Umstrittene Plattform Fifa stoppt WM-Ticketverkauf durch Viagogo

Tickets für Spiele der Fußball-WM in Russland sollte man besser über die offizielle Fifa-Website beziehen. Gegen einen anderen Anbieter geht der Weltverband rechtlich vor. Auch die Elbphilharmonie warnte bereits vor ihm.

Eintrittskarten für das Spiel zwischen Kolumbien und der Elfenbeinküste bei der WM 2014
AFP

Eintrittskarten für das Spiel zwischen Kolumbien und der Elfenbeinküste bei der WM 2014


Die Fifa hat vor dem Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Ticketplattform Viagogo erwirkt. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz darf vorerst keine Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland anbieten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

Viagogo arbeitet mit sogenannten Leerverkäufen, bietet also Tickets an, die das Unternehmen noch gar nicht besitzt. Eintrittskarten gibt es offiziell nur über die Fifa-Website, der Versand beginnt erst im April. "Für Fans, die Tickets über nicht zugelassene Kanäle beziehen, besteht das Risiko, dass sie ihre bestellten und bezahlten Tickets letztlich nicht erhalten", heißt es in einer offiziellen Fifa-Mitteilung.

Der Weltverband behält sich das Recht vor, Eintrittskarten für ungültig zu erklären, die über nicht zugelassene Vertriebskanäle bezogen wurden. In der Begründung des Gerichts wird die Geschäftspraxis von Viagogo als "irreführendes Verhalten" bezeichnet, "das gegen das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstößt".

Die Fifa ist nicht der einzige Veranstalter, dem Plattformen wie Viagogo ein Dorn im Auge sind. Zuletzt hatte auch die Hamburger Elbphilharmonie vor dem Bezug von Schwarzmarkt-Tickets über Leerverkäufe gewarnt und dabei explizit Viagogo genannt. Bereits vor Beginn des Bestellzeitraums, innerhalb dessen Karten für die Serie von "Konzerten für Hamburg" des NDR Elbphilharmonie Orchesters im Juni 2018 bestellt werden können, seien auf Viagogo rund 230 Tickets für die zehn Konzerte angeboten worden. Inklusive Buchungsgebühren seien die mit 8, 16 und 24 Euro besonders günstigen Eintrittskarten auf der Plattform für bis zu EUR 495 angeboten worden.

In der Vergangenheit gab es auch in der Bundesliga Streit bezüglich der Praktiken von Viagogo, unter anderem beim FC Schalke.

mmm/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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winro 19.01.2018
1. Betrügerisch
Auch ich fühlte mich schon mal von Viagogo betrogen. Nach einem Ticket-Kauf von Stadionkarten (Mainz - HSV). Preis auf der Karte: 16,50€ Verkaufspreis von Voagogo 47,80€. Auf meine Reklamation hin wurde mir mitgeteilt, daß sie nur die Karten nur vermitteln würden und keinen Einfluss auf den Preis hätten. NIE WIEDER VIAGOGO !
physikalix 19.01.2018
2. Vor Viagogo kann man nicht genug warnen!
Aus eigener schlechter Erfahrung kann ich vor Viagogo nur warnen. Für Leute, die nicht ständig alles über Internetplattformen einkaufen und buchen, ist nicht sofort ersichtlich, dass es sich hier um keinen Tickethändler handelt, sondern um einen Vermittler zu dritten Ticketverkäufern. Diese bieten häufig zu völlig überzogenen Preisen regulär erhältliche Tickets an, wobei man mit ständigen pop-up-Meldungen der Art "Letzte 5 erhältlichen Tickets" zum Kauf animiert wird. Zusätzlich zum überhöhten Preis verlangt dann Viagogo noch eine Vermittlungsgebühr, die durchaus im zweistelligen Prozentbereich des Ticketpreises liegt. So eine Plattform braucht niemand!
Max75016 19.01.2018
3. Ging mir nicht anders ...
Beim Kauf einer Konzertkarte wurde ich mit dem doppelten Ticketpreis belastet plus €47 Servicegebühr! Das ist ein betrügerischer Laden! Auf ihrer website machen die einem vor, als ob die Veranstaltung schon ausverkauft sei und man das Glück hat, auf eines der letzten Tickets gestoßen zu sein. Man wird dabei dann zeitlich unter Druck gesetzt, indem eine ablaufende Sanduhr den Eindruck vermittelt, es sei wirklich die letzte Gelegenheit ein Ticket zu kaufen. Man hat gar nicht mehr die Zeit, den Preis auf anderen websites gegenzuprüfen und nimmt die Servicegebühr in Kauf. In meinen Augen wurde der Verkaufsprozeß auf der website so aufgebaut, daß der Benutzer absichtlich getäuscht und unter Druck gesetzt wird. Angeblich sind keine rechtlichen Schritte möglich, da der Laden in der Schweiz sitzt und quasi "unantastbar" ist. Ansonsten würde ich sagen: schließen, einknasten und Entschädigungszahlung - viel, sehr viel!
j.weber 19.01.2018
4.
Kann nur Episode 308: "Why Is the Live-Event Ticket Market So Screwed Up?" von Freakonomics Radio empfehlen. Da geht es zwar um einen amerikanischen Anbieter aber der arbeitet vermutlich änlich wie Viagogo. Kurz: Viele Veranstalter nutzen diese Plattformen um versteckt höhere Preise abrufen zu können. Große Kontingente gehen an Vermittler die billigen Karten hohe "Bearbeitungsgebühren" aufschlagen. Von den Gebühren geht viel an den Veranstalter. Der Veranstalter bietet also theoretisch günstige Tickets an, die sich der kleine Mann/die kleine Frau leisten könnte, nimmt aber dank dem Vermittler viel mehr ein ohne seinen Ruf zu ruinieren.
winro 19.01.2018
5. Nachtrag zu Betrügerisch
https://mobil.stern.de/tv/ticketplattform-viagogo--verbraucherschuetzer-warnen-vor-abzocke-7356434.html Diese Plattform stand schon öfter in der Kritik! Der Artikel ist von März 2017
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