Fußball-WM 2018 Russland verweigert ARD-Doping-Experte Seppelt die Einreise

ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt darf nicht zur Fußball-WM nach Russland reisen. Der 55-Jährige stehe auf der Liste der "unerwünschten Personen", teilte der TV-Sender mit.

Hajo Seppelt
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Hajo Seppelt


Hajo Seppelt wird die Einreise anlässlich der Berichterstattung über die Fußball-WM in Russland vom Gastgeberland verweigert. Das vom SWR für den ARD-Doping-Experten beantragte Visum ist für ungültig erklärt worden. Der 55-Jährige stehe demnach auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen" und könne deshalb nicht einreisen. Weitere Angaben wurden nicht gemacht.

ARD-Programmdirektor Volker Herres reagierte verärgert auf den Vorgang: "Mit großem Unverständnis habe ich zur Kenntnis genommen, dass Hajo Seppelt die Einreise zur Fußball-WM nach Russland verweigert werden soll." Für Herres sei das "kein Zeichen von Respekt vor der Tätigkeit eines investigativen Journalisten, sondern eher dafür, dass man unangenehmen Themen gegenüber lieber die Augen schließt."

Mehrfacher Preisträger

Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 in der ARD ausgestrahlt werden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Arbeitsschwerpunkte des 55-jährigen Berliners sind die Themen Doping, Sportpolitik und Olympia. Zuletzt sorgte er vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea im Februar mit Beiträgen über das mutmaßliche Staatsdoping in Russland und die Manipulationsmöglichkeiten an Dopingprobenbehältern für Aufsehen. Im März verlängerte die ARD den Vertrag mit dem Autor.

Der vielfach ausgezeichnete Journalist hat 2016 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis bekommen, weil er nach Auffassung der Jury "Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke" bringt und "heftigen Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse" provoziert. Für seine Sportsendungen "Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik" und "Wie Russland seine Sieger macht" (beide ARD) war Seppelt der Deutsche Fernsehpreis (Kategorie Sportsendung) verliehen worden.

Die Fifa hat zudem bestätigt, Seppelt die Akkreditierung für das WM-Turnier in Russland gewährt zu haben. Das teilte der Fußball-Weltverband auf dpa-Anfrage mit. Die Pressefreiheit sei für die Fifa von überragender Wichtigkeit: "Wir streben immer an, Medienvertretern die besten Voraussetzungen zur Berichterstattung über alle Fifa-Turniere zu bieten."

mru/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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cmann 11.05.2018
1. War zu erwarten!
Seppelt hat den Russen mit seinen Enthüllungen und Belegen über Manipulationen vielfältigster Art kräftig vors Schienbein getreten. Das die nun die Möglichkeit ihn von der WM auszuschließen nutzen ist nach deren Verständnis nur logisch. Es wäre naiv zu Glauben das die Funktionäre von "Putins Gnaden" nach den bisherunwiderlegbaren Beweisen Seppelt eine Akkreditierung ausstellen würden.
mathematissima 11.05.2018
2. Welche Ehre!
Ein größeres Kompliment hätte Russland Hajo Seppelt kaum machen können. Ist den russischen Veranwortlichen wirklich nicht bewusst, dass deutsche Journalisten durchaus im Team arbeiten?
jallajalla 11.05.2018
3. Niemand sollte dorthin fahren
In der politischen Berichterstattung ist es üblich, dass sich Jornalisten mit Kollegen solidarisieren, wenn diese in der Ausübung ihrer Tätigkeit behindert werden. Für Seppelt würde das heißen: wenn er nicht einreisen darf, reist auch kein anderer Journalist des ÖR zur WM. Aber in der Sportberichterstattung gibt es scheinbar kein Berufsethos.
ray8 11.05.2018
4. Nicht hinnehmen!
Seppelts Recherchen wurden meines Wissens nach nie widerlegt. Das darf der DFB, die ARD, die Regierung und insbesondere der Journalistenverband nicht hinnehmen! Wie wär‘s mit Boykott ähnlich der AfD-PK kürzlich...?
salomohn 11.05.2018
5. Disqualifikation
Früher habe ich mich mit dem Freundeskreis auf Sportereignisse wie die WM gefreut. Heute wende ich mich ab, mit Grausen. Sollen die Geldgeier ihre Maschine ohne "Normalos" wie mich am Laufen halten. Ihr Renomme haben die Funktionäre und dopenden Länder längst verspielt.
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