Fußballfans gegen Fremdenhass Flüchtlinge, kommt in die Kurve!

Eine Sprache spricht die ganze Welt: Fußball! Das denken sich auch viele Fans in Deutschland - sie helfen Flüchtlingen und kämpfen gegen Rassismus. Ganz vorn sind die vielgescholtenen Ultras dabei.

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Flüchtlinge im Düsseldorfer Stadion (am 22. August): Alle sind willkommen
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Flüchtlinge im Düsseldorfer Stadion (am 22. August): Alle sind willkommen


Jan Krieger hätte sich auch in jedem anderen Jahr über die Auszeichnung gefreut, zu jeder anderen Zeit. Aber dass sein Verein sie gerade jetzt bekommt, macht ihn besonders stolz. "Es ist dem DFB hoch anzurechnen, dass er unsere Arbeit in dieser Zeit honoriert", sagt Krieger.

Dass der Deutsche Fußball-Bund ein Zeichen setzt. So interpretiert Krieger das. Der 30-Jährige ist Fan des VfB Oldenburg, immer dabei bei den Heim- und Auswärtsspielen, aber für ihn ist Fußball mehr als nur Sport. Für ihn ist Fußball ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Vor dreieinhalb Jahren hat er mit anderen Oldenburger Fans den Verein "VfB für Alle" gegründet, der Rassismus und Homophobie im Stadion bekämpft und sich für Flüchtlinge einsetzt. In dieser Woche wurden Krieger und seine Mitstreiter mit dem zweiten Platz beim Julius-Hirsch-Preis belohnt. Der DFB vergibt die Auszeichnung jedes Jahr an Initiativen, die sich im Fußball-Umfeld gegen Diskriminierung einsetzen.

Flüchtlingskind Nohad: Bei einem Fußball-Integrationsprojekt in Hildesheim
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Und tatsächlich passt es in die Zeit, dass der DFB das Engagement von Fans für Flüchtlinge würdigt, ob er damit nun bewusst ein Zeichen setzen wollte oder nicht. Es passt gut in die Zeit, in der Rechtsextreme vor Flüchtlingsheimen randalieren und beinahe täglich Meldungen von brennenden Asylunterkünften über die Nachrichten-Ticker laufen. Viele Fußballfans positionieren sich klar, drücken auf Plakaten und Bannern ihre Solidarität mit Flüchtlingen aus, spenden oder versuchen, bei der Integration zu helfen. Und das nicht erst seit Neuestem.

Ein paar Beispiele: Im April zeigten Fans von Greuther Fürth eine Choreografie, deren Kernaussage auf einem Spruchband zu lesen war: "Refugees welcome", Flüchtlinge sind willkommen. Auch in der Fankurve von Fortuna Düsseldorf war der Gruß zuletzt zu lesen gewesen, dazu hatte der Verein Flüchtlinge ins Stadion eingeladen. Fans des FC St. Pauli organisierten schon vor zwei Jahren einen Protestmarsch gegen die Hamburger Flüchtlingspolitik. Die Versammlung einer lokalen Flüchtlingsinitiative fand gerade in einem Saal des Millerntor-Stadions statt.

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Welcome United: Torfestival bei 31 Grad
In Babelsberg gründeten Fans das Flüchtlingsteam Welcome United. Fans von Carl Zeiss Jena spendeten Flüchtlingen die bei einem Fanklub-Turnier gewonnenen Dauerkarten. Bremer Fans wollen beim Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach an diesem Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) Sportartikel für Flüchtlinge sammeln, und ein europaweites Fan-Bündnis hat gerade jeweils 1000 Euro an zwei Fußball-Projekte für Flüchtlinge in Leipzig überwiesen. Der Erlös kommt aus der Aktion "Second Fan Shirt", bei der Fußballfans alte Trikots spenden, die dann im Internet versteigert werden.

