Präsentation des WM-Gastgebers 2022 Katar und Fifa - warum das zusammenpasst

Die kommende WM findet in Katar statt. Im Moskauer Gorki-Park geben sich die Organisatoren als weltoffene Gastgeber. Doch die Diskussion über künftige Weltmeisterschaften wird vor allem vom Geld beherrscht.

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar
AFP

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar

Aus Moskau berichtet


"I follow the Moskva, down to Gorky Park." Wer sich in diesen Tagen der Weltmeisterschaft 2018 von den berühmten Liedzeilen der Scorpions treiben lässt, landet unweigerlich vor einem mit fließenden blauen Lichtern animierten schwarzen Würfel, der meterhoch in den Himmel ragt. Und wer nicht schon zuvor von den zahlreichen Helfern angesprochen und informiert wurde, weiß spätestens dann: Hier geht es um die nächste Weltmeisterschaft 2022 in Katar.

Der Würfel ist ein Kinosaal, Interessierten wird dort die Geschichte Katars nähergebracht. Das eigentliche Herzstück der Präsentation des WM-Organisationskomitees steht jedoch hundert Meter weiter. Im Haus von Katar wird landestypischer Tee serviert. Auf einem Kleinfeld wird Fußball gespielt, es können Oryxantilopen aus Plastik angemalt werden, es gibt katarische Livemusik, und Beduinenzelte geben Einblicke in den Alltag des Emirats.

Katar will in der Ausstellung im Moskauer Gorki-Park weltoffen wirken. Bereit für die Fußballfamilie aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Bereit für ein Großereignis, das in einem Land mit 2,7 Millionen Einwohnern absurd wirkt. Bereit, es allen Kritikern zu zeigen. Angelockt werden sollen vor allem Fans aus Südamerika und Asien, das hat schon während der WM in Russland gut funktioniert, wo Zuschauer aus Europa klar in der Unterzahl waren.

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar
imago/ ITAR-TASS

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar

Die Kritik an der ersten Weltmeisterschaft auf arabischem Boden reißt seit der skandalösen Doppelvergabe im Jahr 2010 an Russland und Katar nicht ab. Beweise für einen Stimmenkauf gibt es bis heute nicht, zahlreiche Mitglieder des damaligen Exekutivkomitees der Fifa sind jedoch mittlerweile der Korruption überführt. Der Fußballweltverband ignorierte bei der Vergabe die klimatischen Verhältnisse, die fehlende Infrastruktur wie den fehlenden Fußballbezug im Land und als schlimmstes Vergehen die Menschenrechtslage in dem Emirat.

Fast acht Jahre sind seitdem vergangen, und beide Seiten waren in der Zeit um spürbare Verbesserungen bemüht. Bei der Fifa wurde Sepp Blatter durch Gianni Infantino ersetzt. Die WM-Vergabe 2026 war transparent, auch wenn Infantino selbst nie einen Hehl aus seinem Favoriten gemacht hat - der es mit den USA, Mexiko und Kanada letztlich auch geworden ist. Beim Weltverband geht es weiterhin vor allem um eines: Geld. Da wurden dann auch schon mal unliebsame Kritiker wie der ehemalige Chef der Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, und dessen Chefankläger Cornel Borbely kaltgestellt.

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar
Getty Images/ 2022 Supreme Committee

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar

Gemeinsam mit Katar wurde entschieden, die WM 2022 im Winter auszutragen, um klimatischen Belastungen für Zuschauer und Spieler aus dem Weg zu gehen. Das Finale findet nun wenige Tage vor Weihnachten statt, das ist ungewohnt, aber auch nicht per se schlecht. Bei den Menschenrechten betonen die kommenden WM-Ausrichter seit Jahren massive Veränderungen, den Gastarbeitern aus Indien, Bangladesch und Nepal gehe es gut auf den vielen Baustellen im Land.

Der Tenor im Gorki-Park ist ähnlich: Katar hatte in der Vergangenheit Versäumnisse, habe sich in Sachen Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter aber wesentlich verbessert. Menschenrechtsorganisationen beschreiben andere Zustände.

Infantino hält Aufstockung auf 48 Teams weiter für möglich

Ein Thema ist weiter ungeklärt, niemand will sich festlegen: Werden 2022 bereits 48 oder doch wie bisher 32 Mannschaften antreten? Eigentlich war die Idee vom Fifa-Council abgeschmettert worden, doch Präsident Gianni Infantino bleibt am Ball. "Wir werden das in den nächsten Monaten gemeinsam mit Katar diskutieren und dann entscheiden", sagte Infantino zwei Tage vor dem WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien. "Katar könnte auf 32 Teams beharren, aber wir halten einen Spalt in der Tür offen."

