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Der Rest der Welt: Elf Dinge, die passiert sind, während Sie Fußball geschaut haben

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Jetzt haben Sie vier Wochen lang Fußball geguckt - aber was ist in dieser Zeit eigentlich sonst noch Wichtiges in der Welt passiert? Der schnelle Überblick, damit Sie wieder mitreden können.

    Rakete in palästinensischem    Wohngebiet: Eskalation im Nahen Os t en    Zur Großansicht
REUTERS

Rakete in palästinensischem Wohngebiet: Eskalation im Nahen Osten

Hamburg - Deutschland ist Weltmeister! Ein paar Tage wird der kollektive Rausch nach dem Finalsieg gegen Argentinien wohl noch andauern, bevor sich das restliche Weltgeschehen wieder in den Vordergrund drängt.

Denn die Welt ist im WM-Monat nicht stehen geblieben. Der Spionage-Skandal beim BND, die Kämpfe in Gaza und der Ukraine sind zwischen all den Spielanalysen nur etwas in den Hintergrund geraten. Haben Sie nicht alles so richtig mitbekommen? Keine Sorge. Nach diesen elf Kurztexten sind Sie wieder auf dem neuesten Stand:

Der Bundestag beschließt den Mindestlohn...

Unter 8,50 Euro Stundenlohn geht in Deutschland ab 2015 nichts mehr. Außer für Praktikanten. Oder Langzeitarbeitslose. Oder Zeitungszusteller. Den Mindestlohn mit Ausnahmen hat der Bundestag in den Tagen der Weltmeisterschaft beschlossen. Als eines der letzten EU-Länder führt Deutschland damit eine Lohnuntergrenze ein. So richtig aber auch erst ab 2017: Bis dahin bleiben Tarifverträge gültig, in denen Löhne unter 8,50 Euro vereinbart sind.

...und kürzt Lebensversicherten den Garantiezins

Die Fußball-WM war der ideale Zeitraum für die Bundesregierung, unpopuläre Gesetze unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit durchs Parlament zu jagen. Das folgenreichste dieser Vorhaben dürfte die Reform der Lebensversicherung sein, die die Koalition am Tag des deutschen Viertelfinalspiels gegen Frankreich beschloss. Die Versicherungsunternehmen müssen ihren Kunden statt bisher 1,75 nun nur noch 1,25 Prozent jährliche Zinsen garantieren. Das soll ihnen helfen, die aktuelle Niedrigzinsphase zu überstehen.

Karstadt verliert seine Chefin...

Angeschlagen ist Karstadt schon lange, mit dem Abgang von Eva-Lotta Sjöstedt - der sechsten Chefin in nicht einmal zehn Jahren - stürzt die Kaufhaus-Kette endgültig in die Existenzkrise. Offenbar passt der harte Sparkurs, den die einstige Ikea-Managerin durchsetzen musste, nicht zu ihrer Strategie für den Warenhaus-Konzern.

Auch war das Verhältnis der Schwedin zu Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen zerrüttet - offen wie selten eine Managerin kritisierte sie ihren Ex-Boss. Berggruen verhandelt nun über einen Verkauf von Karstadt an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko - Kaufpreis: ein Euro.

Karstadt-Investor Berggruen : Verkauft er den Kaufhaus-Konzern für einen Euro?  Zur Großansicht
AFP

Karstadt-Investor Berggruen: Verkauft er den Kaufhaus-Konzern für einen Euro?

...und die Lufthansa macht auf billig

Europas größte Fluglinie hat den Chefwechsel schon hinter sich, allzu rosig sieht es für die Lufthansa unter ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr aber auch nicht aus. Direkt vor seinem Antritt musste der voraussichtliche Gewinn kräftig nach unten korrigiert werden. Mit einer neuen Billigtochter für Interkontinentalflüge will die Lufthansa in die Preisschlacht mit Ryanair und den arabischen Staatsairlines Emirates und Etihad treten. Bei der Vorstellung der neuen Strategie leistete sich Spohr aber gleich die erste Peinlichkeit: Eine angebliche Kooperation ließ Turkish Airlines direkt dementieren.

In Israel bricht Krieg aus...

Der Mord an drei israelischen Teenagern im Westjordanland und der Racheakt an einem junger Palästinenser lassen den Hass im Nahen Osten wieder aufflammen. Seit Anfang Juli bombardieren israelische Kampfflugzeuge die Hamas im Gazastreifen, die Radikalislamisten beschießen zum ersten Mal seit Jahren wieder Jerusalem mit Raketen. Seit dem Wochenende schickt Israel nun auch Elitekämpfer in die Region. Der Konflikt, so scheint es, wird länger dauern als die Freude über den deutschen WM-Sieg.

