Irans Hoffnungsträger Azmoun Sie nennen ihn Messi

Iran ist einer der großen Außenseiter bei der WM. Doch mit Sardar Azmoun gibt es einen spannenden Spieler im Team. Auch Jérôme Boateng dürfte schlechte Erinnerungen an den Stürmer haben.

Sardar Azmoun feiert ein Tor gegen Syrien
DPA

Sardar Azmoun feiert ein Tor gegen Syrien


Es hätte nicht viel gefehlt, und der Iraner Sardar Azmoun wäre gar kein Fußballer geworden. Als Jugendlicher spielte er noch Volleyball - eine Familientradition: Sein Vater war erst iranischer Nationalspieler und später Vereinstrainer. Er hätte es sicher gern gesehen, wenn auch sein Sohn dabei geblieben wäre.

Doch Sardar Azmoun entschied sich für einen anderen Weg, um berühmt zu werden. Der 23-Jährige wurde Fußballer - und jetzt Irans WM-Hoffnung bei der WM. Als Stürmer soll er für den Auftaktsieg gegen Marokko sorgen (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Im Land des WM-Gastgebers verdient Azmoun heute auch sein Geld. Seit fünfeinhalb Jahren ist er in Russland, mit Rubin Kazan und dem FK Rostov spielte er auch schon in der Champions League, schoss Tore gegen Atlético Madrid und gegen Bayern München. Schon bald bekam er den Spitznamen "Iranischer Messi".

Die Aufmerksamkeit in seiner Heimat ist seitdem noch größer geworden. Irans Fußballfans hoffen, dass ihr Land erstmals die Vorrunde übersteht. Doch bei Gruppengegnern wie Spanien, Portugal und Marokko dürfte das eine Illusion bleiben.

Irans Sardar Azmoun beim Freundschaftsspiel gegen Russland
AP

Irans Sardar Azmoun beim Freundschaftsspiel gegen Russland

Die Scouts sollen Azmoun bereits auf ihrer Beobachtungsliste haben. In britischen Medien wird bereits spekuliert, ob der Stürmer nach der WM zu Celtic Glasgow oder zu den Wolverhampton Wanderers wechselt. Auch die Fans dürfen sich auf ihn freuen.

Natürlich ist Azmoun trotz seiner 23 Tore in 31 Länderspielen nicht so stark wie Lionel Messi. Doch er kann genauso elegant dribbeln wie der Superstar der Argentinier. Mit seinem Tempo und seiner Technik ist er eine Gefahr für viele Abwehrreihen: Mit dem FK Rostov gewann Azmoun 2016 in der Vorrunde der Champions League 3:2 gegen Bayern München. Deren Verteidiger Jérôme Boateng wurde nach einer Stunde wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt.

Als Rostov kurz vor der Pause durch Azmoun zum 1:1 ausglich, hatte er zuvor Boateng mit einem Schlenker ausgetrickst. Aktionen wie diese sorgten für die Vergleiche mit Messi. Er hat die Fähigkeit, freie Räume zu sehen oder zu öffnen, sei es mit Pässen oder Laufwegen, die seine Gegenspieler Sekunden später noch nicht erkannt haben. Er kann Gegenspieler mit einer Körpertäuschung ins Leere schicken und hat ein grandioses Kopfballspiel.

Azmoun nach seinem Tor gegen Bayern
Getty Images

Azmoun nach seinem Tor gegen Bayern

Warum dieser hochbegabte Spieler noch nicht bei einem internationalen Top-Klub spielt? Seine Torquote ist mit 29 Treffern in 115 Spielen in der russischen Liga höchstens durchschnittlich. Er leistet sich mitunter schwere individuelle Fehler. Kurz: Azmoun fehlt die Konstanz.

"Azmoun steht an einem entscheidenden Punkt in seiner Karriere", sagt der russische Journalist Toke Theilade. "Er muss bald den nächsten Schritt in seiner Entwicklung nehmen, sonst wird man ihn irgendwann als eines dieser Talente in Erinnerung behalten, die ihr Potenzial nie ganz ausgeschöpft haben."

Vielen Iranern würde es schon reichen, wenn Azmoun der Nachfolger von Ali Daei, dem wohl besten Fußballer in der Geschichte ihres Landes, würde. Dieser spielte in den Neunzigerjahren und frühen Nullerjahren in der Bundesliga, ein Jahr sogar für die Bayern. Für Iran erzielte er in 149 Länderspielen 109 Tore. Mehr Treffer hat kein anderer Spieler jemals für sein Land erzielt.

Nur eins gelang Daei nicht: ein Tor bei einer WM. Vielleicht schafft das Azmoun. Auftaktgegner Marokko ist zumindest keine Übermacht.



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ruswelt 15.06.2018
1. Messi?
Der Lionel Messi? Vom glorreichen FC Barcelona? Messi ist Messi, da können die Iranischen Fans jubeln wie sie wollen. Auch wenn er genauso gut wäre wie Messi ist König Fussball ein Mannschaftssport wo alle bzw. wenigstens 5-7 Spieler mitziehen müssen damit sich der Erfolg einstellt. Siehe Salah und Ägypten. Iran, Ägypten Vorrunde raus.
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