Turnier 2022 in Katar Die eiskalte WM

Fanmeilen auf Weihnachtsmärkten, Chaos im Bundesliga-Spielplan, Frust bei Skifans: Der avisierte Termin für die Fußballweltmeisterschaft 2022 hat Folgen. Einige sind derzeit unüberschaubar. Szenarien zur Winter-WM in Katar.

Stadion Al Wakrah (Computersimulation): Neuer Termin, neue Probleme
AP/ Qatars Supreme Committee for Delivery & Legacy

Stadion Al Wakrah (Computersimulation): Neuer Termin, neue Probleme


Das Wichtigste zuerst: Ja, das Public Viewing steigt dann wohl tatsächlich auf dem Weihnachtsmarkt. Bei Glühwein und Spritzgebäck. Mit der Empfehlung der Fifa-Arbeitsgruppe, die Fußball-WM 2022 in Katar auf die Monate November und Dezember zu verlegen, nimmt die Revolution langsam konkrete Formen an. Ein kontinentales Fußballturnier im Winter - das gab es noch nie. Zumindest im deutschen Winter nicht.

Und wie das so ist mit großen Neuerungen: Die Folgen für Fußballer, Ligen und Verbände sind längst noch nicht so absehbar wie jene für Fans und die zu erwartenden Rangeleien am Bratwurststand in den Halbzeitpausen. Die wichtigsten Szenarien im Überblick.

Probleme in Europas Ligen

Zu den unumstößlichen Regeln im deutschen Fußballkalender zählt: Im November und Dezember wird gespielt. Das wird 2022 anders sein. Die Bundesliga müsste ihre "Winterpause" wohl schon im Oktober einlegen. Nach einem WM-Trainingslager und dem Turnier selbst sowie den nötigen Ruhepausen für die Nationalspieler müsste die Saison im folgenden Sommer wohl bis weit in den Juni gespielt werden. Das gilt auch für die anderen europäischen Top-Ligen. Besonders hart dürfte es die englische Premier League treffen. Dort ist der "Boxing Day" am 26. Dezember zentraler Bestandteil der Fußballkultur - und des milliardenschweren TV-Deals der Liga mit den Sendeanstalten. Logisch, dass die Empfehlung der Fifa dort auf wenig Gegenliebe stößt.

Probleme für die Champions League

Das Premium-Produkt des Europäischen Fußballverbandes Uefa, die Champions League, und ihr weniger attraktiver Bruder, die Europa League, stehen vor ähnlichen Einschnitten. Normalerweise entscheidet sich dort im Herbst, wer die Gruppenphasen übersteht und sich für die lukrativen K.-o.-Spiele qualifiziert. Ein Alternativplan? Könnte im Februar 2023 eine Art "Druckbetankung" mit den restlichen Gruppenspielen vorsehen. Und Endspiele dann im Hochsommer 2023.

Probleme im WM-Spielplan

Die eigentliche Farce. Um einige Tage könnte die WM in Katar kürzer werden, so hieß es von der Fifa am Dienstag. Bei gleicher WM-Teilnehmerzahl (32) kommt auf die Nationalspieler so eine echte Belastungsprobe zu. Denkbar sind eine größere Anzahl von Gruppenspielen an einem Tag als bisher (maximal vier) und (damit) noch weniger Pausen zwischen den Partien. Und dann ist da noch der mögliche Finaltermin: der 23. Dezember, ein Tag vor Heiligabend. Immerhin dürften die Anstoßzeiten für das deutsche Fernsehpublikum erträglich sein. Der Zeitunterschied zu Katar beträgt nur zwei Stunden.

Und was ist eigentlich mit dem Wintersport?

Das egoistische Vorgehen der Fifa ärgere ihn, sagte der Chef des Skiweltverbands Fis, Gian Franco Kasper, bereits vor Wochen. Für den Weltfußball-Präsidenten Joseph "Sepp" Blatter sei "der Wintersport nicht existent", kritisierte er angesichts der Überlegungen, die WM in den Winter zu verlegen. Das ist nun Gewissheit. Zwar kollidiert das Turnier nun nicht mit den Winterspielen, doch im November und Dezember laufen die Weltcups.

