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Niederlage gegen den FC Bayern: Schalkes Lust am Scheitern

Von , Gelsenkirchen

imago

Es war viel mehr drin - doch die Schalker Verantwortlichen tun nach der knappen Niederlage gegen die Bayern so, als müsse man dafür auch noch dankbar sein. Für die Liga ist das ein schlechtes Signal.

Die Welt des FC Schalke 04 ist eine verwirrende Angelegenheit in diesem November. Nach Niederlagen haben die Verantwortlichen eine beachtliche Routine entwickelt, trotzdem erleichtert zu reagieren.

Schon nach dem 2:3 bei Borussia Dortmund vor zwei Wochen war das königsblaue Befinden geprägt von einer seltsamen Mischung aus Enttäuschung und der Erleichterung darüber, wenigstens nicht gedemütigt worden zu sein.

Nach dem 1:3 gegen den FC Bayern am Samstagabend sprach Manager Horst Heldt nun von einem "tollen Spiel". Trainer André Breitenreiter feierte eine "taktisch hervorragende" Leistung. Niemand trauerte. Gegen die Bayern kann man schon mal verlieren.

Das treffende Resümee packte Heldt in ein Wort: "Schade." Er lächelte zufrieden, wie ein Mann, der es geschafft hat, einen besonders unangenehmen Arbeitstag halbwegs würdevoll hinter sich gebracht zu haben. Natürlich ist diese Reaktion verständlich, auf Schalke gibt es in diesem Herbst mal wieder so viel Verdruss, dass die Klubangestellten bemüht sind, die Stimmung aufzuhellen. Aber an diesem Samstag wäre auch eine gehörige Portion Wut nachvollziehbar gewesen.

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Bundesliga: Tor mit zweieinhalb Jahren Anlauf
Denn der Abend bot eine schöne Gelegenheit für eine kleine Sensation. Es war ungemütlich, kalt und regnerisch, der schlechte Rasen erschwerte das Münchner Kombinationsspiel und begünstigte die Schalker, die ihre fußballerische Unterlegenheit mit Kampfbereitschaft und einer guten Ordnung kompensierten wollten. Und der Spielverlauf passte eigentlich auch.

Nachdem Manuel Neuer einen haltbaren Schuss von Max Meyer zum 1:1 ins Tor gelassen hatte (17.) war das Publikum entflammt, die Bayern hatten große Mühe, Freude an diesem zähen Spiel zu entwickeln und den Schalkern gelangen gute Balleroberungen. Aber sie spielten ihre Konter nicht sauber zu Ende. "Gegen so einen übermächtigen Gegner brauchst du einfach Perfektion", sagte Heldt. Strategie und System von André Breitenreiter waren klug, "wir haben unseren Plan gut umgesetzt", fand der Trainer, Schalke hatte die Bayern gehörig genervt. Was fehlte, war das Phänomen des "Über-sich-Hinauswachsens".

Schalke-Trainer Breitenreiter: Lobte "taktisch hervorragende" Leistung Zur Großansicht
AP/dpa

Schalke-Trainer Breitenreiter: Lobte "taktisch hervorragende" Leistung

Thomas Müller, der in der Nachspielzeit noch zum 1:3 traf, fiel zur Schalker Defensive folgende Metapher ein: Sie sei "wie ein Bus" gewesen, "den sie vor dem eigenen Strafraum parken wollten". Grundsätzlich sei es in Mode gekommen mit einer Fünferkette zu spielen, sagte Müller. Schalke spielte bis weit in die zweite Halbzeit hinein mit einer 5-4-1-Formation.

Martínez nutzt Stellungsfehler von Höwedes

Eine sehr dichte Defensive scheint in dieser Saison das beste Mittel gegen die Bayern zu sein. Douglas Costa und Arjen Robben wurden jedenfalls erst gefährlich, als die Schalker nach dem 1:2-Rückstand mehr riskierten. Bei David Alabas abgefälschtem Schuss, der zum 1:0 ins Tor fiel (9.), war viel Glück im Spiel und den entscheidenden Moment dieses Abends begünstigte Benedikt Höwedes durch einen kleinen Stellungsfehler. Javier Martínez nutzte die Unaufmerksamkeit und köpfte das 2:1 (69.), das war die Schlüsselszene, in einer zweiten Halbzeit, in der das Spiel in beide Richtungen hätte kippen können.

Pep Guardiola sprach am Ende von einem "großen Sieg", und obwohl der Trainer zu Übertreibungen neigt, freute er sich zu Recht, dass sein Team auch solch ein eher freudloses Spiel mit Seriosität, Ehrgeiz und Willenskraft gewonnen hat. Sportdirektor Matthias Sammer lobte das "Durchhaltevermögen" der Bayern, deren Erfolgshunger immer wieder beeindruckend ist. Acht Punkte beträgt der Vorsprung auf Borussia Dortmund nun schon.

Die Schalker hingegen warten seit sieben Pflichtspielen auf einen Sieg und haben aus den jüngsten sechs Bundesligapartien gerade einmal vier Punkte erspielt. Das sieht nach einem bedenklichen Trend aus. Am kommenden Wochenende droht in Leverkusen eine weitere Niederlage. Angesichts dieser Entwicklungen ist es erstaunlich, mit welch einer Zuversicht Ralf Fährmann in die Zukunft blickt. "Es mag total paradox klingen, aber wir müssen nichts stoppen", erwiderte der Torhüter auf die Frage nach der Negativdynamik. "Wir sind in einem Prozess, und wenn man unsere Leistungen der vorigen Saison mit dieser Saison vergleicht, dann ist das ein kleiner Schritt."

