Technikeinsatz bei der WM 2018 Generation Tablet-Trainer

Im Fußball hat das Wort Laptop-Trainer einen spöttischen Beiklang. Dabei wird Technik für Trainer immer wichtiger, wie die WM in Russland zeigen wird. DFB-Manager Bierhoff glaubt sogar an mehr Gerechtigkeit.

Miroslav Klose, Thomas Schneider, Joachim Löw, Andreas Köpke, Marcus Sorg und Oliver Bierhoff  (v.l.n.r.)
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Miroslav Klose, Thomas Schneider, Joachim Löw, Andreas Köpke, Marcus Sorg und Oliver Bierhoff (v.l.n.r.)

Aus Eppan/Italien berichtet


Die DFB-Akademie ist das Vorzeigeprojekt des Deutschen Fußball-Bunds. Daher muss auch ein möglichst schwärmerischer Beiname her. Erst war es ein Leuchtturm, aber das reicht bei den internationalen Ambitionen des DFB nicht mehr. Oliver Bierhoff, der DFB-Sportdirektor, spricht daher neuerdings gerne vom "Silicon Valley" des deutschen Fußballs.

Wie das echte Silicon Valley in Kalifornien aussieht, das hat sich der Nationalmannschaftsmanager im März angeschaut. Er hat Google und Apple besucht, an der Stanford University einen Vortrag gehalten, bei der Basketballliga NBA vorbeigeschaut. Und er hat mit Interesse verfolgt, wie in Übersee die Trainer während der Spiele kommunizieren.

Was im US-Sport, zum Beispiel in der Footballliga NFL, seit Jahren gang und gäbe ist, hat die Fifa erst im Jahr 2018 für ein WM-Turnier erlaubt: Den Einsatz von Headsets bei den Trainern, die direkte Kommunikation von der Tribüne auf die Trainerbank. Auch der DFB will dies im Turnier nutzen und "den technologischen Wettbewerbsvorteil nutzen", wie Bierhoff das nennt.

Oliver Bierhoff
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Oliver Bierhoff

Bisher lief es beim DFB so ab: Marcus Sorg, einer der beiden Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw, sitzt während der Länderspiele auf der Tribüne. Er versucht, Eindrücke zu sammeln, die man unten auf der Bank nicht so gut erkennen kann wie oben auf den Rängen. In der Pause eilt Sorg dann in die Kabine und teilt seinem Chef die Erkenntnisse mit.

"Das wird künftig natürlich noch direkter und schneller möglich sein", sagt Sorg. Bei der WM sitzt er mit dem Headset oben im Stadion, funkt seine Einblicke sofort an Thomas Schneider, den anderen Löw-Assistenten. Beide sind mit Tablets ausgerüstet, Schneider kann das, was Sorg ihm mitteilt, sofort verarbeiten und es an Löw weiterreichen. Der Bundestrainer selbst wird aber weiter ohne Headset zu sehen sein.

Bisher hatte sich die Fifa noch gesperrt

"Wir müssen natürlich aufpassen, dass das weiterhin gut sortiert passiert, wir können die Spieler auch nicht mit zu vielen Informationen füttern", sagt Sorg. Es gehe um "kurze, einfache, komprimierte Anweisungen", sagt der ehemalige Coach des SC Freiburg. "Wir werden sicher nicht jeden falschen Pass korrigieren, es geht eher um taktische Parameter", sagt sein Trainerkollege Schneider.

Schiedsrichter Daniel Siebert kommuniziert via Headset
DPA

Schiedsrichter Daniel Siebert kommuniziert via Headset

Bisher hatte sich der Fußballweltverband Fifa noch dagegen gesperrt, die Trainerbank zur digitalen Zone zu machen. Lediglich die Schiedsrichter waren bislang mit Headsets zur Live-Kommunikation ausgestattet - was die Entscheidungsfindung der Referees erleichtert, Fehler allerdings auch nicht ausschließt.

Wo in anderen Sportarten wie Hockey oder Volleyball das Tablet längst zum Ausrüstungsgegenstand an der Seitenlinie gehört, war im Fußball der Arztkoffer noch das Modernste, was an der Trainerbank herumstand. Ab jetzt wird das anders. Das Turnier in Russland wird aus technischer Sicht sozusagen eine WM 2.0.

Künstliche Intelligenz als Zukunftsmodell

Aus Sicht von Bierhoff, von jeher der Technikaffine in der DFB-Spitze, ist das erst der Anfang. "Moderne digitale Technologien, Big Data, Künstliche Intelligenz, all das wird künftig eine große Rolle spielen", sagt er und fügt gleich mal an: "Im traditionellen Fußball hören das die Leute nicht gerne." In einer Sportart, in der das Wort Laptop-Trainer immer noch einen spöttischen Beiklang hat.

Dabei werde die Technik radikaler einschreiten, als sich das viele jetzt noch vorstellen: "Die Rolle des Cheftrainers wird sich verändern", sagt Bierhoff. Er werde "immer mehr zum Leader, zum Manager eines Expertenteams um ihn herum", Fachleute, "die vielleicht nicht so gut vor der Kamera sind oder sich verkaufen können", aber dafür mit Daten randvoll sind. Der Nerd als Fußballcoach.

Den Fußball, so prophezeit Bierhoff, werde das möglicherweise sogar wieder gerechter, flexibler machen. Vereine, die personell weniger stark besetzt sind, könnten dies durch Technologie wettmachen, glaubt der Manager.

Die Technik als Gleichmacher im Fußball - wenn es auch nicht eintreffen sollte, hört es sich zumindest schön an.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
volkerrachow 31.05.2018
1. So isser, der Bierhoff
Der Unsymphat von "Die Mannschaft". Macht aus jeder Ecke eine aalglatte Rundung. Ein Showmaker vor dem Herrn. Der verkauft für seine "Karriere" selbst seine Mutter. Und das nicht erst in allerletzter Not. Zu Grundschulzeiten hätte der in jeder Pause unsere Liebe gespürt. Wenn der mal geht, wied ihn niemand vermissen.
ludna 31.05.2018
2. Am Ende spielen immer noch 22 Menschen,
ohne digitale Technik.
frau_m_aus_d_an_der_e 31.05.2018
3. FC Silicon
Geld schießt keine Tore und Technik auch nicht. Und wenn doch, dann können sich Vereine mit mehr Geld mehr und bessere Technik leisten. Vielleicht schafft es ja das Silicon Valley, den Fußball endlich unattraktiv und langweilig zu machen - das Zeug dazu haben sie.
anonym187 31.05.2018
4. viele Entscheidungen geschehen nach Instinkte
Daten sammeln war immer in einem Wettkampf wochtig, egal welche Mittelb hierfür benutzt wurden. Aber Entscheidungen können nicht immer nach Statistik entschieden werden, hierzu gehört Spitzengefühl und viel Erfahrung dazu um die richtige Entscheidungen zu treffen!
laberbacke08/15 31.05.2018
5.
wird das dann auch uebertragen? Bei der F1 kann man den Boxenfunk ja auch mithoeren, beim Rugby wird der Schiri live ins Stadion und imTV uebertragen etc.
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