Real-Star Bale Rückkehr der Naturgewalt

Der lange verletzte Offensivstar Gareth Bale steht gegen Rom vor dem Startelf-Comeback bei Real Madrid. Gut für Zinedine Zidane - denn Bales Qualität kaschiert taktische Probleme des Trainers.

Von

AFP

Als Gareth Bale im Spiel gegen Celta Vigo nach 47-tägiger Verletzungspause erstmals wieder den Rasen im Stadion von Real Madrid betrat, feierte das Publikum. Kaum einer der rund 68.000 Zuschauer blieb sitzen, manche Fans reckten die Arme in die Höhe, andere applaudierten, wieder andere skandierten einen Namen. Doch er lautete nicht Gareth Bale. Sondern Cristiano Ronaldo.

Der Moment von Bales Rückkehr auf den Fußballplatz war von Real-Trainer Zinedine Zidane so gewählt, dass er im Schatten des portugiesischen Superstars stand. Dieser hatte am vergangenen Samstag beim 7:1-Sieg gegen Celta soeben das 4:1 erzielt, es war sein dritter Treffer in der Partie, später sollte er Tor Nummer vier folgen lassen.

Wenn Madrid am Dienstagabend im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League auf den AS Rom trifft (20.45 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE; Hinspiel 2:0 für Real), könnte Bale sein Startelf-Comeback feiern. Wie wichtig der 26-Jährige, den zuletzt einmal mehr eine Muskelverletzung wochenlang außer Gefecht gesetzt hatte, in den kommenden Partien werden kann, deutete er gegen Vigo bereits an.

Zwei Beispiele:

  • Die 66. Minute: Bale steht erst wenige Augenblicke auf dem Feld, als ein Angriff der Gäste über seine linke Seite läuft. Bale begleitet einen Gegenspieler bis an den eigenen Strafraum. Nach dem Ballgewinn durch Mitspieler Sergio Ramos wittert er vor allen anderen Feldspielern eine Gelegenheit. Er startet einen langen Lauf in die Tiefe, winkt mit den Armen, um zu zeigen: "Ich bin frei, spiel mich an." Mit Erfolg, Bale erhält den Ball, seine Flanke fliegt knapp an seinen Mitspielern vorbei.

  • Die 81. Minute: Bale hat die Position gewechselt, statt über die linke Seite greift er nun durch die Mitte an, hinter Stürmer Ronaldo. Nach Casemiros Balleroberung kann Real kontern. Bale ist am Ball, er dribbelt auf die gegnerische Abwehr zu, links läuft Jesé mit, rechts Ronaldo. Was jetzt gefordert ist, sind kluge Laufwege der Mitspieler, um Bale eine Bahn zu verschaffen, auf der er zum Tor durchbrechen kann. Niemand hilft ihm. Jesé trabt außen mit, Ronaldo wählt einen Sprint, der nur ihn selbst in eine Abschlussposition bringt. Als die Gefahr schon verflogen scheint, schießt Bale selbst, es ist ein trockener Schuss, flach, nicht besonders hart, aber platziert. Er sitzt. Das Publikum erhebt sich erneut, diesmal gilt die Freude tatsächlich dem Rückkehrer.

Bales Schuss zum 7:1 gegen Vigo
REUTERS

Bales Schuss zum 7:1 gegen Vigo

Es ist in Madrid häufig so, dass andere weniger für Bale arbeiten als umgekehrt. In der Defensive wahrte Bale gegen Vigo zentimetergenau die Abstände zu den übrigen Mittelfeldspielern, er rückte ein, wenn sie auf die rechte Seite verschoben, rückte heraus, wenn auf dem anderen Flügel verteidigt werden musste. Er fügte sich damit der Ordnung der Mannschaft. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigte Vordermann Ronaldo, der sich seine Kraft lieber einteilte, um im Angriff einen Sprint auf den nächsten folgen zu lassen. Bale arbeitet auch für Ronaldo mit, doch er paart diese Disziplin mit individueller Extraklasse.