...in der Ukraine verschärft er sich wieder

Erst gab es Hoffnungszeichen: Die Feuerpause, die Ukraines Präsident Petro Poroschenko am 18. Juni ankündigte, sollte den Separatisten im Osten des Landes Zeit geben, ihre Waffen niederzulegen. Seit Anfang Juli kämpfen seine Truppen wieder um die verloren gegangenen Gebiete. Die einstige Rebellenhochburg Slowjansk hat die ukrainische Armee bereits zurückerobert, nun marschiert sie auf Donezk und Luhansk.

Erdogan will Präsident der Türkei werden

Nochmal als Ministerpräsident antreten darf Recep Tayyip Erdogan nicht, doch von der Macht in der Türkei will er nicht lassen. Deshalb hat seine AK-Partei den konservativen Politiker für die Präsidentschaftswahl am 10. August nominiert. Amtsinhaber Abdullah Gül verzichtet zu Gunsten seines Parteifreundes auf eine erneute Kandidatur. Erdogans Chancen stehen gut. Trotz seines arroganten Umgangs mit dem Grubenunglück in Soma liegt er in den Umfragen weit vor dem Kandidaten der Opposition.

Dobrindt stellt seine Mautpläne vor

Verkehrsminister Dobrindt (CSU): Deutsche Autofahrer sollen verschont bleiben Zur Großansicht
DPA

Verkehrsminister Dobrindt (CSU): Deutsche Autofahrer sollen verschont bleiben

Eine Maut-Vignette für alle deutschen Straßen ab 2016, Kosten gestaffelt nach Hubraum und Öko-Klasse, Einnahmen von netto 600 Millionen Euro - Verkehrsminister Alexander Dobrindt stellte sein Konzept für eine Pkw-Maut vor. Deutsche Autofahrer, verspricht der CSU-Politiker, werden dabei über die Kfz-Steuer entsprechend entlastet, so dass nur ausländische Straßennutzer draufzahlen.

Die Empörung aus Österreich und den Niederlanden, die Kritik innerhalb der Koalition und die vielen ungeklärten Detailfragen wischt Dobrindt beiseite: "Bei manchen Diskussionen kann man den Eindruck bekommen, als würde die Einführung einer Vignette die Gesellschaft überfordern", sagte der Minister im SPIEGEL-Interview selbstbewusst.

Ein BND-Mitarbeiter spioniert für die USA...

Es klingt nach Agentenfilm - ist jedoch die traurige Realität der deutsch-amerikanischen Beziehungen: Ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) soll gegen Geld über zwei Jahre geheime Dokumente an die CIA gegeben haben. Wenige Tage später wurde im Verteidigungsministerium der nächste mutmaßliche US-Spitzel enttarnt. Das dürfte noch längst nicht alles sein: Der BND sucht nun nach weiteren Maulwürfen, im SPIEGEL beschweren sich zudem mehrere Bundestagsabgeordnete, ihre Handys würden abgehört.

  BND-Zentrale: Die Spione werden selbst ausspioniert  Zur Großansicht
Getty Images

BND-Zentrale: Die Spione werden selbst ausspioniert

...und Deutschland wirft den obersten CIA-Vertreter raus

Die Spitzelei der USA geht inzwischen sogar der Bundesregierung zu weit: Sie forderte den Repräsentanten der amerikanischen Geheimdienste in Berlin auf, Deutschland zu verlassen - eine so scharfe Missbilligung gegen einen Verbündeten ist in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig. Der Rauswurf könnte Folgen haben: Im SPIEGEL fordert der einflussreiche republikanische Kongressabgeordnete Jim Sensenbrenner ein Ende der US-Spionage in Deutschland.

Wen die NSA alles ausgespäht hat

Gleich zwei wichtige Snowden-Enthüllungen sind während der Fußball-Weltmeisterschaft beinahe untergegangen - dabei handelt es sich um richtige Klopper, um im Idiom zu bleiben. Zum einen wurde klar, dass in das Schleppnetz der Massenüberwachung vor allem Menschen geraten, gegen die gar kein konkreter Verdacht vorliegt. Die "Washington Post" konnte in einem riesigen Datensatz aus der Inlandsüberwachung stöbern - und fand dabei vor allem E-Mails, Bilder und andere intime Dokumente aus dem Privatleben von ganz normalen Bürgern.

