicht verstehen
Auch wenn die Entscheidung kleingeistig wirkt, ist sie eben doch eine Massnahme staatlicher Souveränität. Nicht verstehen kann ich hingegen, dass ARD und ZDF offenbar über zweihundert Millionen für die Übertragungsrechte ausgeben, ohne dass der Vertrag freie Mitarbeiterwahl für die Übertragung garantiert. Wenn ein Herr S. so unersetzbar wichtig ist, sollte man das bei der Vertragsgestaltung einpflegen. Oder einen Rücktritt vom Vertrag verankern. Aber so ist das, wenn es nicht das eigene Geld ist...
PaulchenGB 12.05.2018
4. Hajo Seppelt ist in Russland eine "persona non grata", das
weiß er, das weiß der DFB, das weiß auch die FIFA. Russland ist ein souveräner Staat und wer Putin "ans Bein ..." fliegt halt raus, so ist das in einer "diktatorischen Demokratie". Andere deutsche Journalisten werden doch wohl auch in der Lage sein, objektiv zu berichten. Und nicht vergessen: es geht nur um Fußball.
Epsola 12.05.2018
5.
Zitat von bajanibashAuch wenn die Entscheidung kleingeistig wirkt, ist sie eben doch eine Massnahme staatlicher Souveränität. Nicht verstehen kann ich hingegen, dass ARD und ZDF offenbar über zweihundert Millionen für die Übertragungsrechte ausgeben, ohne dass der Vertrag freie Mitarbeiterwahl für die Übertragung garantiert. Wenn ein Herr S. so unersetzbar wichtig ist, sollte man das bei der Vertragsgestaltung einpflegen. Oder einen Rücktritt vom Vertrag verankern. Aber so ist das, wenn es nicht das eigene Geld ist...
Im Gegenteil, die Entscheidung ist höchst unsouverän. Ein souveräner Staat achtet die eigene Verfassung und die völkerechtlichen Verträge die man unterschrieben hat, in Form eben auch der Pakte zu den Menschenrechten. Dort ist Pressefreiheit festgeschrieben. Wer das missachtet handelt illegal, nicht souverän.
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