WM-Spiel gegen Spanien Public Viewing in Teheran in letzter Minute abgesagt

Rund 20.000 Menschen hatten Tickets für das Public Viewing des Spiels Iran gegen Spanien in Teheran gekauft. Erstmals sollten auch Frauen zugucken dürfen. Doch dann sagten die Behörden die Veranstaltung ab.

Familie in Teheran (vor dem Spiel Iran - Marokko)
AFP

Familie in Teheran (vor dem Spiel Iran - Marokko)


1981 durften zum letzten Mal Männer und Frauen auf den Tribünen des Azadi-Stadions in Teheran gemeinsam ein Fußballspiel schauen. Seither haben die schiitischen Geistlichen, die Religion, Politik und Gesellschaft in Iran dominieren, Frauen verboten, Fußballspiele von Herrenteams im Stadion anzuschauen. Die Iranerinnen sollten dadurch von der maskulinen Atmosphäre auf den Tribünen geschützt werden, heißt es zur Begründung.

Am Mittwochabend wollte Teherans Bürgermeister daran etwas ändern: Frauen und Männer sollten gemeinsam auf Videoleinwänden das WM-Spiel Iran gegen Spanien verfolgen dürfen. Rund 20.000 Karten wurden für das Public Viewing verkauft. Doch als dann die ersten Fans rund drei Stunden vor Anpfiff zum Azadi-Stadion strömten, standen sie vor verschlossenen Toren. Polizisten riegelten die Arena ab. Die Behörden hatten die Veranstaltung kurzfristig abgesagt -"aus Gründen der Infrastruktur", wie es offiziell hieß.

Manche Fans hatten eine stundenlange Anfahrt hinter sich - umsonst. Die wenigsten glauben, dass das Public Viewing tatsächlich aus technischen Gründen abgesagt wurde. Sie sind überzeugt davon, dass die Zulassung von Frauen konservativen Kräften im Regime widerstrebte - und diese kurzfristig eine Absage durchsetzten.

Seit Jahrzehnten berichten iranische Zeitungen immer mal wieder von Überlegungen, das Stadionverbot für Frauen aufzuheben. Passiert ist nichts - auch nicht an diesem Mittwoch (Lesen Sie hier, wie iranische Frauen dem Stadionverbot trotzen).

"Azadi" heißt übrigens Freiheit - Freiheit, die es für weibliche Fußballfans in Iran nicht gibt.

syd



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