Der avisierte Wintertermin rief beim Deutschen Skiverband (DSV) Kritik hervor. "Dass es hier zu Interessenkollisionen kommen wird, liegt auf der Hand. Insofern ist es für uns nach wie vor unverständlich, dass sich die Fifa erst zu einem so späten Zeitpunkt Gedanken darüber macht, welche klimatischen Verhältnisse in Katar herrschen", sagte DSV-Präsident Franz Steinle am Rande der nordischen Ski-WM in Falun: "Zu der Zeit finden bereits zahlreiche hochkarätige Skisport-Veranstaltungen statt." Die werden bisher von ARD und ZDF übertragen. Das Interesse am Wintersport dürfte während der Fußballweltmeisterschaft allerdings dramatisch sinken.

WM-Motto

Kein Turnier ohne Motto. Zuletzt in Brasilien war die deutsche Nationalmannschaft "Bereit wie nie". Man darf sich jetzt schon auf die Ideen für die WM in Katar freuen. Winterzauber? Weihnachtstraum? Oder einfach irgendwas mit "Bescherung"?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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missbrauchtewähler 24.02.2015
1. Da der Endspielteilnehmer Katar
ohnehin gesetzt ist - wie bereits in der Handball-WM zu sehen war - muss ich mir den übrigen Mist dann nicht mehr antun. Stadien, gegründet auf Sklavenarbeit hab ich mir auch zuletzt mit dem Kolosseum in Rom angesehen. Da benötige ich auch keine moderne Version.
lini71 24.02.2015
2. Und
"Public Viewing" dann mit Winterjacken... Ob die wohl von Adidas gesponsert, an alle auf der Fanmeile verteilt werden? Und bei den Autokorsos auf dem Autodach sitzen, wird dann auch ar....kalt. Wieso geht mir gerade Obelix nicht aus dem Kopf.. "die spinnen, die..."
drittaccount 24.02.2015
3. Wieso Frust bei Ski-Fans?
Ganz im Gegenteil werde ich mich bemühen keine einzige Wintersportsendung in dieser Zeit zu verpassen und ganz sicher abschalten, sobald Fußball aus diesem mittelalterlichen Terrorunterstützerstaat gesendet wird.
holy10 24.02.2015
4. alles halb so wild
Wo ist eigentlich das Problem? Eine WM ist eine Veranstaltung die für die ganz Welt interresant ist. Da sollt sich Europa und erst recht Deutschland mal nicht so aufspulen. Der Bundesligaplan und die Wintersportübertragungen leiden? Na wenn das so ein gewichtiges Problem ist, dann schickt einfach keine deutsche Mannschaft hin und übertragt das Turnier nicht. Ansonsten sollte man mal seine Überheblichkeit im Zaum halten und sich daran orientieren was der Veranstalter eines solchen Turniers sagt.
flosse66 24.02.2015
5.
WM bis kurz vor Weihnachten ist doch Murks! Public Viewing kann man sich abschminken, die europäischen Ligen werden verstückelt und hinfliegen wird auch kaum einer. Die Vergabe an Katar war eine bezahlte, also soll die FIFA auch entsprechend blechen und mit den finanziellen Konsequenzen leben. Blechen für die Vereine und ihre finanziellen Ausfälle und leere Stadien bei der WM. Da hat mal wieder niemand mitgedacht, bzw. nur mit der Schmiergeldtasche gedacht. Es wäre konsequent, wenn die UEFA ihren üblichen Spielplan beibehält und den Nationalspielern keine Vereinsfreigabe ersteilt. Wer sagt denn, dass Leute wie Neymar, Robben, Ribery oder Ronaldo spielen müssen? Jedes Land kann auch eine Amateurmannschaft aufstellen. Beim Eishockey ist das ja nicht anders, da kommen manche Spieler erst nach, wenn ihr Team beim Stanley-Cup ausgeschieden ist. Vielleicht ist das ja insgeheim die Hoffnung der Wüstenscheichs, denn gegen europäische Amateuere hätte man vielleicht ja noch ne Schnitte....
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