Das ist für Zidane derzeit besonders wichtig. Denn seine Mannschaft spielt längst nicht so, wie es der Franzose wohl gerne hätte. Bei Reals Reserveteam, wo Zidane Trainer war, ehe er befördert wurde, setzte er auf Ballbesitz, Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen und flaches Kombinationsspiel. Zidanes Team sollte sich Tore herausspielen. Als Trainer bei den Profis ist es dem 43-Jährigen bislang nicht gelungen, das Ballbesitzspiel zu kultivieren. Zu oft werden falsche Staffelungen gewählt. Statt Dreiecke zu bilden, stehen Reals Offensivspieler auf einer Höhe, isoliert von den Akteuren, die den Angriff aufbauen.

Sein Tor im Pokalfinale 2014 ist legendär

Das Spiel gegen Celta dient als Beispiel: Von den sieben Treffern der Madrilenen resultierten drei aus Standards und drei weitere aus Konteraktionen, nachdem der Ball erobert wurde. Den Fußball, der Zidane vorschwebt, spielt sein Team momentan nicht. Um dennoch erfolgreich zu sein, braucht es individuelle Qualität. Eben Spieler wie Bale.

Der Mann, den die "FAZ" einst "die walisische Naturgewalt" taufte, kann Partien entscheiden. Sein Tor im Pokalfinale 2014 gegen Barcelona, als er Real nach einem spektakulären Solo den Sieg sicherte, ist legendär. Zudem gelangen ihm 2014 Treffer im Finale der Champions League und der Klub-WM. Einer eher mäßigen Saison 2014/2015 ließ Bale nun in der laufenden Spielzeit großartige Leistungen folgen - wenn er denn fit war. In 1289 Pflichtspielminuten gelangen ihm 23 Torbeteiligungen. Das macht 1,61 pro 90 Minuten. Selbst Ronaldo (1,46) bleibt dahinter zurück.

Ob der Waliser auch dann noch in Zidanes Konzept passt, wenn dieses von Kurzpässen und geringer Verweildauer am Ball geprägt ist, bleibt abzuwarten. Bis dahin ruht ein Großteil von Reals Hoffnungen auf Gareth Bale.

Im Video: Real Madrid vor dem Rückspiel gegen Rom

imago

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ge1234 08.03.2016
1. Bale...
... ist mit Sicherheit ein überragender Spieler, dessen herausragendste Eigenschaft seine Schnelligkeit ist. Von der Weltklasse eines CR7 oder gar Messi ist er jedoch meilenweit entfernt. Ich behaupte sogar, dass er weder mit Ribery noch mit Robben, sofern beide in Topform sind, mithalten kann.
judas30 08.03.2016
2. Cr7
Ist ein überschätzter Spieler, da er zwar selbst erfolgreich ist aber seine Mannschaften dank ihm immer wieder untergehen.
aurichter 08.03.2016
3. Bale hätte,
auch vom Alter her, noch zwei drei Jahre bei den Spurts bleiben sollen. Wenn man sieht, wie bspw ein Kane in die Fußstapfen eines Bale getreten ist, so haben die Mitspieler bei Tottenham einen sehr großen Anteil an der Qualität von Bale beigetragen. Kane hat eine ähnliche Veranlagung wie Bale und profitiert sehr stark von den Mitspielern, anders als in Madrid, wo jeder Mitspieler ein angeblicher Superstar Sonderrechte beansprucht. Früher gab es in DE den Spruch "Kölsche Klüngel" zum EffZee - genau dieser Klüngel herrscht bei Real, weil Ronaldo, Benzema etc mit Sicherheit eine Clique um sich vereint, die selbst Vorteile damit erreichen will und Bale somit als fünftes Rad am Wagen bei Real mitläuft. Gehe ich jede Wette ein. Bale und Kane bei den Spurts wären in der PL eine Macht, gerade in der jetzigen Zeit. Sei es drum, aber bei Real liegt dazu einiges im Argen und Bale wird dort nicht wirklich glücklich, vllt wenn der Narziß endlich weg ist.
thomasmann 08.03.2016
4. Immer diese lächerlichen Übertreibungen...
Ja, Bale ist überdurchschnittlich, das wars aber schon auch. Was ihn zu einem bedeutenden Spieler macht ist einzig seine Schnelligkeit... Die Medien haben ihn grösser gemacht als er ist, und alles, weil ein finanziell korrupter Verein ihn für ungeheure viel gekauft hat, das er nicht hatte. Ihn mir Robery oder Robben oder gar CF7 zu vergleichen ist völlig albern....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.