Übergriffiges Verhalten gegen Frauen Wut über sexistische Fans aus Lateinamerika

Fans aus Brasilien, Kolumbien und Mexiko sorgen bei der Fußball-WM für Ärger: Sie belästigen Frauen und veröffentlichen Videos davon im Netz. In der Heimat drohen ihnen heftige Konsequenzen.

Kolumbianische Fans in Russland
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Kolumbianische Fans in Russland


Fans aus lateinamerikanischen Ländern gehen während der Fußball-WM in Russland auf Frauen zu und fordern sie auf, spanische Begriffe und Sätze zu rufen, die sie nicht verstehen. Das sind meist Schimpfwörter oder Bezeichnungen für weibliche Geschlechtsteile. Videos davon veröffentlichen die Fans dann im Netz.

Mit solchen Aktionen sind in der ersten WM-Woche Zuschauer aus Brasilien, Kolumbien und Mexiko aufgefallen. Ihre Videos verbreiteten sich rasch in den sozialen Netzwerken und wurden auch von einheimischen Fernsehsendern aufgegriffen.

Leandro Cruz, Sportminister in Brasilien, sagte, die Männer hätten ihrem Land einen Bärendienst erwiesen. Der nationale brasilianische Rat für Frauenrechte teilte mit, das Verhalten zeige die physische, verbale, psychologische und moralische Aggression, der viele Frauen in Brasilien und der Welt häufig ausgesetzt würden.

Alkohol als Ausrede

Ein Brasilianer, der in einem der betreffenden Videos zu sehen war, entschuldigte sich, nachdem er von der Nachrichtenagentur UOL identifiziert und kontaktiert worden war. Zugleich behauptete er, dass der Vorfall übertrieben dargestellt werde. Wegen der Partyathmosphäre und des Alkohols sei ein Scherz aus dem Ruder gelaufen.

"Wir sind Väter und Arbeiter, und ihr macht unser Leben kaputt", sagte der Fan. "Ich entschuldige mich bei Frauen, die sich angegriffen fühlen, aber die ganze Sache ist ein Sturm im Wasserglas."

Die Militärpolizei im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina hat bestätigt, dass einer der Männer in den Videos ein Beamter aus ihren Reihen sei. Nach seiner Rückkehr droht ihm ein Disziplinarverfahren.

Ein anderer Mann ist Mitarbeiter der Fluglinie Latam Airlines Brasil. Das Unternehmen teilte mit, man habe "angemessene Maßnahmen, in Übereinstimmung mit unseren Verhaltensregeln" gegenüber dem Angestellten ergriffen. Wie diese Maßnahmen konkret aussehen, teilte die Airline nicht mit.

Ein weiterer Fan ist Rechtsanwalt im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco. Die regionale Juristenvereinigung verurteilte das Verhalten ihres Mitglieds. "Die patriarchale Machokultur ist leider noch immer ein Teil unserer Gesellschaft", teilte der Verband mit.

Außenministerium ermahnt Kolumbianer

Auch kolumbianische Fans sorgten mit ihren Aktionen für Ärger in Russland. Unter anderem filmte sich ein Kolumbianer dabei, wie er auf japanische Zuschauerinnen zuging und sie aufforderte, Beleidigungen wie "Ich bin eine Schlampe" auf Spanisch zu wiederholen. Die Asiatinnen taten, wie ihnen geheißen, weil sie nicht wussten, was die Worte bedeuteten. Der Fan begründete sein Verhalten damit, dass er betrunken gewesen sein.

Das Außenministerium in Bogota verurteilte das Verhalten, weil es "nicht nur Frauen erniedrigt, sondern andere Kulturen, unsere Sprache und unser Land beleidigt".

Ein kolumbianischer Fan verlor zudem seinen Job bei der staatlichen Fluglinie Avianca, weil er mit Freunden Schnaps in einem falschen Fernglas ins Stadion von Saransk geschmuggelt und ein Video dieses Schelmenstücks im Internet verbreitet hatte.

Mexikanische Fans bedrängten eine Zuschauerin sogar körperlich. Zudem muss der Verband eine Geldstrafe von 10.000 Schweizer Franken zahlen, weil beim Spiel gegen Deutschland am Sonntag häufig ein lautes "Puto" aus dem mexikanischen Block zu hören war, wann immer Manuel Neuer zu Abschlägen oder Freistößen antrat. Das Wort bedeutet so viel wie "Schwuchtel" oder "Stricher".

Mexikos Javier "Chicharito" Hernandez hat deshalb via Instagram nun einen fast schon verzweifelten Appell an die Anhänger in Russland gerichtet. Er schrieb: "An alle Fans von Mexiko in den Stadien: Keine Puto-Gesänge mehr! Wir wollen nicht noch weitere Strafen riskieren".

syd/AP/sid



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