Fifa-Boss Infantino und die WM 2026 Führt ihn zum Schotter

Die Weltmeisterschaft 2026 findet in Kanada, Mexiko und den USA statt. Für Fifa-Präsident Infantino war diese Entscheidung wichtig - er hat Erfolge dringend nötig.

Gianni Infantino
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Gianni Infantino

Aus Moskau berichtet


Begeisterung kommt nicht so schnell auf bei einem Fifa-Kongress. Bei der 68. Auflage dieser Konferenz am Mittwoch im Moskauer Expocentre zog es sich denn auch bis zum Höhepunkt, der Wahl des Ausrichters der Fußball-WM 2026.

Er mussten Protokolle genehmigt, Finanzberichte erklärt oder Statuten verändert werden. Da hat es auch ein multilingualer Präsident wie Gianni Infantino, der spielend zwischen Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch hin- und herwechseln kann, nicht leicht. Die wenigen Pointen in seinen Redebeiträgen konnten die Atmosphäre nicht auflockern.

Umso zufriedener war Infantino kurz vor 14 Uhr Ortszeit, als er das Abstimmungsergebnis verkünden konnte. Von den 203 wahlberechtigten Fifa-Mitgliedsländern hatten 134 für die gemeinsame Bewerbung von Kanada, Mexiko und den USA gestimmt, Gegenpart Marokko erhielt 65 Stimmen. "Heute sitzt ein glücklicher Präsident vor Ihnen", sagte Infantino Minuten später. Der 48-Jährige ist zur Neutralität verpflichtet, doch es ist ein offenes Geheimnis, welchen Gastgeber er präferierte.

Die Fifa hatte in den vergangenen Monaten sogar versucht, Marokko die Zulassung für die Wahl zu verweigern - und so etwas geschieht im Weltverband nicht an Infantino vorbei. Zwei Tage vor dem Kongress hatte das Fifa-Council die Bewerbung des Außenseiters dann aber endgültig zugelassen. Für Infantino stand viel auf dem Spiel, ein marokkanischer Erfolg hätte eine weitere Schwächung des Fifa-Präsidenten zur Folge gehabt.

Die Milliarden müssen fließen

Denn auch wenn Infantino auf dem Kongress die Zukunft der Fifa in rosigen Buchstaben malte, spürt der seit knapp zweieinhalb Jahren amtierende Präsident Gegenwind, zum Beispiel wegen seiner umstrittenen Personalpolitik. Unliebsame Kritiker wie der ehemalige Chef der Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, dessen Chefankläger Cornel Borbely oder Compliance-Kontrolleur Miguel Maduro wurden unter fadenscheinigen Begründungen entmachtet. Infantino baut sich die Fifa so, wie es ihm gefällt.

Im Mittelpunkt seines Interesses steht die finanzielle Ausstattung des Weltverbands. Zum einen steht noch nicht fest, was auf die Fifa im Zuge der Korruptionsprozesse in den USA und der Schweiz zukommt. Zudem wurde Infantino 2016 auch an die Spitze gewählt, weil er kleineren Verbände teure Wahlversprechen gab. Das will finanziert sein, auch wenn die Finanzreserven jährlich geringer werden und die Schwierigkeit, Sponsoren zu finden, größer.

Und so ist es nachvollziehbar, dass Infantino die nordamerikanische Bewerbung für das Turnier in acht Jahren bevorzugte. Das Ländertrio, auf politischer Ebene momentan nicht in großer Freundschaft vereint, garantiert der Fifa Gewinne in Höhe von 14,6 Milliarden US-Dollar, doppelt so viel wie Marokko.

Gianni Infantino (links), Wladimir Putin
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Gianni Infantino (links), Wladimir Putin

2026 wird die Weltmeisterschaft dann erstmals mit 48 Mannschaften ausgetragen. Was die fußballerische Qualität erneut verwässern wird, ist für Infantino der richtige Schritt. "Der Fußball wird nicht leiden", sagte der Schweizer, "die Begeisterung in den teilnehmenden Ländern wird riesig sein." Es werden dann 80 statt 64 Spiele ausgetragen - mehr Spiele mehren die Einnahmen. Deshalb wollte Infantino die Aufstockung bereits für 2022 in Katar erwirken - doch hier wurde er vom Fifa-Council gestoppt. Wie beim vorerst auf Eis gelegten 25-Milliarden-Dollar-Angebot für eine Klub-WM. Infantinos Alleingänge werden zusehends negativ bewertet.

