Triumph über Portugal Löw zieht elf Richtige

Der Bundestrainer darf sich feiern lassen: Joachim Löw hat beim Triumph gegen Portugal alles richtig gemacht - gegen Ronaldo und Co. funktionierte seine Taktik. Trotzdem können sich die Sieger von Salvador nicht sicher sein, auch gegen Ghana aufzulaufen.

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Aus Salvador berichten und


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Taktisches Geschick gilt als eine der Hauptstärken der Kanzlerin. Als Angela Merkel nach dem beeindruckenden 4:0-Erfolg über Portugal in die Kabine der deutschen Mannschaft kam, hatte sie allerdings wenig Gelegenheit, mit dem Bundestrainer über Feinheiten der Taktik zu fachsimpeln. Stattdessen waren Selfies mit Lukas Podolski angesagt, und Joachim Löw bedankte sich artig, dass "wir wenigstens gewonnen haben, wenn sie für uns schon so eine lange Reise antritt".

Dabei hätte Merkel von Löw sicherlich Interessantes erfahren können:

  • Wie er es hinbekommen hat, die zuvor durchaus respektierte portugiesische Offensive um Cristiano Ronaldo fast vollständig abzumelden.
  • Wie er es schaffte, die hochgewachsenen Innenverteidiger so lange zu beschäftigen, bis einer von ihnen - der nicht steuerbare Pepe - die Kontrolle über sich verlor und wegen des Versuchs einer Tätlichkeit vorzeitig den Platz verlassen musste.
  • Löw hätte ihr erzählen können, dass er Mario Götze bewusst in die Partie genommen hat, um Pepe und Nebenmann Bruno Alves permanent unter Druck zu setzen und aus dem Deckungszentrum zu locken.
  • Dass die vier defensiv denkenden deutschen Verteidiger Ronaldo und Co. keinen Fußbreit Platz gelassen haben.
  • Dass Thomas Müller sich im Strafraum frei bewegen sollte, weil seine Laufwege so unerforschlich sind.

Löw hat Portugals Spiel genau gelesen

Löw hätte ihr also sagen können: Ich habe an diesem heißen Montagmittag in Salvador alles richtig gemacht.

Es wäre wohl übertrieben, von einem taktischen Meisterstück Löws zu reden. Aber Fakt ist: Der Bundestrainer hat das portugiesische Spiel genau gelesen, er hat es entschlüsselt - und er hat es entwaffnet. Ronaldo wirkte am Ende nur noch wie ein mal lustloses, mal trotziges Kind. Vom Weltfußballer war nichts mehr übrig geblieben. Es machte ihm und all seinen Teamkollegen einfach keinen Spaß, gegen diese kompakte deutsche Mannschaft spielen zu müssen.

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Alle im deutschen Team erfüllten ihre Aufgaben. Ein Benedikt Höwedes zum Beispiel, den vor einer Woche noch niemand in der Startelf vermutet hätte, spielte bis auf einige kleine Hakler so souverän auf seiner linken Abwehrseite, dass er so etwas wie der Arne Friedrich dieser Weltmeisterschaft werden könnte. Friedrich, der kreuzbrave Abwehrspieler der vergangenen beiden WM-Turniere, der so wacker in der Pflichterfüllung war, dass Sänger Xavier Naidoo einst die Liedzeile reimte: "Arne Friedrich, Deutschland liebt dich."

Gegen Ghana kann Elf schon wieder anders aussehen

So weit sind Höwedes und Kollegen noch nicht, es war ja auch gerade das erste Turnierspiel. Und wer Löw kennt und seine Überlegungen vor diesem Turnier, der weiß, dass er von einer Stammelf ohnehin relativ wenig hält, bei dieser WM noch weniger als sonst schon. Er hat zu viel Potenzial auf der Bank - gegen Portugal kamen André Schürrle und Lukas Podolski als Einwechselspieler in die Partie -, die klimatischen Bedingungen, die auch Schonung von Spielern notwendig machen, sind zu entscheidend, als dass diese elf Spieler von Salvador nun sicher sein können, auch gegen Ghana im kommenden Gruppenspiel (Samstag 21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) aufzulaufen.