Mit der bisher geplanten Infrastruktur ist das kaum machbar. 48 Mannschaften bedeuten 80 Spiele. In der Vorrunde müssten dann an zwölf Tagen jeweils vier Spiele stattfinden, in der Zwischenrunde weitere 16 Partien an vier Tagen, und mit dem gewohnten Rhythmus ab den Achtelfinals (zwei Spiele pro Tag und ab den Halbfinals isolierte Begegnungen) käme Katar dann auf 26 reine Spieltage, ohne entsprechende Ruhetage - und das alles in acht Stadien in Doha und im Umland der Hauptstadt. Geplant ist die WM vom 21. November bis 18. Dezember 2022 an 28 Tagen.

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar
Getty Images/ 2022 Supreme Committee

Ausstellung in Moskau für das Turnier 2022 in Katar

Die Modelle der Arenen im "House of Qatar" im Gorki-Park versprechen neben lobenswerter Nachhaltigkeit vor allem eines: Glamour und Prunk. Sieben Stadien werden bei geschätzten Gesamtkosten von bis zu 9,4 Milliarden Euro komplett neu gebaut, einige davon nach der WM wieder abgebaut oder zumindest verkleinert. Weiße Elefanten soll es in Katar nicht geben, die Konzepte klingen vernünftig.

Bei der entscheidenden Frage wird der Besucher aber alleingelassen: Warum muss das wichtigste Sportereignis der Welt in einem Land wie Katar stattfinden?

Es ist gut fürs Geschäft. Ganz im Sinne von Fifa-Präsident Infantino.



insgesamt 5 Beiträge
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SigurdHehr 14.07.2018
1. Kein einziges Spiel
Ich werde nicht ein einziges Spiel anschauen und werde alle Artikel die bei der WM werben, meiden. Das ist meine Art diese Geldmacher zu Beukotieren.
arvin 14.07.2018
2. letzte WM
Das war 2018 definitiv meine letzte WM die ich mir anschaue. Fussball zu Weihnachten, Menschenrechtsverletzungen, exorbitanter Luxus und Geldverschwendungen, das korrupte FIFA System sind dafür ausschlaggebend das mich das kommerziellste Großereignis der Welt nicht mehr interessieren wird, auch im Zusammenhang mit der arabischen Flüchtlingskrise in unmittelbarer Nachbarschaft von Katar vieler Ertrinkender im Mittelmeer.
at.engel 14.07.2018
3.
Die südlich Halbkugel schaut sich die WM ja seit Jahrzehnten im "Winter" an - so gesehen werden die sich vielleicht freuen. Und wenn Deutschland wieder rechtzeitig aussteigt, kann man den Fans auch ersparen, da bei Sturm und Schnee in irgendeiner Fanzone herumzustehen. Was die Menschenrechte betriff, interessiert die ja sonst auch keinen: Die größten Clubs Europas (einschließlich der FIFA) werden mit Geldern aus der Gegend finanziert, da wäre es fast schon "undankbar", da jetzt plötzlich herumzukritisieren. Bleibt die Frage, warum man so etwas in einer Wüste organsiert, wo sich eh niemand dafûr interessiert. In Rußland wären die Stadien wahrscheinlich halb leer geblieben, wenn da die Nationalmannschaft plötzlich aufgedreht hätte. Und wo da die Mannschaften untergebracht werden sollen d.h. konkret trainieren sollen, ist sowieso vollkommen schleierhaft. Das Ganze ist irgendwie so absurd wie ein Beach-Volley-Turnier in Spitzbergen.
janfred 14.07.2018
4. Warum?
Ein arabisches Land hat es durchaus verdient eine Fussball WM auszutragen. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn es ein Land ist, das es finanziell auch gestemmt bekommt. Ein Grossteil der Araber ist Fussballbegeistert. Auch wenn es nicht zu den allgemeinen Klischees passt, die so penetrant immer wieder aufgewärmt werden. z.B. die Mär von Sklavenarbeitern in Qatar oder den anderen Golfländern. Auch die anderen Emirate haben gleichen gleichen Arbeitsbedinungen für ihre ausschliesslich freiwillig dort arbeitenden Arbeitskäfte. Trotzdem steht Dubai als Wunschziel, zumindest für Kurzurlaubstrips, bei Europäern ganz oben auf der "must see" Liste. Mir persönlich gefällt Doha mindestens genauso gut. Mal sehen, wie die Nachbarn Qatars sich bis 2022 wieder beruhigt haben. Aber das ist ein anderes Thema.
milhouse_van_h. 14.07.2018
5.
Was passiert eigentlich, wenn sich Israel für die WM in Katar qualifiziert? Wird Israel dann kurzfristig aus der Fifa ausgeschlossen? So wie die UN auch Taiwan rausgeschmissen hat, damit man China aufnehmen konnte?
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