Kritik perlt an Infantino trotzdem ab wie Wasser an einem frisch gewachsten Auto. Als er nach den Ermittlungen der Ethikkommission gegen seine Generalsekretärin Fatma Samoura wegen einer angeblich verschwiegenen familiären Verbindung ins marokkanische Bewerbungskomitee gefragt wurde, ging er inhaltlich überhaupt nicht darauf ein. "Einige versuchen ja immer, das Haar in der Suppe zu finden", sagte Infantino: "Wir sollten versuchen, uns auf das Positive zu konzentrieren."

Putin bekommt Standing Ovations

Marokko wurden zwischenzeitlich auch gute Chancen eingeräumt, weil US-Präsident Donald Trump mit abfälligen Bemerkungen diverse Länder gegen sich aufgebracht hatte. Politische Einflussnahme fürchtet Infantino in den kommenden acht Jahren trotzdem nicht. "Ich mache mir keinerlei Sorgen", sagte er: "Ich habe keine Politiker gesehen, die Lobbyarbeit betrieben haben."

Da wundert es nicht, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Lethargie des Kongresses für wenige Minuten unterbrechen durfte. "Herzlich Willkommen in Russland", sagte Putin in seiner kurzen Rede an die Delegierten: "Unser Land ist bereit, alles wird reibungslos funktionieren." Im Anschluss gab es Standing Ovations, einen Fifa-Wimpel von Infantino samt herzlicher Verabschiedung. Best Buddys halt.

Am Ende des Kongresses verkündete Infantino wenig überraschend noch seine Kandidatur für die kommende Amtszeit, 2019 will der Präsident in Paris wiedergewählt werden. Dafür war die Wahl der WM-Gastgeber 2026 ein wichtiger Schritt.

Infantino ist auch ein Gewinner des 68. Fifa-Kongresses.

insgesamt 8 Beiträge
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Sal.Paradies 13.06.2018
1. Im Nachgang ein schlechter Tausch
Im Gegensatz zu Infantino hatte man bei S.Blatter noch das Gefühl, dass es ihm auch um Fussball ging. Bei Infantino hat man immer das Gefühl, da wurde ein Bankster installiert, um die Kuh noch mehr zu melken. Wie konnten alle Menschen glauben, dieser Kerl wäre eine Verbesserungen zum alten Blatter? Der Typ hat mit Fussball rein gar nix am Hut, der denkt den ganzen Tag darüber nach, wie er seine und die Taschen seiner Freunde voll machen kann. Ein echter Unsympath und ich gehe davon aus, dass wir diesen Typen leider noch länger ertragen müssen....
RalfHenrichs 13.06.2018
2. Richtige Entscheidung
Ich finde die Entscheidung auf 48 Teams und 80 Spiele aufzustocken falsch. Aber diese falsche Entscheidung ist vorher getroffen worden. Wie hätte Marokko eine WM unter solchen Bedingungen durchführen sollen? Es gibt kaum Stadien, schlechte Infraktruktur etc., was alles erstellt werden müssen und anschließend leer gestanden wäre. Beim nächsten Mal sollten dann alle nordafrikanischen Staaten gemeinsam antreten. Nach dieser Entscheidung sollte es möglich sein und wäre ein interessantes Bild. Das wäre dann vielleicht auch durchführbar.
Augustusrex 13.06.2018
3. Nichts ist besser
Mit der Entmachtung und Ablösung von Blatter und seinen Spießgesellen hat sich da nichts gebessert. Es gilt wie so oft: "Die Tröge bleiben die gleichen, nur die Schweine sind neu."
alt-nassauer 13.06.2018
4. Bedeutet für mich...
das ich in Zukunft noch mehr, den Fußball und Sport generell "misstraue" . Damit ist verbunden, eben kein Sport mehr zu schauen und größere Konsequenz sehr viele Produkte die im Zusammenhang Sport/Fußball stehen erst gar nicht mehr einkaufen werde. Meine Euro´s bekommen keine Sponsoren mehr die sich Funktionären und Verbände so an biedern. Ich bin angewidert vor soviel "Unehrenhaftes" und ich schreibe es besser nicht. Aber ihr "Verhalten" so ist, das die Akteure mindestens für 10 Jahre in den Bau gehören...
gandhiforever 13.06.2018
5. Logo
Eine WM in Nordamerika spuelt der FIFA mehr Geld in die Kassen als eine solche im Koenigreich Marokko. Deshalb war Infantino auch gegen die nordafrikanische Bewerbung, wollte sie blockieren. Eine Task Force wurde eingesetzt, um diese Bewerbung zu verhindern. Am Schluss, als dieser Schritt gescheitert war, legte diese Task Force aber einen Bericht vor, der natuerlich die nordamerikanische Bewerbung in allen Toenen lobte. Es ist bedauerlich, dass der Sport dem Geld geopfert wird. Bald wird dann auch der WM-Sieger nach finanziellen Gesichtspunkten gekuert.
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