Gefangen in Katar Fußball-Profi appelliert an Guardiola und Zidane

Zinedine Zidane und Josep Guardiola warben als Botschafter für die Vergabe der WM 2022 nach Katar. Dort wartet der Franzose Zahir Belounis seit Jahren auf sein Gehalt und wird an der Ausreise gehindert. Nun hat er in einem Brief die beiden Stars um Hilfe gebeten.

Zahir Belounis: Offener Brief an Zidane und Guardiola
Martin von den Driesch/ DER SPIEGEL

Zahir Belounis: Offener Brief an Zidane und Guardiola


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Hamburg - "Herr Zidane, Herr Guardiola, mein Name ist Zahir Belounis und ich bin ein französischer Profifußballer."

So beginnt ein offener Brief des 33-Jährigen, den der "Guardian" am Donnerstag veröffentlichte. Bis dahin hätte es auch ein Fan-Schreiben sein können, gerichtet von einem Berufskicker an seine Stars.

Doch Belounis Anliegen ist ernster, er bittet nicht um ein Autogramm oder ähnliches, er bittet um Hilfe:

"Nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit meinem Verein werde ich davon abgehalten, in meine Heimat zu reisen. Ich habe meine Familie seit Juni 2012 nicht mehr gesehen, da mein Arbeitgeber mir kein Ausreisevisum gewährt."

Belounis lebt seit 2007 in Katar, derzeit steht er beim Verein der katarischen Armee unter Vertrag, dieser läuft noch bis 2015. Doch seit rund zweieinhalb Jahren hat er kein Gehalt mehr bekommen, aber kündigen und ausreisen, das geht auch nicht.

Belounis braucht - wie jeder Gastarbeiter - eine Zustimmung von einem Bürgen, um das Land verlassen zu können. Sein Bürge ist sein Verein, und der verweigert dem Kicker die Ausreise. Auch das Einschreiten der französischen Botschaft hat daran bisher nichts geändert. "Freunde aus Frankreich überweisen mir Geld, damit wir über die Runden kommen. Meine Ersparnisse sind in fünf, sechs Monaten aufgebraucht. Keine Ahnung, wie es dann weitergehen soll. Ich bin kein berühmter Spieler, ich bin nicht reich", hatte Belounis im Oktober dem SPIEGEL gesagt.

Nun hat er zwei der bekanntesten Fußball-Persönlichkeiten unserer Zeit gebeten, sich für ihn einzusetzen.

"Bitte nutzen Sie Ihren Einfluss als Fußball-Botschafter, um darüber zu sprechen, was mit mir und vielen anderen jungen Männern hier geschieht."

Sowohl der ehemalige Weltmeister Zidane als auch der heutige Bayern-Trainer Guardiola hatten die letztlich erfolgreiche Kandidatur des Emirats für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 unterstützt.

"Ich bin glücklich, dass ich die Bewerbung repräsentieren darf. Ich glaube, dies ist wahrlich eine einzigartige Bewerbung und es hilft, den beliebtesten Sport der Welt weiter um den Globus zu verteilen", hatte Guardiola - damals noch Trainer des FC Barcelona - in seiner Botschafterfunktion gesagt.

"Ich weiß, dass Sie als Botschafter für die WM 2022 tätig waren. Sie haben dies mit guten Absichten getan, aber wenn Katar sein System bei Ausreise-Visa nicht ändert, sitzen Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen in der Falle", so Belounis in seinem Brief.

Nach Angaben von Human Rights Watch sitzen sieben Europäer und Amerikaner gegen ihren Willen in Katar fest. Ebenfalls der "Guardian" hatte im Oktober berichtet, dass 70 Nepalesen seit Anfang 2012 starben, weil sie auf Baustellen unter widrigsten Bedingungen arbeiten mussten.

luk



insgesamt 36 Beiträge
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stefanmargraf 14.11.2013
1. Wie wäre es mit einem Austausch gegen Blatter?
Das ist nicht nur in Katar so, dass Arbeitnehmer dort eher als Sklaven behandelt werden: hinter dem ganzen Geld (von uns) ist immer noch das Mittelalter.
nemensis_01@web.de 14.11.2013
2. Wenn
das Sepp Blatter wüsste. Von all den Missständen. Zum Glück liest der keine Zeitschriften.
weserwasser 14.11.2013
3.
Das europäische Profifußballer Sklaven , sein können hätte ich ja nun nicht gedacht
mamasliebling 14.11.2013
4. Aber Beckenbauer hat keine Sklaven in Katar gesehen...
Tja Herr Zidane und Herr Guardiola wie schaut es aus? Helfen Sie einem Fußballkollegen oder stecken Sie den Kopf in den Sand. Bei Guardiola habe ich immer leise den Verdacht, dass es bei ihm hauptsächlich um das Geld geht. Schon alleine die Verpflichtung der Bayern von Thiago..... Berater ist der Bruder von Guardiola, ein Schelm der Schlimmes denkt!
ratem 14.11.2013
5.
Katar ist halt ein mittelalterlicher Unrechtsstaat. Blatter hat die Kohle eingeschoben, und die WM dorthin verschachert. Pfui Sepp!
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