Diese Argumentation ist nachvollziehbar. Dass ein Spitzenteam mit Champions-League-Ambitionen nach einer Heimniederlage gegen keineswegs überragende Bayern jedoch derart zufrieden in den Feierabend fährt, ist kein gutes Zeichen für die Liga. In diesem Spiel war mehr möglich, da darf man sich ruhig auch mal kräftig ärgern über eine verpasste Chance.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Also bitte
Schampusfüralle 22.11.2015
..ich wüsste jetzt nicht warum ausgerechnet die Schalker,seit Jahren nur Mittelmaß in der Liga den FC Bayern hätten schlagen sollen. Zugegeben,bis zur 70. Minute haben sie recht gut dagegen gehalten,das wars dann aber auch wieder mal,wie bei so vielen anderen Vereinen auch.
2.
Freidenker10 22.11.2015
Liga? Welche Liga? Die s.g. Liga besteht aus dem FCB und das wars. Die anderen Bundesligisten spielen irgendwo zwischen der ersten und zweiten Liga. Ich mache den Bayern ( bis auf den Kauf der Leistungsträger anderer Klubs ) ja nicht mal Vorwürfe so stark zu sein, vielmehr ärgert mich die Schwäche und das Unvermögen der anderen Klubs! Früher gab es mal hin und wieder einen Überraschungsmeister, dies ist heute undenkbar! Seit jahren bekommt es kein einziger Verein hin mal kostant gut zu spielen und genau dies macht unsere Liga so dermaßen langweilig! In England gab es gestern einen Wechsel an der Tabellenspitze, wie lange gab es das in der Bundesliga schon nicht mehr? Ist ja bei uns schon ein Fremdwort geworden...
3. Ein glücklicher Sieg des FCB
allezwizzer 22.11.2015
Ein Flipper-Tor entscheidet das Spiel. Das 1:3 von Müller geschenkt. Das Glück ist mit den Tüchtigen. Warum hat Schalke dann nicht gewonnen? Irgendwann wird die Glückssträhne des FCB auch wieder reißen. Was haben die diese Saison schon knappe Spiele gewonnen. Nicht auszudenken hätten die die alle nur unentschieden gespielt...
4. Rettung naht !
Gegenanflug27 22.11.2015
Zitat von Freidenker10Liga? Welche Liga? Die s.g. Liga besteht aus dem FCB und das wars. Die anderen Bundesligisten spielen irgendwo zwischen der ersten und zweiten Liga. Ich mache den Bayern ( bis auf den Kauf der Leistungsträger anderer Klubs ) ja nicht mal Vorwürfe so stark zu sein, vielmehr ärgert mich die Schwäche und das Unvermögen der anderen Klubs! Früher gab es mal hin und wieder einen Überraschungsmeister, dies ist heute undenkbar! Seit jahren bekommt es kein einziger Verein hin mal kostant gut zu spielen und genau dies macht unsere Liga so dermaßen langweilig! In England gab es gestern einen Wechsel an der Tabellenspitze, wie lange gab es das in der Bundesliga schon nicht mehr? Ist ja bei uns schon ein Fremdwort geworden...
Oh, Freude - Die Rettung ist nah ! Ich hatte gestern das unbeschreibliche Privileg, den Rasenballsportclub Leipzig, lebendig, tatsächlich live, auf der Bielefelder Alm zu bewundern. Ein Verein voll Lebenskraft und Fankultur, auf seinem Weg, durch die schmutzigen Niederungen der 2. Liga zu den höchsten Höhen, des europäischen Fußballs. Oh, wie wir uns in der 2. Liga freuen werden, wenn Kapitalsvereine wie diese, bald die "Erste", noch attraktiver machen werden. Das Derby Ingolstadt gegen Wolfsburg und das Spitzenspiel Leipzig gegen Hoffenheim kann ich kaum noch erwarten. Rettung ist also nah ! - Deutscher Meister, ab 2020 ff. Leipzig, Leipzig, Leipzig, Leipzig !, Wolfsburg ?, Leipzig !
5.
nextsl 22.11.2015
Zitat von allezwizzerEin Flipper-Tor entscheidet das Spiel. Das 1:3 von Müller geschenkt. Das Glück ist mit den Tüchtigen. Warum hat Schalke dann nicht gewonnen? Irgendwann wird die Glückssträhne des FCB auch wieder reißen. Was haben die diese Saison schon knappe Spiele gewonnen. Nicht auszudenken hätten die die alle nur unentschieden gespielt...
Das 1:0 hat das Spiel entschieden? Na ja, eine sehr eigenwillige Betrachtungsweise oder schlichte Provokation eines frustrierten BVB-Fans. Kann man ja verstehen, wenn man beim HSV mit 3:1 "baden geht". Nur: nach einer desolaten Leistung der eigenen Mannschaft dann hier seinen Frust abzulassen, ist mehr als sinnbefreit.
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