Sperre ausgesetzt Guerrero darf doch bei WM auflaufen

Der wegen Dopings gesperrte Paolo Guerrero darf Peru doch bei der WM anführen - weil das Turnier "die Krönung seiner Fußballerkarriere darstellen wird", heißt es in der Begründung des Schweizer Bundesgerichts.

Paolo Guerrero (Archivbild)
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Paolo Guerrero (Archivbild)


Paolo Guerrero darf nach langem Rechtsstreit an der Fußball-WM in Russland teilnehmen. Der peruanische Stürmer erreichte vor dem Schweizer Bundesgericht eine provisorische Aussetzung der vom Internationalen Sportgerichtshof Cas verhängten Dopingsperre, die die Teilnahme des Kapitäns an der für Peru ersten WM seit 1982 eigentlich verhindert hätte.

Das Bundesgericht habe bei seiner Entscheidung "den diversen Nachteilen Rechnung getragen, die der bereits 34 Jahre alte Fußballspieler erleiden würde, wenn er nicht an einer Veranstaltung teilnehmen könnte, welche die Krönung seiner Fußballerkarriere darstellen wird", heißt es in der Gerichtserklärung. Zudem habe man berücksichtigt, dass Guerrero nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt habe.

Die Fifa und die Wada hätten zudem "beide ein Verhalten gezeigt, aus dem geschlossen werden darf, dass sie nicht kategorisch gegen eine Teilnahme des Beschwerdeführers an der WM sind". Über die Sperre an sich, gegen die Guerrero ebenfalls Beschwerde eingereicht hat, wurde noch nicht entschieden, sondern allein über Aufschiebung.

"Pure Gerechtigkeit"

"Diese Entscheidung empfinde ich als pure Gerechtigkeit", sagte Guerrero: "Ich muss mich ausdrücklich beim Gericht bedanken." Zuletzt hatte der Stürmer sogar bei Fifa-Präsident Gianni Infantino vorgesprochen. Die Unterstützung war groß: Die Nationalmannschaftskapitäne der Gruppengegner, Hugo Lloris (Frankreich), Mike Jedinak (Australien) und Simon Kjaer (Dänemark) plädierten in einem offenen Brief für die Aussetzung der Sperre. Auch die internationale Spielervereinigung FIFPro teilte mit, das höhere Strafmaß sei "unfair und unverhältnismäßig".

Guerrero war im Oktober 2017 bei einer Dopingkontrolle nach dem 0:0 im Qualifikationsspiel gegen Argentinien positiv getestet worden. Der Weltverband FIFA hatte den 34-Jährigen zuletzt nur für sechs Monate aus dem Verkehr gezogen, wogegen die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada aber Einspruch beim Cas eingelegt hatte.

Die höchste sportrechtliche Instanz verhängte dann eine 14-monatige Sperre. Auch weil der Cas aber bislang keine Begründung des Urteils verschickte, entschied das Bundesgericht die Aufschiebung der Sanktion. Der Cas wird der Aussetzung der Sperre nicht widersprechen, hatte der Internationale Sportgerichtshof bereits zuvor mitgeteilt.

sak/sid/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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citizen01 31.05.2018
1. Amtsführung nach Bauchgefühl, vielleicht gab' auch mal ein Trauma
beim Fußballer. Vorbilder eben.
vaikl 31.05.2018
2. Mit dieser "Begründung"...
...sind Doping-Verbote zukünftig Schall und Rauch, überflüssig wie ein Kropf. Tschüss Leistungssport!
whitewisent 31.05.2018
3.
Naja, manchmal ist die Justiz doch nahe am Puls der Zeit. Zur Rechtsstaatlichkeit gehören nun mal auch Prozessbeteiligte, die sich an die Regeln halten. Die 6-Monatssperre war die Sanktion, welche üblich ist. Ein nicht rechtskräftiges Urteil der CAS kann nicht dazu führen, ihm die WM zu verweigern, denn das ist unumkehrbar. Wenn die CAS im September dann die 14 Monate rechtssicher macht, ist immer noch genug Zeit, die restliche 8 Monate davon abzusetzen. Das Ganze zeigt nur, wie irrwitzig es heutzutage noch ist, eine angebliche Sportgerichtsbarkeit parallel zu den staatlichen Institutionen zu pflegen. Das mag bei Randsportarten noch nützlich sein, um Prozesskosten zu sparen, aber im Milliardengeschäft Fußball hat das nichts verloren, wenn wie hier die simpelsten Grundsätze von Rechtsstaatlichkeit und Fairness verletzt werden.
qgg100 31.05.2018
4. Richtig so !
...von den anderen ist doch wahrscheinlich auch der größere Teil gedopt ! Ist halt Porfi-Showgeschäft, und "Die Stones" haben auch seit 50 Jahren keine Show ohne "Mittelchen" geboten - und keinen hat es gekümmert ! Außerdem gilt (jeder nimmt's, keinem nutzt's) zusätzlich der unsterbliche Satz von Theo -der falsche- Fuffziger "Doping, das bringt im Fußball nichts" !
dschiseskreist 01.06.2018
5. Bin gerade in Peru
Hier läuft nichts anderes im Fernsehen den ganzen Tag. Der Mann hat vermutlich einen Cocatee getrunken oder die Blätter gekaut wie es hier in großen Teilen der Bevölkerung üblich ist. Gerne auch bei Familienfeiern. Daraus so ein Ding zu machen und ihn nicht spielen zu lassen war Unsinn. Die Aussetzung der Sperre ist gut und ich freue mich für und auf Peru bei der WM. Suerte!
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