Für Spieler wie Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger ist das durchaus ein tröstlicher und ermutigender Gedanke. Am Montag hat während des Spiels niemand an sie gedacht, niemand hat sie vermisst, aber das heißt nicht, dass sie jetzt auf Sicht auf die Bank verbannt sind.

Sami Khedira zum Beispiel, der mit Philipp Lahm eine gute Vorstellung auf der Sechser-Position ablieferte, hat nach seiner Verletzung große Fortschritte gemacht und erstmals 90 Minuten durchgespielt - ohne dabei einen Formabfall erkennen zu lassen. Ob er aber ein ganzes langes und anstrengendes Turnier durchsteht, ist völlig offen. Dann käme Schweinsteigers Chance.

Und Klose ist mit seiner Erfahrung von 132 Länderspielen immer willens und in der Lage, ins Match zu kommen und dann noch zu treffen.

Die Elf von Salvador hat restlos überzeugt. Aber es waren lediglich die gegen Portugal genau richtigen elf Leute. Gegen Ghana, die USA, später vielleicht Italien oder Brasilien können dann die Kloses, die Schweinsteigers und die Podolskis die Richtigen sein.

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Deutschland - Portugal 4:0 (3:0)
1:0 Müller (12., Foulelfmeter)
2:0 Hummels (32.)
3:0 Müller (45.+1)
4:0 Müller (79.)
Deutschland: Neuer - Jérôme Boateng, Hummels (ab 73. Minute Mustafi), Mertesacker, Höwedes - Lahm, Khedira - Özil (ab 63. Schürrle), Kroos, Götze - Müller (ab 82. Podolski)
Portugal: Rui Patrício - Alves, Pepe, Pereira, Coentrao (ab 65. Andre Almeida) - Veloso (ab 46. Costa) - Mereiles, Moutinho - C. Ronaldo - Hugo Almeida (ab 28. Eder, Nani
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Zuschauer: 51.081
Gelbe Karten: - Pereira
Rote Karte: Pepe nach einer Tätlichkeit (37.)
Ballbesitz (in Prozent): 57/43
Zweikämpfe (gewonnen, in Prozent): 57/43
Schüsse: 13/13

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insgesamt 204 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 17.06.2014
1. Warum auch...
Zitat von sysopDPADer Bundestrainer darf sich feiern lassen: Joachim Löw hat beim Triumph gegen Portugal alles richtig gemacht - gegen Ronaldo & Co. funktionierte seine Taktik. Die Sieger von Salvador können sich aber dennoch nicht sicher sein, auch gegen Ghana aufzulaufen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-loews-taktik-gegen-portugal-hat-genau-gepasst-a-975581.html
...das Ghana Spiel bietet doch die Gelegenheit die anderen mal ran zu lassen....ich dachte das mit den Stammplätzen in der Mannschaft hätten wir endlich hinter uns gelassen...aber einige Journalisten können wohl davon immer noch nicht lassen.
markusma 17.06.2014
2. Wo bleiben die ewigen Besserwisser ?
"Mit den Spielern hat man bei der WM keine Chance", "Löw hätte X, Y, und Z mitnehmen müssen um überhaupt die Vorrunde zu überstehen", ... Wo seit ihr "Bundestrainer"? Aber klar, der Sieg war Zufall, unberechtigter Elfmeter, unberechtigte rotee Karte, aufgestützt beim Kopfballtor, .... Lasst es raus ...
moulesfrites 17.06.2014
3. Gutes Händchen
hat Herr Löw gestern bewiesen. Das war aber kein Zufall, sondern klare Analyse des Gegners mit entsprechender taktischer Auslegung der eigenen Mannschaft. Die USA und Ghana werden ebenso analysiert worden sein, und Herr Löw wird unsere Elf entsprechend zusammenstellen. Und ich kann mir vorstellen, dass das bei dem Kader sogar richtig Spaß macht, da gibt es kaum Leistungsgefälle.
Orthoklas 17.06.2014
4. richtig!
Wenn Du nicht jedem Gegner per se überlegen bist, heißt es: Die richtige Mischung macht's!
PeterLublewski 17.06.2014
5. Wm 2014
Nein, es ist Fußball-WM, da ist nichts wichtiger :-)
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