Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gastarbeiter in Katar: Erneut Dutzende Tote auf WM-Baustellen

Der internationale Protest verpufft offenbar. Laut "Guardian" sind auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 in Katar erneut 36 ausländische Arbeiter ums Leben gekommen. Allein die Zahl der Toten aus Nepal summiert sich bereits auf 185.

Gastarbeiter in Katar: Scheichs lassen sich von Protesten kaum irritieren Zur Großansicht
DPA

Gastarbeiter in Katar: Scheichs lassen sich von Protesten kaum irritieren

London - Die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2022 in Katar fordern weit mehr Menschenleben als bisher bekannt. Neu aufgetauchte Dokumente belegen: Die internationalen Proteste gegen die menschenunwürdigen Bedingungen auf den WM-Baustellen in dem Wüstenland haben nichts bewirkt - es sterben nach wie vor Dutzende ausländischer Arbeiter.

Über die skandalösen Umstände in Katar wurde erstmals im vergangenen September berichtet. In den vier folgenden Monaten registrierten allein die Behörden des Himalaya-Staates Nepal laut "Guardian" 36 Landsleute, die auf katarischen Baustellen den Tod fanden. Insgesamt waren es im Jahr 2013 nach offiziellen Zahlen 185 Nepalesen. Beim Pravasi Nepali Coordination Committee (PNCC), das sich im Auftrag der nepalesischen Regierung um die Rückführung der Toten kümmert, würden allerdings immer noch Fälle gemeldet, die das vergangene Jahr beträfen. Mindestens acht Fälle seien noch in Bearbeitung, was die Zahl auf 193 erhöhen würde.

Die Gesamtzahl der Opfer, die das umstrittene Großereignis inzwischen gefordert hat, dürfte wesentlich höher liegen. Denn die Regierungsdokumente, die dem "Guardian" vorliegen, stammen nur aus Nepal. Die Nepalesen stellen aber lediglich ein Sechstel der insgesamt rund zwei Millionen Mann starken Gastarbeiterarmee in Katar - Tote aus weiteren Nationen sind also sehr wahrscheinlich.

Alarmsignal für die Fifa

Für die Fifa sind diese Zahlen ein Alarmsignal. Denn sie zeigen, dass sich die katarischen Scheichs von den internationalen Protesten kaum irritieren ließen. Sie beuten die Gastarbeiter weiterhin systematisch aus, pferchen sie in armselige Unterkünfte und scheren sich nicht um die Sicherheit auf den WM-Baustellen. Und die Fußballfunktionäre setzen ihnen kaum etwas entgegen.

Im vergangenen September hatte der "Guardian" erstmals über die Missstände auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft berichtet. Allein zwischen Juni und August sollen mindestens 44 ausländische Arbeiter bei Unfällen tödlich verletzt worden sein. Die Zustände hatten international heftige Kritik ausgelöst. In einer Untersuchung über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Gastarbeiter stellte Amnesty International ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" fest und prangerte katastrophale Wohn- und Arbeitsbedingungen, indiskutable Hygienebedingungen, nicht bezahlte Gehälter und Perspektivlosigkeit an.

An Menschenrechtsfragen nicht interessiert

Zunächst schien es auch, als wolle die Regierung in Katar die Missstände abstellen. Die offizielle Nachrichtenagentur QNA berichtete unter Berufung auf Außenministeriumskreise, dem Emirat sei der Schutz von Menschenrechten wichtig. Man arbeite daher daran, diesen durch neue Gesetze und zuständige Institutionen weiter zu verbessern.

Das Ministerium fügte hinzu, dass im Oktober internationale Rechtsanwälte von den Behörden des Landes beauftragt worden seien, einen unabhängigen Bericht über die Situation zu verfassen. Die Untersuchungen sollten auch Vorwürfe einschließen, die im aktuellen Bericht von Amnesty International enthalten sind.