Noch skandalöser ist da allenfalls noch, dass die NSA gezielt prominente Muslime in den USA ausgespäht hat - darunter ein Politiker, ein Anwalt, ein Glaubensvertreter, ein Professor und ein Bürgerrechtler. Personen des öffentlichen Lebens, die ein offenbar mustergültiges Leben führen. Das erinnert an das dunkle Kapitel der USA, als die Bundespolizei angeblichen Kommunisten nachspürte. Der NSA-Skandal erreicht eine neue Ebene.

So, und jetzt können Sie wieder überall mitreden. Und auf SPIEGEL ONLINE erfahren Sie in den kommenden Tagen, wie sich die Themen weiterentwickeln.

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1. Das ist zuviel des Guten
Rudolf_56 14.07.2014
Bisschen viel auf einmal. Das Brot-und-Spiele-Volk dürfte schon mit dem einen oder anderen Desaster in der Welt geistig überlastet sein.
2.
Sleeper_in_Metropolis 14.07.2014
Zitat von sysopREUTERSJetzt haben Sie vier Wochen lang Fußball geguckt - aber was ist in dieser Zeit eigentlich sonst noch Wichtiges in der Welt passiert? Der schnelle Überblick, damit Sie wieder mitreden können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/gaza-krieg-maut-karstadt-was-waehrend-der-fussball-wm-passierte-a-980579.html
Nein, habe ich nicht und werde ich auch in Zukunft nicht tun. Aber ich bin (wie nach jeder EM/WM) froh, das dieser Mist endlich vorbei ist, da nun in den Medien hoffentlich auch mal wieder von relevanten Dingen zu lesen sein wird. In den vergangenen Wochen waren ja die News-Seiten zu wenigstens 50% von irgendwelchen Fußballmeldungen verstopft. Als ob in der Welt nichts wichtigeres passiert. Aber für die Journalisten muß so eine Veranstaltung ja regelmäßig ein Geschenk sein. Während man sonst das Jahr über immer nach neuen Themen suchen muß, um die Seite zu füllen, braucht man während der WM nur irgendwas über Fußball zu schreiben, machen die anderen ja genau so.
3. selbst mir ist es zuviel.....
jamon 14.07.2014
Zitat von sysopREUTERSJetzt haben Sie vier Wochen lang Fußball geguckt - aber was ist in dieser Zeit eigentlich sonst noch Wichtiges in der Welt passiert? Der schnelle Überblick, damit Sie wieder mitreden können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/gaza-krieg-maut-karstadt-was-waehrend-der-fussball-wm-passierte-a-980579.html
Ich liebe Fußball, habe viele Spiele gesehen......doch was die Medien betreiben geht selbst mir viel, viel zu weit. Ein Artikel auf der ersten Seite hätte gereicht!Deutschland hat nicht die Welt gerettet.....Deutschland hat lediglich gut Fußball gespielt!
4. sorry
computerbauboehm 14.07.2014
aber das hat doch nun wirklich auch der letzte in den Spielpausen mitbekommen. die die es nicht mitbekommen haben lesen auch keinen Spiegel. warum fehlt eigentlich das rentenpaket? und gab es nicht mehr als 11 Sachen, die man hätte verpassen können?
5. Elf Dinge
Inuk 14.07.2014
Zitat von sysopREUTERSJetzt haben Sie vier Wochen lang Fußball geguckt - aber was ist in dieser Zeit eigentlich sonst noch Wichtiges in der Welt passiert? Der schnelle Überblick, damit Sie wieder mitreden können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/gaza-krieg-maut-karstadt-was-waehrend-der-fussball-wm-passierte-a-980579.html
Na schön, da war ich doch auf dem Laufenden. Ich wollte zwar die Fußball-WM aufgrund der FIFA-Skandale boykottieren, aber nachdem ich während des Portugalspiels es in der Nachbarschaft hab jubeln hören, doch noch eingeschaltet und zwei weitere Tore gesehen. Dass die Lohnuntergrenze eingeführt wurde, ist zu begrüßen. Aber leider habe ich in den Medien keinen Hinweis gefunden, ob beabsichtigt ist, die Hinzuverdienstgrenze für Frührentner auch anzuheben, denn, was wird beispielsweise aus Frührentner, die einen Nebenverdienst auf Vierhundertfünfzigeurobasis haben und nicht mehr hinzuverdienen dürfen, aber dafür 66 Stunden mtl. arbeiten, was einem Stundenlohn von rund 6,80 Euro entspricht? Brauchen die jetzt weniger zu arbeiten, wird die Nebenverdienstgrenze erhöht, oder sticht Vierhundertfünfzigeurovertrag den Stundenlohn? Dazu ist in der Presse bisher nichts zu lesen. Frau von Nahles hat wohl nur ein halbes Gesetz gemacht.
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