Vor allem die oft gescholtenen Ultras engagieren sich. Viele dieser Gruppen betonen ihr politisches Bewusstsein, definieren sich als politisch links, machen sich gegen Diskriminierung stark. Dass viele Fans Stellung beziehen zum Thema Flüchtlinge, dass aus den Kurven heraus eine Willkommenskultur propagiert wird, ist für Robert Claus das logische Ergebnis einer Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren. Claus ist Fan-Forscher, Rassismus und Anti-Diskriminierung gehört zu seinen Fachgebieten.

40.000 Menschen sehen die Botschaft im Stadion

Nach den rechtsextremen Angriffen auf Asylunterkünfte Anfang der Neunzigerjahre "gab es kaum eine Fan-Szene, die sich für Flüchtlinge engagiert hat", sagt Claus. Damals waren Rassismus und Fremdenhass in vielen Stadien Alltag. Mittlerweile habe sich allerdings "eine ganz andere Fan-Kultur entwickelt", sagt Claus. Mit klaren Statements würden die Fans ein Bewusstsein erzeugen in diesen Tagen: "Wenn in einem Stadion ein Banner mit "Refugees welcome" hochgehalten wird, sehen das 40.000 Menschen. Das schafft Aufmerksamkeit."

In Oldenburg haben Jan Krieger und sein Verein "VfB für Alle" mehr geschaffen als nur Aufmerksamkeit. Sie haben den Regionalligisten VfB Oldenburg in Sachen Flüchtlinge zum Handeln bewegt. Auf Anregung der Fans haben die Oldenburger im vergangenen Herbst 30 Freikarten für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, seitdem machen sie das regelmäßig. "Wir wollen den Zugezogenen zeigen, dass sie bei uns willkommen sind", sagt Krieger. Die nächsten Projekte sind schon geplant. Ende des Jahres soll es ein Hallenturnier geben, mit gemischten Mannschaften aus Fans und Flüchtlingen.



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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
MatthiasPetersbach 29.08.2015
1.
Was für ein Kommentar. Helfen ist helfen - die Abwägung, wer denn das mehr "verdient" hätte, ist Hobby von misanthropen Korinthenkackern. Schämen Sie sich. Aber wenn es Sie beruhigt: die von Ihnen Genannten kommen durchaus in den Genuß von weitaus weitreichenderen Unterstützungen (und das ist auch gut so). Und wenn Sie es noch mehr beruhigt: gerne dürfen Sie aus eigener Tasche aus eigenem Antrieb auch Anderen nach Ihrer Meinung Bedürftigeren etwas zukommemn lassen. Gerne. Irgendwie glaub ich aber nicht dran. Mir ist solangsam nur noch übel.
Ministerium für Wahrheit. 29.08.2015
2. Oh mein Gott.
Es steht ihnen frei, etwas für diese Menschen zu spenden oder ihnen zu helfen. So wie ich das verstanden habe, haben die Fans etwas für die Asylsuchenden getan. Es ist ihre Entscheidung, die sie zu akzeptieren haben.
countrushmore 29.08.2015
3.
"Eine Sprache spricht die ganze Welt: Fußball!" Schon falsch. Aber in Deutschland wohl unverständlich, dass die Fußballbegeisterung in Teilen der Welt kleiner als hier ist.
wanderer777 29.08.2015
4. Das ist der richtige Weg!
Eine tolle Idee - und ich gönne es den Flüchtlingen von Herzen. Denn für jemanden, der die Grausamkeiten eines Krieges und dann auch noch die menschenunwürdige Flucht erleben musste und schon lange keinen Lichtblick mehr gesehen hat, kann so ein Erlebnis die Welt bedeuten. Und ja, es gibt auch deutsche Familien, die sich keinen Stadionbesuch leisten können - aber haben sie das gleiche Grauen erlebt, wie diese Menschen? Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, in welchem "Paradies" wir hier leben dürfen - sogar die armen unter uns!
schropc3 29.08.2015
5. #1
Ich glaube Flüchtlinge sind es, den man in dieser Situation zeigen muss, dass sie willkommen sind. Zweitens glaube ich nicht, dass die von Dir genannten Gruppen schlechter dran sind als Leute, die ihre Heimat verloren haben. Oder wolltest Du bloss die eine Gruppe gegen andere ausspielen?
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