Der Chef des WM-Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, verkündete in der vergangenen Woche via "Bild"-Zeitung erste Erfolge. So sei eine Charta für den Arbeitsschutz entwickelt worden, die mit Human Rights Watch und Amnesty International besprochen worden sei. Bei den Organisationen ist das Papier allerdings bislang nicht angekommen. In der "Süddeutschen Zeitung" dementierten Sprecher beider Organisationen, ein entsprechendes Papier gesehen zu haben.

mik

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es ist an......
curti 25.01.2014
Zitat von sysopDPADer internationale Protest verpufft offenbar wirkungslos. Laut "Guardian" sind auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 in Katar erneut 36 ausländische Arbeiter ums Leben gekommen. Allein die Zahl der Toten aus Nepal summiert sich bereits auf 185. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-in-katar-dutzende-tote-gastarbeiter-auf-baustellen-a-945487.html
....der Zeit, den "Kaiser" in Beugehaft zu nehmen für seine schnöselige Aussage, in Katar sei alles OK und wer anderes behauptet, kann nicht so nah an der Situation gewesen sein wie er. Das diesem Typ auch danach noch bei jeder Gelegenheit Hof und Knicks gemacht wurde, kennzeichnet eine skurille Art von Verkommenheit!
2. Schande
Ptrebisz 25.01.2014
Zitat von sysopDPADer internationale Protest verpufft offenbar wirkungslos. Laut "Guardian" sind auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 in Katar erneut 36 ausländische Arbeiter ums Leben gekommen. Allein die Zahl der Toten aus Nepal summiert sich bereits auf 185. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-in-katar-dutzende-tote-gastarbeiter-auf-baustellen-a-945487.html
Diese Weltmeisterschaft ist mit Menschenblut erkauft. Ich werde mir keines der Spiele angucken können, wenn ich mir noch selbst in den Spiegel schauen will.
3. Boykott
kabobo 25.01.2014
Sollen wir auf noch mehr Tote warten? Boykott !! Ich werde dieser Veranstaltung nicht Folgen und meinem Freundes und Bekanntenkreis ebenfalls dazu auffordern .
4. Zwangsarbeit
sunburn2512 25.01.2014
Gerade in Deutschland sollte man bei diesem Thema sensibler vorgehen. Normalerweise bin ich gegen ein zu große Politisierung von Sport, aber in diesem Fall sind Innenminister und Kanzlerin gefordert. Innenminster, da es sein Resort ist und Kanzlerin, da sie aus ihrer Nähe zur Nationalmannschaft nie einen Hehl gemacht hat. Der DFB ist anscheinend traurigerweise mit der Situation völlig überfordert! Erbärmlich!!!
5. Die WM 2022 boykottieren
prologo1, 25.01.2014
Zitat von sysopDPADer internationale Protest verpufft offenbar wirkungslos. Laut "Guardian" sind auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 in Katar erneut 36 ausländische Arbeiter ums Leben gekommen. Allein die Zahl der Toten aus Nepal summiert sich bereits auf 185. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-in-katar-dutzende-tote-gastarbeiter-auf-baustellen-a-945487.html
Wenn die Fußballfunktionäre fast 200 Sklavenarbeiter zu tode schuften lassen, dann stimmt doch da gar nichts mehr. Diese Funktionäre gehören abgesetzt. Das hat doch mit Sport rein gar nicht mehr zu tun. Wo bleibt der Aufschrei aller christlichen, menschenrechtlichen Organisationen, diesen Wahnsinn zu beenden!! Auch die Fußballer sollten sich zusammenschließen, und in kein Land fahren und Fußbal in Stadien spielen, dessen Stadien mit Blut und Toten gebaut wurden. Wo bleibt hier die weltweite Petition zum Schutz vor Sklavenarbeit und Tod?? Gegen Lanz unterschreiben 170.000, aber gegen 200 Tote Sklavenarbeiter rührt sich gar nichts. Sind wir denn alle noch zu retten? Mein Dank an SpOn, die wenigstens darüber noch berichten. prologo
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
WM 2022 in Katar: Zwölf Prachtbauten für den Fußball

Bevölkerung: 1,759 Mio. Einwohner

Fläche: 11.493 km²

Hauptstadt: Doha

Staatsoberhaupt:
Tamim Bin Hamad Al Thani

Regierungschef: Abdullah Bin Nassir Bin Chalifa Al Thani

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Arabien-Reiseseite


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: