Fußballer Hans Bauer: Der erste Weltmeister des FC Bayern

Von Fabian Jonas

Tagsüber stand er an der Zapfsäule, abends auf dem Trainingsplatz: Hans Bauer war in den fünfziger Jahren Kapitän und Rekordspieler des FC Bayern - mit dem Verein gab es jedoch wenig zu feiern. Das Magazin "11FREUNDE" stellt den Weltmeister von 1954 vor.

Hans Bauer: Kapitän, Sonnyboy und Weltmeister Fotos
Miriam Bauer

Die Fahrt von Bern nach München gibt den frischgebackenen Weltmeistern schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was sie fortan überall erwartet. An jedem Bahnhof stehen an diesem 6. Juli 1954 die lokalen Musikkapellen bereit, warten die Schönheitsköniginnen mit Präsentkörben, wollen Bürgermeister stolze Reden halten, die dann im Jubel der Massen am Bahnsteig untergehen. Als der Sonderzug der Deutschen Bahn endlich in der bayrischen Landeshauptstadt ankommt, quellen mehrere Abteile über vor Geschenken: riesige Käseräder, Wein, Bier, Zigaretten, Brühwürfel - was man eben so braucht, wenn man gerade eine ganze Republik wachgeküsst hat.

Beim umjubelten Auftritt auf dem Münchner Rathausbalkon steht neben Fritz Walter, Helmut Rahn und Toni Turek vor allem ein Mann im Fokus, der im Finale gar nicht gespielt hat. Oberbürgermeister Thomas Wimmer betont in seiner Rede, "dass mit Hans Bauer, Mitglied des FC Bayern, auch ein Münchner in der deutschen Expedition stand". Die Masse nimmt die Vorlage begeistert auf. Wenn mit dem linken Verteidiger aus Sendling einer von ihnen jetzt da oben steht, ist das auch ein Erfolg für das ansonsten wenig erfolgsverwöhnte Fußballpublikum der Stadt.

Die beiden großen lokalen Vereine dümpeln in den fünfziger Jahren im Mittelfeld der Oberliga Süd umher. Wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, droht sogar die Zweitklassigkeit. 1953 verabschiedet sich der TSV 1860 für zwei Jahre aus der höchsten Spielklasse, 1955 steigt auch der FC Bayern für ein Jahr ab - bis heute zum einzigen Mal. Auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird, ist der FC Bayern schon damals der meist erfolgreichere und auch beliebtere Verein. Als der Club absteigt, tut er dies mit dem besten Zuschauerzuspruch der Oberliga Süd. 15.600 Fans kommen im Schnitt ins Stadion an der Grünwalder Straße, das sich beide Vereine teilen.

"Fußball hatte damals einen viel geringeren Stellenwert"

Viele Münchner Fußballanhänger sehen sich aber ohnehin die Spiele beider Mannschaften an, von der später mitunter feindseligen Rivalität ist noch wenig zu spüren. Man braucht einander, das Fehlen von Pflichtspielderbys, wenn man nicht in der gleichen Liga spielt, macht sich in den ohnehin klammen Vereinskassen schmerzlich bemerkbar.

Die Lokalderbys sind die Höhepunkte des Münchner Fußballjahrs, für die Verlierer setzt es Häme, beim Bäcker, bei der Arbeit, im Bekanntenkreis. Damit hat es sich aber auch. "Der Fußball hatte damals einen viel geringeren Stellenwert als heute", erinnert sich Peter Grosser, der 1957 zu Bayern kommt und später bei den Löwen Karriere macht. "Der Sport war schon populär, aber um was ging es denn? Um die deutsche Meisterschaft? Für Bayern und 1860 nicht."

Umso größer ist der Stolz der Münchner auf ihren Anteil am Fußballwunder, das gerade in der Schweiz stattgefunden hat. Hans Bauer gilt in seiner Heimat schon vorher als Sonnyboy - gutaussehend, elegant und immer bestens gelaunt. Nun ist er für ein paar Tage auch einer der "Helden von Bern".

Bauers Popularität soll Kunden anlocken

Doch schnell zeigt sich, dass der Ruhm nicht an allen Spielern aus Herbergers Kader haften bleibt. Die Motorroller eines privaten Sponsors gibt es nur für die elf Spieler des Finales und ihren Trainer. Bei anderen Präsenten ist es ähnlich. Zwar erhält jeder Teilnehmer einen Fernseher, die Finalelf jedoch ein hochwertigeres Modell, das inklusive einer Schrankwand geliefert wird.

Hans Bauers Fernseher wird später auf einem kleinen Tischchen stehen, ein Einbaumöbel hat er sich bei der WM mit seinen Einsätzen beim 3:8 gegen Ungarn und dem 7:2 gegen die Türkei nicht verdient. Statt eines Motorrollers kauft er sich auf eigene Kosten einen Fiat Topolino. Und dennoch profitiert auch er vom Titel, wenngleich eher mittelbar. Bislang hat er als Bürokaufmann für eine Lebensmittelfirma gearbeitet, nun bietet ihm Shell eine lukrative Pachttankstelle in München-Pasing an. Die Rechnung des Konzerns ist einfach: Seine Popularität soll Kunden anlocken, die sich den Tank von einem echten Fußball-Weltmeister füllen lassen wollen. Hans Bauer nimmt das Angebot an.

320 Mark brutto dürfen die Vertragsspieler inklusive aller Prämien verdienen, erst 1959 werden die Bezüge auf 400 Mark netto angehoben. Wer wie Hans Bauer den Höchstsatz vom Verein bekommt und zusätzlich Inhaber einer gutgehenden Tankstelle ist, kann sorgenfrei leben, er muss dafür aber auch einiges in Kauf nehmen. Bauer fährt morgens zur Arbeit nach Pasing, danach geht es an drei Abenden in der Woche direkt zum Training. Wenn er nach Hause kommt, ist der Tag meist gelaufen.

Bauer steht sogar auf dem Platz, als im Mai 1956 sein Sohn geboren wird. Für die Familie bleibt nicht viel Zeit. Nur bei Heimspielen haben auch die Frauen etwas von den Nebentätigkeiten ihrer Männer, denn die Gattinnen sind mit von der Partie, wenn nach Abpfiff alle in den Löwenbräukeller ziehen und später vielleicht noch ins "Klein-Bukarest", das Lokal eines rumänischen Gastarbeiters und glühenden Bayernfans, der die Mannschaft stets mit offenen Armen empfängt.

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1. Fotobeschreibung
psycho_moni 07.03.2011
Foto 6/7: Der Spieler hieß "Fritz Walter" und nicht Fitz Walter. Danke!
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