Senegals Sieg zum WM-Auftakt So wie einst in Japan und Südkorea

Senegals Sieg gegen Polen lässt das Land von einer erfolgreichen WM träumen - so wie 2002, als das Team bis ins Viertelfinale kam. Hinter dem Erfolg steht damals wie heute: Aliou Cissé.

Jubelnde Senegalesen
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Jubelnde Senegalesen

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Senegal hat die Ehre des afrikanischen Fußballs gerettet. Nachdem Ägypten, Marokko, Nigeria und Tunesien ihre Auftaktpartien verloren hatten, gewannen die Westafrikaner zum Abschluss des ersten Vorrundenspieltags 2:1 gegen Polen.

Senegals Sieg weckt Erinnerungen an den bisher größten Erfolg der Nationalmannschaft vor 16 Jahren: Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea gewannen die "Löwen der Teranga" das Eröffnungsspiel gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich 1:0 und kamen bis ins Viertelfinale. Dort unterlagen sie der Türkei unglücklich durch ein Golden Goal in der Verlängerung.

Senegals Team 2002 (Cissé im Trikot mit der 6)
AP

Senegals Team 2002 (Cissé im Trikot mit der 6)

Aliou Cissé war 2002 als Kapitän der Anführer des senegalischen Sensationsteams auf dem Spielfeld. Heute dirigiert der 42-Jährige die Nationalmannschaft vom Spielfeldrand aus. Seit 2015 ist er Nationaltrainer und hat in dieser Zeit das senegalesische Team aus einer tiefen Krise geführt. Denn nach der WM 2002 war der Erfolg lange ausgeblieben: Senegal verpasste nicht nur drei Weltmeisterschaften in Serie, 2010 und 2013 reichte es nicht einmal für die Qualifikation zum Afrika-Cup.

Schwache Vorbereitung, guter Turnierstart

Der Trainer mit den auffälligen Dreadlocks hat das Team nun wieder in den Kreis der besten Nationalmannschaften des Kontinents zurückgeführt. Der Coach setzt dabei auf eine pragmatische Taktik, die darauf ausgerichtet ist, defensiv tief und sicher zu stehen und nach Fehlern des Gegners blitzschnell umzuschalten. Der Erfolg gegen Polen, bei dem die Senegalesen die Patzer der gegnerischen Abwehr zweimal eiskalt ausnutzten, gibt Cissé Recht - auch wenn seine Taktik im Vorfeld in der Heimat durchaus kritisiert wurde. Die schwache Vorbereitung - Unentschieden gegen Usbekistan, Bosnien und Luxemburg sowie eine Niederlage gegen Kroatien - hatte die Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM zuletzt deutlich gedämpft.

Cissé nach dem 2:1 gegen Polen
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Cissé nach dem 2:1 gegen Polen

Cissé profitiert davon, dass er über einen Kader verfügt, der mindestens genauso talentiert ist, wie das Erfolgsteam vor 16 Jahren. Unumstrittener Star der Mannschaft ist Flügelstürmer Sadio Mané, der mit seinen Toren und Vorlagen dazu beigetragen hatte, dass der FC Liverpool in der abgelaufenen Saison das Champions-League-Finale erreichte.

Der Torwart ist der Schwachpunkt

Doch auch die anderen Offensivspieler haben großes Potential. Der 23-jährige M'Baye Niang hat nach einigen schwierigeren Jahren in Italien, Frankreich und England in der vergangenen Saison beim FC Turin angedeutet, dass er als Vorbereiter und Torschütze in einem Spitzenteam bestehen kann. Gleiches gilt für Rechtsaußen Ismaila Sarr: Stade Rennes überwies dem Ligakonkurrenten FC Metz im vergangenen Sommer 17 Millionen Euro, um sich seine Dienste zu sichern. Ein weiteres großes Stürmertalent, Keita Baldé vom AS Monaco, kam gegen Polen noch nicht einmal zum Einsatz.

Auch die Verteidigung stand im ersten WM-Spiel stabil. Youssuf Sabali von Girondins Bordeaux machte die linke Abwehrseite dicht, im Zentrum schalteten SSC-Neapel-Profi Kalidou Koulibaly und der Neu-Schalker Salif Sané den polnischen Starstürmer Robert Lewandowski über 90 Minuten aus. Das lag aber auch an der guten Arbeit der Mittelfeldakteure Idrissa Gueye und Alfred N'Diaye. Die beiden Profis vom FC Everton und den Wolverhampton Wanderers sind harte Zweikämpfe, intensive Laufarbeit und schnelles Umschalten aus der Premier League gewöhnt.

Die Schwachstelle der Mannschaft wurde von den Polen kaum geprüft: Torwart Khadim N'Diaye spielt bei Horoya AC in Guinea. Die Aufstellung des 33-Jährigen war eine kleine Überraschung. Eigentlich galt Abdoulaye Diallo als Nummer eins - doch der ist im Verein bei Stade Rennes nur Ersatztorwart und hat daher kaum Spielpraxis.

Mit dem 2:1 gegen Polen hat Senegal den ersten Schritt Richtung Achtelfinale gemacht. Mit einem Erfolg gegen Japan am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will Cissés Team der K.-o.-Runde ein weiteres Stück näherkommen. Es wäre ein weiterer Schritt heraus aus dem Schatten des Teams von 2002.



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hansa_vor 19.06.2018
1. Respekt vor dieser Mannschaftsleistung!
Diese Mannschaft mit Moral und gutem Trainer kann es weit bringen. Für mich der beste Auftritt einer Mannschaft bei dieser WM. Der Trainer der es schafft diesen Spielern taktisch kluges Verhalten beizubringen hat eine große Zukunft. Diese Wucht in Verbindung mit Schnelligkeit war schön anzuschauen. Das könnte schon weit führen, ich würde es ihnen gönnen. Ebenso wie den Gastgebern, schönes schnelles Spiel.
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